Über 500 Jahre nach seinem Tod übt der Renaissancemensch Lorenzo de Medici immer noch eine große Faszination auf viele Menschen aus. Nur 43 Jahre wurde er alt, und doch war sein Leben so aufregend, dass es für viele Personen gereicht hätte. Bereits mit 19 Jahren übernahm er, sorgfältig darauf vorbereitet, hohe Verantwortung in der Familie, in der Wirtschaft und in der Politik; eine Last, die auch einem wesentlich älteren und erfahrenen Mann eine schwere Bürde gewesen wäre. Fast immer war sein Leben und die Macht, deren Fundament vom Großvater aus Geld, Einfluss und Ansehen gegossen und von seinem Vater geschickt ausgebaut wurde, bedroht. In diesem Spannungsfeld, von den einen verehrt, von den anderen als Tyrannen verflucht, lebte dieser herausragende Mensch, ausgestattet mit einem grenzenlosen Ehrgeiz, der eine unglaubliche Härte gegen sich und andere an den Tag legen konnte, wenn es um den stato des Hauses Medici ging. Was ihn aber wohl so einzigartig machte, waren seine herausragenden, umfassenden Geistesgaben, ein funkelnder Intellekt, die Liebe zur Literatur und Kunst und ein sehr einnehmendes, angenehmes Wesen, das ihm auch seine Feinde nicht absprachen. Lorenzo de Medici war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Auch wenn manche das nicht so sahen. In diesem Buch wird sein Leben erzählt.
Sachlich, mit zahlreichen Fakten unterlegt und dennoch spannend herzlichen Glückwunsch an Ingeborg Walter, der Redakteurin des Dizionario biografico degli italiani, die ihr Fachgebiet wohl wirklich versteht. Außerdem war sie bei der Recherche zu dieser Biografie unglaublich fleißig. Über zwanzig Seiten des Buches machen allein die Quellenhinweise aus, von denen es über Lorenzo de Medici sehr viele gibt. Er war ein Mann der Sprache und der Schrift und hat selbst viele schriftliche Zeugnisse über sein Leben hinterlassen. Zudem war er fast ständig von Gelehrten umgeben, die natürlich ebenfalls eifrige Chronisten ihrer Zeit waren. In seine Zeit fiel außerdem Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks. Vieles gab es also zu sichten, einzuordnen, zu gewichten. Wieviel Zeit und Herzblut in diesem Buch stecken mag, das ich so komfortabel in wenigen Stunden las?
Il Magnifico, so Lorenzo de Medicis Beiname, der mit der Prächtige allgemein akzeptiert, jedoch nicht umfassend übersetzt ist, hat als eine herausragende Persönlichkeit der italienischen Renaissance diese gute Biografie auch verdient. Das Leben seines Großvaters und Vaters wird gestreift, dann spannt sich der Bogen von seiner Geburt bis zu seinem Tod und noch eine kurze Zeitspanne darüber hinaus, in der sein Sohn, der dem Vater an Geistesgaben und Geschick unterlegen ist, die Macht des Hauses Medici vorläufig verspielt. Das Buch führt uns jedoch nicht nur in das Leben eines ungewöhnlichen Mannes, sondern zeigt uns auch die Mentalität und Denkweise der Menschen dieser Zeit. Man muss nicht Historiker sein, um dieses Buch geradezu zu verschlingen; wie schon gesagt, es ist wirklich spannend geschrieben und liest sich streckenweise wie ein Kriminalroman. Nach der Lektüre wird man Florenz, seine Stadt, mit anderen Augen sehen, egal was man bisher schon über die Schöne am Arno zu wissen glaubte. Das Buch kann durchaus auch zur vertieften Reisevorbereitung dienen.