Während das Lesen von "Christiane F." eher neugierig auf den Konsum von sogenannten "weichen" und "harten" Drogen machen kann (auch deshalb sehr umstritten ist in der Präventionsarbeit), ist es keine Freude, die Lebensgeschichte des "Piraten" zu verfolgen. Der Autor Stefan Aust, Chefredakteur vom "Spiegel" und ehemaliger Mitschüler Jan Christophers, des Protagonisten, verfasste dieses Buch anhand von Tonbandprotokollen und Erzählungen dieses in jeder Beziehung ruinierten Menschen. Der Leser wird Zeuge eines Dramas, das im Grunde schon mit der Geburt des "Piraten" begann. Nichts wird beschönigt oder aber angeklagt. Sachlich wird geschildert, wie es begann und enden mußte: Mit einer im materiellen Sinne zwar reich gesegneten aber dennoch sozial kaputten Familie, mit Nachahmung, Stolz, Arroganz, Egoismus und Betrug. Der Preis, den Jan C. bezahlen mußte, hätte höher nicht ausfallen können. "Vom großkotzigen Haschprinzen zur aidskranken Kanalratte". Diese Selbstbeschreibung eines Heroinsüchtigen bringt die traurige Wahrheit schon fast ans Tageslicht: Seine klare Sicht der Dinge und sein gut arbeitender Verstand konnten Jan C. nicht vor dem seelischen Zerfall retten. "Der Pirat" ist ein Muß für Betroffene und Helfer. Nicht zu empfehlen ist (wie meistens) die gleichnamige Verfilmung mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle...