Wer kennt das Problem nicht - da wird mal wieder jemand erschossen in Geheimdienstkreisen und überall ist Blut, alles sieht sehr unschön aus, der nächste Auftrag wartet und man hat keine Zeit, auch noch aufzuräumen. Dabei gibt es massenweise DNA - Spuren, die Patronenhülsen liegen nur so herum und natürlich hat man auch Fingerabdrücke hinterlassen.
Da wäre es doch perfekt, wenn sich jemand darum kümmern würde und hinter einem aufräumt, während man zum nächsten Geheimtreffen eilt.
Genau diese Marktlücke füllt Jonathan Quinn aus - ein professioneller "Cleaner" und früherer CIA - Agent, der mal schnell feucht durchwischt und so dafür sorgt, dass Leichen verschwinden, Spuren verwischt werden und Tatorte wieder aussehen, als ob dort gerade ein Kaffeekränzchen stattgefunden hat, statt eines unerbittlichen und sehr blutigen Feuergefechts.
Das wäre noch nicht weiter spannend, aber Brett Battles weiß, wie er den Leser packen kann und lässt seine Hauptfigur mitten in eine Verschwörung hineinstolpern, die Jonathan Quinn buchstäblich Kopf und Kragen kosten kann.
Nicht nur ihm, denn auf einmal werden "freie Mitarbeiter" umgebracht und so was ist nie gut fürs Betriebsklima.
Nachdem man versucht hat ihn umzubringen, wird ihm Los Angeles zu heiß und er muss mit seinem Lehrling Nate, was beweist, dass so ein Job Zukunft hat und sich ganz offensichtlich großer Beliebtheit erfreut, das Land verlassen.
Die Hetzjagd führt sie nach Vietnam, wo sie auf Orlando treffen, eine geheimnisvolle, wunderschöne Agentin, die mehr als nur ein As im Ärmel hat, wenn es um Nahkampf und raffinierte Grausamkeiten geht.
Allerdings gibt es da ein Problem - Quinn war anwesend, als der Ehemann von Orlando während einer Geheimdienstoperation getötet wurde.
Natürlich schafft so etwas Spannungen zwischen den Figuren, aber das ist ja prinzipiell für ein Buch absolut nicht schlecht zu nennen.
Nichts ist doch langweiliger als ödes Friede, Freude, Eierkuchen und alle haben sich lieb.
Das passiert in diesem Thriller glücklicherweise nicht. Da fliegen die Kugeln nur so, es geht hart zur Sache und man schaut angstvoll ab und an nach, ob man auch wirklich die Wohnungstür abgeschlossen hat.
Das dramatische Finale, welches in Berlin spielt, ist dann so richtig packend.
Das Terrorszenario im Buch scheint mittlerweile zur obligatorischen Ausstattung von Spionagethrillern zu gehören.
Glücklicherweise hat Brett Battles noch jede Menge anderer Pfeile im Köcher, so dass man über diesen Handlungsstrang leicht hinweg sehen kann. Denn der Autor wartet mit einer Menge mehr an Überraschungen auf und die haben es in sich.
Klar ist das Buch ein Erstlingswerk. Es hat gewisse Schwächen und eine Menge Ecken und Kanten. Doch besser das, als ein stromlinienförmiges Machwerk nach immer demselben Schema.
An der einen oder anderen Stelle hätte eine Straffung dem Thriller vielleicht gut getan, doch auf der anderen Seite versteht es der Autor, zu erzählen und dadurch kann man gut mit dem Text klarkommen, denn es ist nie langweilig oder driftet in Situationen ab, wo man den Kopf
schütteln müsste, über soviel Schwachsinn.
Jonathan Quinn ist ein Held, der das Buch voranbringt. Seine Sichtweisen sind unterhaltsam und der Actiongehalt zufriedenstellend.
Sicher, bei einigen Einfällen wird die Logik ein wenig arg strapaziert und der Zufall kommt manchmal zu Hilfe, aber wir sprechen von einem Buch, welches den Leser unterhalten soll und ihn nicht mit Informationen über die Lösung der schwierigsten Fragen der Welt versorgen muss.
Es geht darum, sich beim Lesen wohl zu fühlen und Spaß zu haben und das vermag der Thriller mit Leichtigkeit.
Sollte man dieses Buch lesen? Unbedingt sogar, denn mit Jonathan Quinn betritt ein erfrischend neuer Typus von Held die Bühne des Spionageromans und es tut auch mal gut, wenn jemand nicht auf alle Fragen eine Antwort hat und nicht jedes Problem, ohne ins Schwitzen zu geraten, lösen kann.
Sicherlich, der Lehrling Nate hätte ein wenig mehr Tiefe in der Charakterzeichnung verdient gehabt, aber "Der Profi" ist glücklicherweise der erste Band einer ganzen Reihe von Romanen die Jonathan Quinn als Helden haben - und da ist sehr viel Raum für Entwicklungen und Verbesserungen, wenn es um die Nebenfiguren geht.
Aber das wäre Jammern auf hohem Niveau - "Der Profi" setzt problemlos eine Vielzahl anderer Bücher im Spionagegenre schachmatt und ist deshalb eine willkommene Abwechslung im manchmal ewig gleichen Einerlei der Agentenromane.
Deshalb werden hier auch Freunde eher ruhiger Spionageschichten mit Bluffs und Gegenbluffs und ziemlich behäbigem Handlungsaufbau arg enttäuscht.
Das Buch ist eine Achterbahnfahrt und jede Menge Adrenalin schießt einem beim Lesen durchs Blut. Dennoch wird man nicht unterfordert, die Ideen und Handlungsstränge sind virtuos verwoben und machen das Mitdenken unbedingt erforderlich.
Die knapp über vierhundert Seiten lesen sich dramatisch schnell weg und man ist glücklich darüber, dass man zum nächsten Band greifen kann, um zu sehen, was Jonathan Quinn an weiteren Abenteuern erlebt.
Bislang auf Deutsch in der Reihe um Jonathan Quinn erschienen:
1. Der Profi (2007, Originaltitel: The Cleaner)
2. Todesjagd (2008, Originaltitel: The Deceived)
Für Freunde der Reihe, die nicht so lange warten wollen, bis der dritte Band auf Deutsch erscheint und die der englischen Sprache mächtig sind, ist das nächste Abenteuer bereits erschienen. Allerdings ist zu beachten, dass es dafür zwei unterschiedliche Titel gibt, es handelt sich aber um ein und dasselbe Buch.
3. The Unwanted ( 2009, aka "Shadow of Betrayal", bislang nicht auf Deutsch erschienen)
Als Fazit gibt es allein schon für das Level, welches Brett Battles bereits in seinem ersten Thriller erreicht hat, fünf Sterne. Das man auch noch richtig gut und spannend unterhalten wird, untermauert die Bewertung. Kleinere Schwächen macht der Autor mit seinem großen Talent wett und für eine schlechte Übersetzung ins Deutsche kann man ihn nicht verantwortlich machen. Dafür gibt es keinen Punktabzug. Wer sich darüber ärgert, dem sei empfohlen die Folgebände im Original zu lesen.