Achtung, für eingefleischte Krimifans könnte dieser Roman trotz seiner Krimihandlung nicht allzu befriedigend sein. Es gibt wesentlich besser aufgebaute Krimis und literarisch anspruchsvoller. Trotzdem -- oder gerade deshalb? -- hat mich dieser schräge Kriminalroman sehr gut unterhalten.
Ein Poliziotto (i.e. so was ähnliches wie ein Verkehrspolizist) in der eher beschaulichen Stadt Urbino zu sein, ist meistens keine Schwerstarbeit. Man stellt ab und an einen Strafzettel aus oder drückt hier und da ein Auge zu, wenn es um das innerstädtische Parkverbot geht, bekommt dafür mal einen caffé umsonst, trifft sich mit Freunden und Bekannten auf ein Schwätzchen und geht seinem Vorgesetzten so oft wie möglich aus dem Weg.
Poliziotto Roberto, leicht übergewichtig, nicht übermäßig arbeitsam und allem Neuen und Schnellen verschlossen, vor allem aber sehr abergläubisch, tut alles, um sein Schicksal weiterhin in geregelten Bahnen verlaufen zu lassen und die Götter günstig zu stimmen. Dabei sind Rituale, Beschwörungen und Utensilien wie Friedhofserde für Roberto ein fester Bestandteil des Alltags. Und doch kommt alles anders und wirft Roberto von heute auf morgen in eine erschreckend neue Situation: Sein geliebtes altes Auto wird von seinem Cousin, erfolgloser KFZ-Mechaniker, abgebrannt und der vom Cousin zwangsentliehene Kleinwagen ist aus Robertos Sicht ein völlig unkontrollierbares PS-Monster. Zu allem Übel findet Roberto dann auch noch eine Leiche. Da alle besser qualifizierten Kräfte einem epedemieartigen Magen-Darm-Virus zum Opfer gefallen sind, muss Robert auch noch eigenverantwortlich ermitteln.
Er bekommt Unterstützung von einer Freundin, Malpomena, Medizinstudentin im 19. Semester, die statt eines Gerichtsmediziners die Leiche obduzieren muss und ihren beiden Schwestern, alle Mitglieder des alteingesessen Adelsgeschlechts Del Vecchio. Von Professionalität natürlich keine Spur. Doch gerade dieser Aspekt ist besonders unterhaltsam, denn im Grunde weiß keine/r so recht, was er tut und wurschelt sich mit Intuition so durch. Swidler hat eine natürliche Begabung, die Szenerie in der umbrischen Kleinstadt gleichzeitig so witzig und absurd darzustellen, dass man nicht weiter nachfragt, ob alles so recht glaubwürdig ist. Unterhaltsam ist es allemal.
Fazit: Wer gern Italien-Romane liest und schräge Figuren mag, ist mit dem Buch bestens bedient.