Der Autor liefert hier wie gewohnt packende Beschreibungen alter Kriminalfälle aus der DDR. Wie immer erfährt man ganz nebenbei interessante Dinge übers Allagsleben dieses untergegangenen Deutschlands. Auch immer wieder interessante Exkursionen über unterschiedliches Recht. (Zum Beispiel wurde Alkoholkonsum in der DDR nicht als strafmindernd bewertet)
Herrn Girod gelingt es, in all seinen Texten sachlich beschreibend zu bleiben und trotzdem eine packende mitfühlende Erzählweise zu entwickeln, die im True-Crime-Sektor seinesgleichen sucht.
Ungeheures Sachwissen, feine ausgewogene Sprache, und die Fähigkeit mit wenigen Worten komplexeste Zusammenhänge zu umreißen, machen ihn zu einem Erzähler, dessen Bücher mittlerweile zu meinen Lieblingsbüchern dieses Genres gehören.
Wer kein Interesse an rechtlichem Hintergrundwissen hat, sondern "einfach nur" die authentischen Fälle lesen möchte, überblättert die kursiv gedruckten Seiten. Für alle anderen jedoch finden sich hier hochinteressante Informationen über deutsch/deutsche Rechtsprechung, und über den Wandel der Gesetzgebung. Auch Zahlen und Statistiken, und anderes "trockenes" Wissen.
Was diese Bücher für mich so sehr angenehm zu lesen macht, ist der Reichtum seiner Sprache, den er hier auf eine dezent altmodische Art ausbreitet. Insgesamt wirkt der Autor uneitel, er tritt mit all seinem Wissen hinter die zu erzählenden Fälle zurück. Und im allgemeinen bleibt er "leidenschaftslos". So schafft er Raum für seine Protagonisten und deren tragische Schicksale. (
Im vorliegenden Buch erlebe ich ihn bei dem Fall über Kindstötung das erstemal "genervt". Hier erregt er sich eingangs (mit Recht) über eine polemische und unfaire Berichterstattung westdeutscher Medien. Das ist ungewohnt. Doch es ist eben eine weitere Facette, die bisher nicht zutage getreten war. Mir wird der Mann dadurch nur noch sympatischer.
Befremdlich ist für mich als Westdeutsche am ehesten noch all das Wissen der ehemaligen DDR-Staatsorgane über seine einzelnen Bürger, das immer wieder in den Berichten über die Kriminalfälle durchscheint.
"Der Polizistenmord von Gera" ist ein rundum gelungenes, informatives und spannendes Lesevergnügen.
Fazit: absolut empfehlenswert.