Zum "Rabenkönig" sagte - will man dem Klappentext des Buches Glauben schenken - David Gemmell, es handle sich um "ein sensationelles Debüt".
Da ich ein eingefleischter David Gemmell-Fan bin und Schottland allgemein und Edinburgh ganz besonders kenne und liebe, war der Kauf des "Rabenkönigs" für mich natürlich ein Muss!
Doch was für eine Enttäuschung! Weder die Kulisse noch die Atmosphäre der wunderbaren schottischen Hauptstadt versteht die Autorin einzufangen, alles bleibt oberflächlich und fast leblos, vor allem aber austauschbar. Wäre da nicht der eine oder andere Ort mit Namen genannt, so könnte man die Handlung problemlos in fast jede beliebige europäische Großstadt versetzen.
Das gleiche gilt für die Parallelwelt Sutra, die stellenweise fast skizzenhaft, aber auf keinen Fall überzeugend oder gar "lebensecht" wirkt.
Die Handlung selbst könnte über diese Schwächen vielleicht hinwegtrösten, doch auch hier enttäuscht die Autorin. Dem bereits dutzendfach variierten Thema (Erdenbürger verschlägt es in eine von Unheil bedrohte Parallelwelt) vermag Miller Lau ein paar neue Nuancen hinzuzufügen, sie schafft es aber nicht, das beim Leser zu erwecken, was jedes gute Buch auszeichnet: Spannung und ein echtes Interesse, ein Mitfühlen und Mitleiden am Schicksaal der Hauptpersonen.
Schließlich ist der Stil - vorsichtig gesagt - gewöhnungsbedürftig, geprägt von häufigen Wechseln der Erzählperspektive und von Wechseln zwischen Gegenwarts- und Vergangenheitsform. Vor allem jedoch geprägt von zahlreichen stilistischen Fehlgriffen, die aber nicht unbedingt der Autorin, sondern eher der Übersetzung von Marianne Schmidt zuzuschreiben sind.
Insgesamt ein enttäuschendes Buch, das ich am Ende nur noch quer gelesen habe und dessen angekündigte Folgebände ich mir ersparen werde.