Noch nie habe ich eine solche Anhäufung von Geschlechterstereotypen in einem Krimi erlebt. Seit der "dünnen Frau", die ich ungewöhnlich, spannend und witzig fand, zeichnet Cannell mit jedem Buch stärker eine Frau, die immer freundlich ist, es allen recht machen will und niemals Grenzen setzt.
Und in jedem Band gibt es dieselben Klischees:
1) die unverschämten anderen, die sich alle möglichen Dreistigkeiten heraus nehmen, denen die Heldin jedoch mit äußerster Freundlichkeit und Dienstbarkeit begegnet (z.B. die Putzfrau, die Ellie stets ihre eigene Schuld in die Schuhe schiebt; die stets kritische Schwiegermutter, der Ellie nichts recht machen kann; die schöne Cousine, deren herabsetzende Äußerungen Ellies Selbstbewusstsein stets an der empfindlichsten Stelle treffen); und
2) der lebenskluge und liebevolle Ehemann, der freundlich über den Dingen steht und dessen überlegene Gelassenheit Ellie immer erst am Ende anerkennt.
Auch der Ablauf ist immer derselbe: Unerträgliche Menschen drängen sich Ellie auf, die sie freundlich als Gäste in ihrem Haus aufnimmt und tatkräftig versucht, es ihnen recht zu machen, und am Ende erkennt sie, dass diese Menschen tief in ihrem Herzen doch gut sind, und alle haben sich lieb und helfen einander.
Das war bei der Fortsetzung von "Die dünne Frau" (die noch nichts davon hat) noch komisch, wird aber mit jedem Band unerträglicher.