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Der Preis des Geldes: Eine Kulturgeschichte [Gebundene Ausgabe]

Christina von Braun
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

16. April 2012
Das unverzichtbare Grundlagenwerk: In ihrer brillanten Analyse der Geschichte des Geldes stellt Christina von Braun die Frage in den Mittelpunkt, warum wir an die Macht eines Systems glauben, das kaum jemand mehr versteht. Seit seiner Entstehung hat das Geld einen immer höheren Abstraktionsgrad erreicht: von der Münze über Schuldverschreibungen, Papiergeld bis zum elektronischen Geld. Inzwischen ist der größte Teil des Geldes Kreditgeld, basierend auf Hoffnung, Glauben, Versprechen. In der Ökonomie gibt es einen breiten Konsens darüber, dass das Geld keiner Deckung bedarf. Christina von Braun vertritt die Gegenthese: Das moderne Geld, das keinen materiellen Gegenwert hat, wird durch den menschlichen Körper ‚gedeckt’. Das erklärt nicht nur die extrem unterschiedlichen Einkommensverhältnisse im Finanzkapitalismus, sondern auch die Monetarisierung des menschlichen Körpers, etwa im Söldnerwesen, in der Prostitution, dem Organhandel oder der Reproduktionsmedizin. Die moderne Beglaubigung des Geldes ist schon in seinem Ursprung angelegt und fand in der christlichen Religion den idealen kulturellen Nährboden.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 510 Seiten
  • Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 3 (16. April 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3351027109
  • ISBN-13: 978-3351027100
  • Größe und/oder Gewicht: 23,4 x 17,2 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 206.073 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Christina von Braun, geboren 1944 in Rom, lebte bis 1981 als freie Autorin in New York und Paris. Sie drehte etwa 50 Filmdokumentationen und Fernsehspiele und verfasste zahlreiche Bücher und Aufsätze zu kulturgeschichtlichen Themen. Seit 1994 Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Veröffentlichungen u. a.: „Stille Post. Eine andere Familiengeschichte“, 2007. Bei Aufbau erschienen 2007 „Verschleierte Wirklichkeit. Die Frau, der Islam und der Westen“ (zus. mit Bettina Mathes) und 2009 „Nicht ich. Logik Lüge Libido“.

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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Christina von Braun (*1944) ist Professorin für Kulturtheorie mit Schwerpunkt Geschlecht und Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin. Entsprechend darf man von Ihrem Buch auch keine Abhandlung über die etablierten Geldtheorien von Ökonomen erwarten. Den der Untertitel des Buches lautet: Eine Kulturgeschichte. Es sind über 500 Seiten, durch die man sich durcharbeiten muss. Und wie oft bei solchen Büchern lohnt es sich, von hinten anzufangen. Bei Braun nennt sich das letzte Kapitel: "Conclusio: Versuch einer Antwort". Dort schreibt sie (S. 440): "Ich habe eine Kulturgeschichte des Geldes zu erzählen versucht, die Aspekte berücksichtigt, die in anderen Geldgeschichten nicht oder nur am Rande vorkommen." Und etwas weiter (S. 441): "Was ich in diesem Buch ganz gewiss nicht beabsichtige ... ist die Umreißung einer neuen Geldutopie. Ich verfüge über keinen Gegenentwurf ..."

Als Historikerin hat Braun eine beachtliche Fleißarbeit vollbracht, die ihr bei Kollegen und Kolleginnen sicherlich Anerkennung verschafft. Sage und schreibe 1.646 Anmerkungen und etwa 360 Einträge im Literaturverzeichnis zeugen von einem ausgiebigen Quellenstudium. Dies schlägt sich allerdings auch im Text nieder. Etwa 25 bis 30 Prozent des Textes bestehen in wörtlichen Zitaten aus diesen Quellen, wie eine Stichprobe aus zufällig ausgewählten Seiten ergab (Seiten: 36, 113, 225, 367)

Braun beschreibt die Historie des Geldes von Ihren Anfängen bis zum heutigen elektronischen Geld. Sie sieht die Ursprünge in den sakralen Opfern. Tier- und Menschopfer wurden symbolisch durch Münzen ersetzt, die Abbildungen von Tieren und Göttern trugen. Durch ihr Buch ziehen sich zwei Begriffe, die immer wieder vorkommen: Inkarnation (Fleischwerden, Verkörperung) und Exkarnation (Entfleischung, Entkörperung). Geld hat sich immer mehr von seiner materiellen Basis als Deckung gelöst(= Exkarnation), denn (S. 43): "Alle materiellen Deckungen des Geldes erweisen sich bei näherem Hinsehen als Illusion." Sie sieht Parallelen zwischen der Entwicklung des abstrakten abendländischen Alphabets und der immer mehr fortschreitenden Abstraktheit des Geldbegriffes. Anstelle des konkreten Gegenstandes als Deckung tritt beim Geld das reine Zeichen. Geld und Religion fordern unkritischen Glauben an die Wirksamkeit denn(S. 115): "Der wichtigste gemeinsame Nenner von Geld und christlicher Lehre besteht jedoch im Glauben ... Dabei geht die Forderung nach dem blinden Glauben mit Glaubensinhalten einher, die jeglicher Plausibilität entbehren..." Und weiter führt Braun aus (S. 160): "Der moderne Finanzkapitalismus ... ist in erster Linie ein Produkt der christlichen Kultur."

