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Der Rausch
 
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Der Rausch [Taschenbuch]

Nagib Machfus
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Taschenbuch, April 2005 --  
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 327 Seiten
  • Verlag: Unionsverlag; Auflage: 1., Aufl. (April 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3293203272
  • ISBN-13: 978-3293203273
  • Originaltitel: Al-Shahhad
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,6 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.002.470 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Die Geduckten Nagib Machfus entwirft eine Studie des Anpassertums Als es 1952 in Ägypten zur Revolution der «Freien Offiziere» kam, wurde sie von den meisten Bewohnern des Landes freudig begrüsst. Die Hoffnung war gross, dass nach dem Abzug der britischen Truppen, der Abschaffung der Monarchie und der Ausrufung der Republik eine demokratische Ära anbrechen würde, in der sich die humanistischen Ideale von sozialer Gerechtigkeit und individueller Freiheit verwirklichen liessen. Doch die zwei Jahre später erfolgte Übernahme der Regierungsgewalt durch Gamal Abdel Nasser, zunehmende politische Repressionen, das Scheitern seiner sozialistischen Reformen, Korruption und die Allgegenwart des Geheimdienstes führten zu Angst und Schrecken bei breiten Bevölkerungsschichten, zu Ratlosigkeit bei vielen aufgeklärten Intellektuellen. Nagib Machfus, der mit seiner sozialkritischen «Kairoer Trilogie» eine panoramische Darstellung des gesellschaftlichen Lebens zwischen der bürgerlichen Revolution von 1919 und der militärischen von 1952 geliefert hatte, verstummte angesichts wachsender Unfreiheit und Gewalt. Als er nach Jahren des Schweigens wieder zur Feder griff, entstanden in kurzen Abständen eine ganze Reihe düster-pessimistischer Romane, die der maroden ägyptischen Gesellschaft den Spiegel vorhielten. Zu diesen allegorisch-realistischen Romanen, in denen die Protagonisten meist für eine bestimmte soziale Schicht stehen, gehören z. B. «Der Dieb und die Hunde» oder «Das Hausboot am Nil». Der eine stellt eine Abrechnung mit den geistigen Verführern des Volkes dar, die aufwiegeln, statt aufzuklären, und dann die Verführten ihrem unglückseligen Schicksal überlassen. Der andere schildert die kollektive Enttäuschung und politische Ohnmacht einer ganzen Generation am Beispiel einer Gruppe von Künstlern und Intellektuellen, die sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen, sich der Passivität und dem Drogenkonsum hingeben, statt einzugreifen und zu handeln. Zu diesen Romanen, die sich kritisch mit der Reaktion bestimmter Bevölkerungsgruppen auf die marxistisch verbrämte Diktatur des Nasser-Regimes auseinandersetzen, gehört auch der jetzt auf Deutsch erschienene Roman «Der Rausch» von 1965. Von drei Freunden, die Anfang der vierziger Jahre an der juristischen Fakultät der Kairoer Universität studiert und sich einem radikalen Sozialismus verschrieben haben, wird der eine, Osman, bei einem Bombenattentat gefasst, von dem sich das Trio ein Ende der monarchischen Willkürherrschaft versprochen hatte, und zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein anderer, Mustafa, wird zunächst Anwalt, dann aber Schriftsteller. Seiner Ansicht nach ist «das Gesetz gestorben», gibt es keinen Rechtsstaat mehr. Doch auch die zunächst mit Hingabe betriebene Dichtkunst nimmt er nicht mehr ernst. Erbittert stellt er fest, dass das Publikum nur noch auf Unterhaltung und Amüsement aus ist. Der dritte, Omar, ist ein äusserst erfolgreicher Anwalt geworden. Das Verfassen von Liebesgeschichten und den Traum von einer gerechten, glücklichen Gesellschaft hat er als Kinderkram und Jugendsünde abgetan. Drei Männer also, die sich im Laufe der Jahre den herrschenden Verhältnissen auf unterschiedliche Weise angepasst haben. Osman, der in der Solidargemeinschaft der politischen Häftlinge so etwas wie die Verwirklichung der «klassenlosen Gesellschaft» sieht, schafft es, den brutalen Gefängnisalltag relativ ohne Schaden zu überstehen. Mustafa ist in die Rolle des «Possenreissers» und «Spassmachers» geschlüpft und verdient mit seichter Unterhaltung «einen Haufen Geld». Omar arbeitet wie ein Berserker und lebt mit seiner Familie in luxuriösem Überfluss. Doch in den ruhigen Alltagstrott seines Lebens trifft plötzlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Bemerkung eines Klienten, man müsse das Leben geniessen, bevor Gott es nimmt. Unruhe und ein heftiges Verlangen nach rauschhaftem Glück erfassen ihn – nach einem Glück, das einst greifbar nahe schien, als er von Liebe, von Sehnsucht nach Schönheit, von dem Streben nach Freiheit und sozialer Gerechtigkeit erfüllt war. Auf der Suche nach dem Sinn der menschlichen Existenz – ein Thema das sich leitmotivisch nicht nur durch diesen Roman, sondern durch das gesamte Werk des Nobelpreisträgers Nagib Machfus zieht – eilt Omar von einem Rausch zum anderen, von Frau zu Frau, von Ekstase zu Ekstase. Nichts und niemand vermag ihm zu helfen. Der Roman endet in düsterer Ausweglosigkeit. Diese Düsterkeit berührt einen allerdings nicht sehr. Die im Mittelpunkt stehenden drei Männer sind recht holzschnittartig geraten, dienen in auffälliger Form der Diskussion ideologischer Thesen, verkörpern auf plakative Weise Prozesse der Anpassung. Lebendiger und differenzierter sind in diesem zutiefst pessimistischen Roman die eher am Rande in Erscheinung tretenden Frauen gezeichnet. Sie sind es auch, die als Einzige so etwas wie Hoffnung verkörpern, da sie trotz allen Fährnissen Leben schenken und schützen und trotz allem Unglück offen sind für die Schönheiten des Daseins und der Kunst. Sie bilden ein Echtheitssiegel Machfus'scher Autorschaft. Renate Wiggershaus -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Sinnkrisen sind kein Monopol des Westens." (Die Zeit)

