Dieser Roman ist allenfalls leichte Unterhaltung. Wer nicht groß nachdenken will und nicht erwartet, allzu viel über japanische Kultur und/oder Geschichte zu erfahren, kann mit "der Prinz von Sadoshima" sicherlich einige unterhaltsame Stunden verbringen. Wer allerdings von einem Krimi erwartet, dass die Handlung nicht vorhersehbar ist (sodass man Dinge nicht schon 200 Seiten bemerkt, bevor der Protagonist des Buches endlich darauf kommt) dürfte enttäuscht werden.
Auch auf die kulturellen Hintergründe Japans im 11. Jahrhundert kann man bei Lektüre des Buches vergeblich warten. Zugegeben, man lernt etwas über das Verwaltungssystem und gewisse Machthierarchien im Zuge dessen, damit ist dann aber auch schon fast Schluss. Auf Lebensumstände oder -einstellungen wird nur am Rande und durch manche prototypischen Figuren eingegangen. Leider scheint die Autorin sich keine allzu große Mühe mit ihrer Recherche gemacht zu haben, beziehungsweise damit, Japan zu verstehen. Auch wenn die historischen Fakten stimmen, so wird auf die Wesensart der Japaner kaum eingegangen, alles wird durch ein "westliches Fenster" gesehen. Vermutlich kommt das auch durch eine allzu "eingedeutschte" Übersetzung der amerikanischen Vorlage zustande, was ich allerdings bisher nicht überprüfen konnte, da es mir bisher nicht möglich war, eine Ausgabe in der Originalsprache aufzutreiben.
Auch ist mir nicht nachvollziehbar, warum bei manchen Begriffen, für die es eine eindeutige englische sowie deutsche Übersetzung gibt (wie beispielsweise Kugelfisch), wiederholt das japanische Wort benutzt wird; bei Eigennamen, für die es in keiner anderen Sprache eine exakte Entsprechung gibt, jedoch nicht. Ein Beispiel hierfür ist das "Stockfechten", womit vermutlich der Schwertkampf mit einer Übungswaffe aus Bambus gemeint ist (Kendo).
Inwieweit wir Europäer überhaupt in der Lage sind, die japanische Mentalität (und hier vor allem die des 11. Jahrhunderts) zu verstehen, sei dahingestellt. Wenn man das anhand von "Der Prinz von Sadoshima" gar nicht erst versucht und in der Lage ist, analytisches Denken zu einem gewissen Grad abzustellen, hat man auf jeden Fall einen unterhaltsamen und netten Zeitvertreib vor sich.