"Der Preis des Geldes" lautet ja der Buchtitel. Es sind (S. 267) "... die Werte, die dem Geld Glaubwürdigkeit verleihen. Diese Werte gründen auf der Vernichtungs- wie auf der Zeugungsmacht des Geldes - und für beide Seiten gibt es menschliche Entsprechungen." Die ultimative Beglaubigung des Geldes ist nach Braun der Mensch (= Inkarnation). Konsequenterweise wird auch beschrieben, wie der Mensch selbst zur Ware geworden ist: bezahlte Söldner, Prostitution, Organhandel und künstliche Befruchtung. Wer an einer kurzgefassten Geschichte der Prostitution interessiert ist, findet aufschlussreiche Ausführungen, immerhin auf dreißig Seiten. Prostitution im heutigen Umfang sei nach Braun auch ein Ergebnis der "symbolischen Kastration" der Männer, die sich fast ausschließlich der Geldwirtschaft widmen.

An manchen Stellen merkt man, dass Braun für eine vorinformierte Leserschaft schreibt. Man muss dann als Nicht-Historiker(in) Redewendungen verdauen wie (S. 248): "Die Null schuf in der Geldwirtschaft wie in der Malerei die Illusion eines handelnden Ichs, dessen Tun in Wirklichkeit von den abstrakten Strukturen eines kollektiven Subjekts bestimmt ist."; oder (S. 336): "Mit der virtuellen Gemeinschaft des [Börsen-]Tickers entstand ein entkörpertes Subjekt, das die Züge monastischer Existenz in sich trug."; oder (S. 342): "Die Semantik des Marktes bedient sich der geschlechtlichen Differenz, um zu verschleiern, dass der Markt mithilfe des Individuums das Individuum besetzt."

Alles in allem dennoch ein Buch, das sich für alle lohnt, die sich dem Thema Geld nicht nur aus rein ökonomischer Sicht nähern wollen. Es gibt viele Anregungen, das eine oder andere Thema durch weitere Literatur zu vertiefen oder zumindest selbst weiterzudenken. Leser vom Typ "Überflieger" werden aber beim Verständnis wahrscheinlich das eine oder andere Problem bekommen - es sei denn, sie sind selbst Professor(in) in Kulturwissenschaften.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Die vorgelegte Kulturgeschichte des Geldes ist nicht nur facettenreich, sie liefert auch interessante Einblicke in unerwartete Querverbindungen, sei es etwa zur menschlichen Psyche oder auch zur Religion. Besonders aufschlussreich sind dabei zahlreiche etymologische Erklärungen, die ungeahnte Verbindungen zu anderen kulturellen Bereichen bezeugen.

Die detailreiche Studie ist flüssig zu lesen, sie leidet aber m. E. an einer ideologischen Schlagseite, indem die Autorin versucht, die Geschichte des Geldes bis in die Gegenwart herein sowohl von der freudschen Tiefenpsychologie her als auch auf dem Hintergrund des antiken Opferkultes zu deuten. Nachdem Geld im Laufe seiner Geschichte immer abstrakter wurde und sich immer stärker von seiner Deckung durch materielle Güter losgelöst hat, bedürfe es zu seiner Beglaubigung – wie in der Antike – menschlicher Opfer.

Die Autorin transferiert antike Vorstellungen von der Beglaubigung des Geldes unversehens in die Gegenwart und reichert sie zusätzlich mit der freudschen Triebtheorie an. Geld erscheint in jeder Hinsicht sexualisiert, wobei z. B. die moderne Marktwirtschaft mit der zunehmenden 'freien Sexualität' parallelisiert wird.

Ein weiterer Schwachpunkt besteht in der Tendenz, Geld – ähnlich wie 'den Markt' – als eigenes Handlungssubjekt zu substantialisieren, um dessen Eigendynamik erklären zu wollen: „Aber es ist ein Unterschied, ob ich den Grund im Wesen eines Subjekt gewordenen Geldes oder in den Regeln der Ökonomie suche. Um 'ein Ich zu haben', muss das Geld die Psyche von Menschen besetzen“ (302). Hier wird die eigene Abstraktion – genauer: das Streben nach Geld – zu einem selbsttätigen Subjekt erhoben, ein bekanntlich häufiger und fataler Denkfehler, der sich nicht nur in der Philosophiegeschichte durchgängig beobachten lässt, sondern oft genug auch das unkritische Alltagsdenken bestimmt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen nur für echt Interessierte 29. Dezember 2012
Von gentink
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Ich bin jetzt halb durch und kann das Buch auch nur zu Urlaubszeiten verkraften. Inhaltlich finden ich es schon sehr spannend, das Geld, das wir so zu verstehen und zu kennen meinen, einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen. Geld ist eigentlich gar nichts für leute, die sagen "Ich glaube nur, was ich sehe." Es scheint allein auf Glauben und Vertrauen (was ja dasselbe ist) zu beruhen.
Schlecht finde ich:
Sehr schwer zu lesen für Nichtfachleute. Oft würde ich ein Beispiel brauchen, muss aber einfach Behauptungen und Zusammenhänge schlucken. Die Kapitelüberschriften klingen alle etwas künstlich, undeutlich und verwechselbar, so dass es schwierig wird, zurückzublättern und Inhalte zu suchen, an die man sich nochmal erinnern will. Der Text ist sehr breit gesetzt, kaum gegliedert, wenig illustriert, und die Bezüge zwischen Abbildungen und Inhalt nicht wirklich erklärt. Die Sprache ist manchmal schludrig, der Satzbau nicht immer korrekt, als habe man vergessen, Korrektur zu lesen. Ich lese das Buch, ohne jeden Satz zu verstehen, habe aber den Eindruck, das schon etwas bei mir ankommt. Inhaltlich bin ich fasziniert, wünschte aber, ich würde ein anschaulicheres, verständlicheres Buch mit ähnlichem Inhalt finden.
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