Hier bekommt man die Biographie eines einsamen Jungen zu lesen, der sein ganzes Leben auf der Suche nach Liebe, Bestätigung und Zusammenhalt war. Insofern finde ich den Titel des Buches ein wenig fehl am Platz. Wirklich "ausgepackt" wird nur sein subjektives Sichtbild auf die egoistische Welt. Willkommen im Leben Herr P.!
Als Sohn einer anschaffenden Alkoholikerin und Bruder zweier älterer Halbgeschwister in diese Welt geboren und damit ohne wirkliche Zuneigung aufgewachsen. Traurig, aber auch leider kein Einzelfall.
In der Schule erst ungewollt, dann gewollter Außenseiter mit Hang zur Wiking-Jugend. Ständig aber abwehrend die Hände wedelnd, dass er diese "Gesinnung" zu keinem Zeitpunkt teilte. Aha...
Dann die Zeit beim Bund. Endlich Familie. Feste Regeln und man fühlt sich endlich wohl und angekommen. Aufstieg zum - mit fragwürdigen Methoden arbeitenden - Ausbilder. Immer mit Hinweis auf seine Ausstrahlung der natürlichen Dominanz - die dann aber doch auf einmal körperlich unterstrichen wird.
Einstieg in den Gremium FC. Das sind aber auch keine Männer. Also nicht so wie er! Geradlinig und aufrichtig - subjektiv gesehen... Aber gehen kann man ja auch nicht. Was er anfängt zieht er durch! Mit einer Menge Gejammer. Aufstieg zu einem - wenn man ihm glauben darf - recht hohen Posten innerhalb des MC. Aber trotzdem alles doof und unehrlich! Er wird nicht mal von seinen "Freunden" im Krankenhaus besucht. Das schmerzt ihn tief und Verbitterung wächst stetig weiter.
Dann doch irgendwann der Wechsel. Die Zeit bei den Hells Angels ist vergleichsweise ein eher kurzer Abschnitt. Er muss wieder ganz unten anfangen und das Selbstmitleid zieht sich über viele, viele... Seiten. Er wird nicht müde zu erwähnen, was er doch für ein gerader Kerl ist, der sich nichts sagen lässt und gerade deshalb aneckt und nicht "befördert" wird. Ja... Was denn nu?! Also wieder jammern. Selbst eine offizielle Reinigungskraft wird nicht so viel über verdreckte Toiletten schimpfen, wie er in seinem "Auspack-Buch". Aber er wusste es ja auch eigentlich vorher und stellt sich immer wieder die Frage, warum er das eigentlich alles macht. Ja... kann ich verstehen - das habe ich mich nämlich während des Lesens auch ständig gefragt. Vielleicht als "Ausrede", damit man versteht, warum er am Ende die Seiten wechselt?
Der Herr steht auf die Einhaltung von Regeln. Super! Komisch nur, dass er sich so ungerne selbst daran hält. Z.B. als man ihm ein Alkohol- und Drogenverbot auferlegt. Er ist ja schließlich erwachsen und kann selbst entscheiden. Sicher! Wo er ja auch eingangs ständig schreibt, dass er Abstinenzler wäre - aber die Anderen bzw. die Umstände haben ihn dann doch dazu getrieben. Ach so...
Interne Dinge erfährt der geneigte Leser hier eigentlich nicht. Man liest eher von ungeraden und verweichlichten Männern, die sich vor der Verantwortung drücken aber nach außen hin auf Zusammenhalt und "dicke Hose" machen. Nur er, er war immer gerade und hat keine Auseinandersetzung gefürchtet.
Der Ausstieg. Nun ja. Angebot wurde abgegeben, er hat es angenommen. Für jemanden der so geradlinig ist, eher ein bisschen paradox... Weil schließlich wird es ja unter Rockern immer ganz anders geklärt. Also rein theoretisch zumindest. Aber er will für das Mädchen da sein, das er als seine Tochter angenommen hat. Alles wird irgendwie gerechtfertigt - und das ziemlich oft ein wenig weit hergeholt...
Fazit: hier fühlt sich ein Mensch als Opfer und möchte sich die Absolution für sein Verhalten bei der Leserschaft abholen - das ist MEIN subjektives Empfinden! Jemand, der sich selbst als gerade und aufrichtig sieht - sich aber ständig und immer wieder (mindestens 1x in jedem Kapitel) widerspricht und sich über sein rückhaltloses und fieses Umfeld beschwert. Mir persönlich ging diese ewige mit "Ausflüchten" versehene Märtyrer-Nummer dann auch irgendwann gehörig auf den Keks! Langweilt mich!