Selbstbewusst blickt er den Betrachter vom Cover der DVD an: Errol Flynn, der König der Swashbuckler, lässig an eine Hauswand gelehnt, den Degen an der Seite. Dieses Coverbild könnte (und soll vermutlich auch) den Betrachter zu der Ansicht verleiten, bei diesem 1937 gedrehten Film handle es sich vor allem um ein Vehikel für den zwei Jahre zuvor mit "Captain Blood" kometenhaft zum Superstar aufgestiegenen Australier; ein Eindruck, der auch zu Beginn des Vorspanns noch anhält, wenn der Name des Stars in Riesenlettern die Credits eröffnet. Dann jedoch vergehen gute fünfzig Minuten, fast die Hälfte des Films, bis der Held tatsächlich auf der Leinwand erscheint - anders als bei "Captain Blood", "The Charge of the Light Brigade" (1936), "Robin Hood" (1938) und "The Sea Hawk" (1940), den anderen Mantel-und-Degen-Filmen aus dieser frühen (und besten) Phase des Helden, setzen die Warner-Verantwortlichen diesmal nicht alles auf ihren Star, sondern bieten eine (trotz einiger Abweichungen und Kürzungen von der Vorlage) recht getreue Verfilmung von Mark Twains Klassiker; und dies bedeutet einen Ensemblefilm, bei dem die Hauptaufmerksamkeit den beiden Titelhelden gilt, dem zehnjährigen Prinzen Edward und dem gleichaltrigen Bettelknaben Tom Canty, die ungewollt die Rollen tauschen und in den Schuhen des jeweils anderen die erstaunlichsten Erfahrungen machen, bevor sich am Ende alles in Wohlgefallen auflöst.
Das bedeutet natürlich nicht, dass Flynn nicht gut wäre; er ist vielmehr, achtundzwanzig Jahre jung, in bester Verfassung und Laune und in der Partie des Glücksritters Miles Hendon, der dem jungen Prinzen Leben und Thron rettet, die logische, im Grunde die einzig mögliche Wahl. Hendons Beziehung zu Edward ist anrührend dargestellt, am schönsten in der langen Szene in Hendons Unterkunft, und daneben darf er reiten, fechten und flirten wie eh und je, nur alles (vor allem das Flirten) sozusagen im Zeitraffer.
Die beiden Kinderstars, die Zwillinge Billy und Bobby Mauch, spielen sehr schön und überzeugend; Sentimentalitäten halten sich im von der Vorlage gesetzten Rahmen. Unter den erwachsenen Schauspielern findet sich so ziemlich die ganze Riege hervorragender Charakterdarsteller, die Warner Brothers damals aufbieten konnte. Dem Flynn-Fan sind die meisten aus anderen Filmen des Stars bekannt; z.B. Alan Hale ("Little John"), diesmal als Hauptmann der Palastwache Flynns Gegner im entscheidenden Duell; und Henry Stephenson (der alles zum Guten wendende Lord Willoughby aus "Captain Blood") als Herzog von Norfolk. Drei Herren (bedeutende Frauenrollen gibt es in diesem Film nicht) machen besonderen Eindruck: Barton MacLane als Tom Cantys brutaler Vater; Montagu Love als sterbender Heinrich VIII.; und schließlich Claude Rains als Graf von Hertford, der Schurke des Stücks. Rains, der durch seine Darstellungskunst viele Filme mitgeprägt hat - darunter (neben "Robin Hood" und "The Sea Hawk") solche Klassiker wie "Mr. Smith geht nach Washington" und "Casablanca" - ist so gut wie immer, und das heißt: unglaublich gut; wie jedes Mal macht er sich seine Figur ganz und gar zu eigen.
Das sieht also alles ziemlich gut aus, wie auch die schönen Kulissen und Kostüme in bester Warner-Qualität. Leider heißt der Regisseur nicht Michael Curtiz, sondern William Keighley, was bedeutet, dass es dem Film gelegentlich an Tempo und Timing mangelt; aber insgesamt hat die Sache die richtige Mischung aus Charme, Spannung und Humor, die das Anschauen zu einem beinahe reinen, freilich ziemlich harmlosen Vergnügen macht - ein echter Familienfilm, auch für Kinder bestens geeignet.
Deutsche Kinder dürften von dieser DVD allerdings nicht viel haben, denn es gibt nur englischen Ton, und keine Untertitel (nicht einmal englische). Die Schwarzweiß-Bildqualität ist mäßig, dem Ton hört man sein Alter deutlich an. Extras gibt es nicht.
In summa ist das ein hübscher Film, dem auf die Dauer eine etwas liebevollere Veröffentlichung mit restauriertem Bild und (mehrsprachigem) Ton zu wünschen wäre.