Ich fürchte, ich werde Luca di Fulvio übers Knie legen müssen. Auf jeden Fall muß er mir das Geld zurückerstatten, das ich in den Kauf dieses Buchs investiert habe. Offensichtlich ist dem Autor aufgefallen, daß sein erstes Buch, "Die Rache des Dionysos", trotz gravierender Anfangsschwierigkeiten gut über den Ladentisch ging. Da dachte er sich anscheinend: "Hey, dann schreibe ich das selbe Buch doch nochmal!"
Also tauschte er flugs ein paar Namen und Orte aus, änderte die Zeit und ließ die Geschichte noch einmal von vorn ablaufen. Wie ich darauf komme? Ok...
Raten Sie, welches der beiden Bücher ich meine, wenn ich Ihnen folgende Beschreibung des Mörders gebe: "Er hat deformierte Hände, seine Mutter wurde schwer gedemütigt und hat ihn als Kind mißhandelt und vernachlässigt. Er hat ein gestörtes Verhältnis zu anderen Menschen, insbesondere zu Frauen und beschäftigt sich mit dem Nachbau von Raubtieren. Nach außen hin bekleidet er eine verantwortungsvolle Position in einer angesehenen Einrichtung, die ihm ausreichend Geld einbringt."
Die korrekte Antwort wäre, daß diese Beschreibung auf BEIDE Mörder zutrifft, die di Fulvio erfunden hat. In "Der Präparator" recycelt er lediglich Ideen, die in "Die Rache des Dionysos" offenbar funktioniert haben. Vergleicht man außerdem den Polizisten, der den Mörder jagt, und dessen neue Freundin, eröffnen sich weitere unglaubliche Parallelen zu di Fulvios Erstling.
Ich hasse es, wenn sowas passiert. Wenn man in seinem Leben nur eine einzige gute Geschichte im Kopf hat, sollte man die zu Papier bringen und dann den Anstand besitzen, die Welt nicht weiter mit immer neuen und immer schlechteren Kopien zu belästigen. Leider kann ich an diesem Machwerk nichts Innovatives mehr finden. Die einzige Eigenleistung des Autors, wenn man das denn so nennen will, besteht darin, daß er von sich selbst abgeschrieben und das stümperhaft vertuscht hat.