Der Roman „Der Plan" dreht sich um ein Fragment der Arbeitspartitur von Mozarts „Requiem". Dieses kleine Stück Papier, nicht viel größer als eine Briefmarke, kann doch die Schicksale der Figuren bestimmen. Der Schriftzug „Quam olim d. c." ist wahrscheinlich das letzte schriftliche Zeugnis, das der Komponist auf Erden zurückließ. Die Hauptfigur Dr. Konrad Feldt, Germanist und Bibliothekar an der Österreichischen Nationalbibliothek, kommt eines Tages überraschend in den Besitz dieser Kostbarkeit und der Adresse eines interessierten japanischen Kunsthändlers. Nun steht Feldt vor einer schwierigen Entscheidung: zurückgeben oder verkaufen?
Roths Roman zeugt von eingehender Beschäftigung mit dem Bibliothekswesen - ganz im Gegensatz zu vielen Büchern, in denen BibliothekarInnen dargestellt werden.
Ich kann nur raten, den Text weder als simplen Krimi noch als Einführung in die japanische Kulturgeschichte zu sehen, sondern als teilweise sehr protokollarische Schilderung der Eindrücke, die auf einen Bibliomanen weitab von zuhause einprasseln. Am besten ist das Buch, wo Leseeindrücke, Bucherfahrungen, Gedankengänge und die Arbeit in der Bibliothek geschildert werden. „Die Erinnerungen an ein gelesenes Buch waren wie das Betrachten alter Reisefotografien: manches war vergessen, verblasst, manches hatte an Bedeutung gewonnen, manches hatte sich in der Erinnerung verändert" (S. 63)