"Diese ägyptische Version einer Midlife-Crisis besticht durch den Bedeutungsreichtum ihrer Bilder und die Schärfe der gesellschaftlichen Analyse." (FAZ)

"Eines der radikalsten Bücher von Machfus über die Zertrümmerung aller Konventionen, die Suche nach der absoluten Freiheit und die Sehnsucht, alle Fesseln zu sprengen und das wahre Leben zu entdecken." (Bayerischer Rundfunk)

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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Camus' Ekel in Kairo 14. Oktober 2004
Von dr_rgne VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Omar, ein erfolgreicher und wohlhabender Anwalt in Kairo, wird plötzlich von undruchdringbarer Lustlosigkeit heimgesucht. Weder Arztbesuche, noch der Urlaub mit der Familie, noch die häufigen Diskussionen mit seinem besten Freund können ihm dabei helfen. Im Gegenteil, sein Zustand wird immer ernster, die Frustration immer überwältigender. Es gelingt ihm lediglich für kurze Augenblicke, einem ersehnten Rausch zu verfallen.
Beeindruckend ist vor allem die unheimlich glaubwürdige und überzeugende Darstellung der Gefühlswelt des Hauptcharakters, man leidet geradezu mit ihm mit. Die "Krankheit" von Omar erinnert dabei sehr stark an den "Ekel" von Albert Camus, wird aber in einen moderneren und "normaleren" Kontext gestellt und damit sogar noch nachvollziehbarer - ein Meisterwerk.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Nichts ist mehr, wie es einmal war. Dichter wollte einst Omar al-Hamzawi werden. Heute ist er ein erfolgreicher Anwalt, fünfundvierzig Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Töchter. Und mitten drin in einer veritablen Midlifecrisis. Er fühlt sich ein gezwängt in einen Alltag, der nichts Aufregendes mehr für ihn birgt, der eigentlich nur noch aus schalen Kompromissen besteht. Seine Gattin, mit vor Fett strotzenden Wangen, die Augen in Fettploster eingebettet, in sich ruhend, und prinzipienfest, seine Kinder, die er zweifellos liebt - alles das kann ihn nicht mehr halten.

Omar bricht aus - aus der Ehe, aus der Familie, auf gewisse Weise auch aus einer festgefügten, tradierten Gesellschaftsordnung. Er stürzt sich in ein Leben, vermeintlich ohne Schranken und jenseits aller Tabus. Andere Frauen, Alkohol, neue Lebens- und Angewohnheiten. Ist es das, was Omar aus seiner Lebenskrise reißen kann?

Es ist ein "Rausch", von dem der ägyptische Literatur-Nobelpreisträger Nagib Machfus erzählt. Die Stimme Ägyptens, der ganzen arabischen Welt, wurde 1911 geboren, 1988 erhielt er den Preis, 1994 wäre er beinahe einem Attentat zum Opfer gefallen. Thema all seiner Bücher (u.a. die "Kairo-Trilogie") ist ein unbestechlicher Blick auf die Geschichte seines Landes, ist eine kritische Auseinandersetzung über die ägyptische Identität in einer sich verändernden Welt. Der kleine Roman macht dies nahezu exemplarisch deutlich.

Das vorliegende Buch ist bereits 1965 erschienen und liegt - wie immer blendend übersetzt von Doris Kilias - in deutscher Sprache vor. Und auch nach mehr als fünfzig Jahren hat es nichts an Aktualität, an Frische verloren. Denn Machfus schreibt weit über den Anlass hinaus. So ist das individuelle Schicksal von Omar al-Hamzawi verbunden mit den Spannungen und Veränderungen in Ägypten nach der Nasser'schen Revolution von 1952.

Für Omar heißt es: "Nichts anderes ist an Verlockung noch geblieben, als auf der Spitze der Pyramide zu tanzen oder dich von einer Brücke in die Tiefen des Nils fallen zu lassen oder nackt ins Hilton-Hotel zu stürzen." Am Ende gerät Omar in die politischen Wirren. Zugleich aber ist dies auch ein Erwachen, "Der Teulel trieb sein Spiel mit dir. Statt eines Rauschs traf dich der Fluch, und das Paradies ward zum Spielplatz von Narren."
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das Leben hat keinen Sinn 7. November 2005
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Diese Erkenntnis ist schwer zu ertragen. Die Sehnsucht nach einem Sinn wird mit „Ersatzwerten“ wie Karriere, Prestige und Status gefüllt. Hat man alles erreicht, begreift man, dass diese keinen wirklichen Ersatz bieten. Aber statt sich über diese Erkenntnis zu "freuen", dass man diese falschen Werte entlarvt hat, breitet sich Frust aus, dass dahinter erst recht gar nichts steckt: die Erkenntnis, dass es gar keinen Sinn macht, und nie einen gegeben hat, vermag nicht zu beglücken: es ist halt noch frustrierender, als dass man immerhin vermeintlichen Zielen nachjagt. Übrig bleiben Selbsthass und Verzweiflung über die eigene Bedeutungslosigkeit.
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