Vorab: Gleich zu Beginn des Films wird darauf hingewiesen, dass er eine "Adaption" an die Exodus-Geschichte und somit nicht biblisch-wortgetreu sei, aber von Gehalt, Werten und Integrität sich im Wesentlichen genau darauf beziehe. Aber auch ohne diesen Hinweis dürfte klar sein, dass ein kommerzieller Film sich eine gewisse künstlerische Freiheit nimmt, eine Geschichte wieder zu geben. Und so finden sich für den aufmerksamen Beobachter auch Freiheiten (wie z.B. das vorzeitige Kennen Lernen von Mose und seiner zukünftigen Frau Zippora am Hofe von Ägypten, die genaue Benennung des späteren Pharaos mit Ramses, die die ägyptischen Truppen aufhaltende Feuerwand) und Unfeinheiten (wie das Außer-Acht-Lassen von Aaron als Moses Sprecher, das scheinbar simultane Auftreten der Plagen).
Musikalisch eingängig beginnt er, der "Prinz von Ägypten", und zeigt gleich die Belastungen, unter denen die hebräischen Sklaven unter ihren ägyptischen Herren leiden müssen. Eindrücklich zeigt sich in dem Film auch die Masse der Menschen, die da schließlich aus Ägypten heraus ziehen.
Von den gezeichneten Figuren und den Singstimmen sowie einigen musikalischen Arrangements war ich ein wenig enttäuscht, obwohl letztere aus der Feder von Hans Zimmer stammen, den ich normalerweise als Komponist sehr schätze. Moses Mutter hat im Gesang einen Akzent, der das Verstehen ihrer Gesangsparts nicht immer leicht macht, aber für die Person an Authentizität und aus unserer Sicht Fremdartigkeit gewinnt - ebenso wie es auch die israelischen Gesänge tun. Ich habe den Eindruck, dass die deutsche Um- und Übersetzung hier im Vergleich zur englischen leider auch Einiges verliert.
Leider ist der Schluss stark verkürzt: Die Gesetzestafeln werden nur noch angedeutet, der mühsame und entbehrliche Weg durch die Wüste und die damit zusammen hängende Unzufriedenheit der Hebräer finden gar keine Erwähnung mehr. Insgesamt liegt der Akzent mehr auf den menschlichen Beziehungsgeflechten als auf der Beziehung von Mose und dem Volk Israel mit ihrem Gott wie etwa aus biblischer Sicht, weshalb auch die Verheißung des oder der Einzug ins "gelobte Land" keinerlei Erwähnung finden.
Das Bonus-Material besteht aus einem rein englisches Making-Of, einem mehrsprachigen Zusammenschnitt des Lieds "When You Believe" zum Filmausschnitt (sehr reizvoll!), einem Beitrag auf englisch über die Animation des Wagenrennens und einem Regiekommentar.
Die eigene nicht in der Gottesbeziehung gründende Schwerpunksetzung im Hinterkopf und vor der Prämisse, dass der Film mit dem Titel "Der Prinz von Ägypten" auch nicht den Anspruch erhebt, eine biblische Verfilmung zu sein, bleibt mein Fazit: Insgesamt ein imposanter Unterhaltungsfilm (merkbar zwar keiner von Disney und der eben auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat), mit künstlerischer Freiheit an der biblischen Geschichte orientiert, ganz nett und sehenswert.