Nichts ist mehr, wie es einmal war. Dichter wollte einst Omar al-Hamzawi werden. Heute ist er ein erfolgreicher Anwalt, fünfundvierzig Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Töchter. Und mitten drin in einer veritablen Midlifecrisis. Er fühlt sich ein gezwängt in einen Alltag, der nichts Aufregendes mehr für ihn birgt, der eigentlich nur noch aus schalen Kompromissen besteht. Seine Gattin, mit vor Fett strotzenden Wangen, die Augen in Fettploster eingebettet, in sich ruhend, und prinzipienfest, seine Kinder, die er zweifellos liebt - alles das kann ihn nicht mehr halten.
Omar bricht aus - aus der Ehe, aus der Familie, auf gewisse Weise auch aus einer festgefügten, tradierten Gesellschaftsordnung. Er stürzt sich in ein Leben, vermeintlich ohne Schranken und jenseits aller Tabus. Andere Frauen, Alkohol, neue Lebens- und Angewohnheiten. Ist es das, was Omar aus seiner Lebenskrise reißen kann?
Es ist ein "Rausch", von dem der ägyptische Literatur-Nobelpreisträger Nagib Machfus erzählt. Die Stimme Ägyptens, der ganzen arabischen Welt, wurde 1911 geboren, 1988 erhielt er den Preis, 1994 wäre er beinahe einem Attentat zum Opfer gefallen. Thema all seiner Bücher (u.a. die "Kairo-Trilogie") ist ein unbestechlicher Blick auf die Geschichte seines Landes, ist eine kritische Auseinandersetzung über die ägyptische Identität in einer sich verändernden Welt. Der kleine Roman macht dies nahezu exemplarisch deutlich.
Das vorliegende Buch ist bereits 1965 erschienen und liegt - wie immer blendend übersetzt von Doris Kilias - in deutscher Sprache vor. Und auch nach mehr als fünfzig Jahren hat es nichts an Aktualität, an Frische verloren. Denn Machfus schreibt weit über den Anlass hinaus. So ist das individuelle Schicksal von Omar al-Hamzawi verbunden mit den Spannungen und Veränderungen in Ägypten nach der Nasser'schen Revolution von 1952.
Für Omar heißt es: "Nichts anderes ist an Verlockung noch geblieben, als auf der Spitze der Pyramide zu tanzen oder dich von einer Brücke in die Tiefen des Nils fallen zu lassen oder nackt ins Hilton-Hotel zu stürzen." Am Ende gerät Omar in die politischen Wirren. Zugleich aber ist dies auch ein Erwachen, "Der Teulel trieb sein Spiel mit dir. Statt eines Rauschs traf dich der Fluch, und das Paradies ward zum Spielplatz von Narren."