Das Buch von W. Szpilman habe ich erst nach dem Film gelesen, wobei ich diesen anfänglich "mir nicht antun wollte". Erzählungen einer Freundin klangen so unglaublich grausam, das ich mir nicht vorstellen konnte, mit den Bildern dieses Films klar zu kommen. Da ich schon so viel über die Judenverfolgung und -vernichtung gelesen, gesehen und besprochen hatte, war ich auch davon überzeugt, bei diesem Teil der deutschen Geschichte "nichts Neues wissen zu müssen" - letztlich in dem Film erleben zu müssen. Nachdem mein Mann die DVD zu dem dokumentarischen Buch gekauft hatte, schaute ich mir erst einmal die Begleit-DVD mit den Interviews und Szenenausschnitten an. Etliche Aussagen von Roman Polanski als Regisseur mit dem Hintergrund seiner eigenen Familientragödie haben mich jedoch so fasziniert und letztlich ermuntert - um das so auszudrücken - mir den Film selbst anzuschauen.
Natürlich wird in den Worten von W. Szpilman authentischer und mit eignenen inneren Bildern drastischer erzählt bzw. individuell hautnah vermittelt, wieviel Unsagbares er durchgemacht hat. Ich kann eigentlich bis jetzt nicht die Tragweite begreifen, wie ein Mensch dieses Elend und vor allem das Bewußtsein überleben konnte, dass die ganze Familie in Auschwitz umgekommen ist - nur er eben nicht. Nach Aussagen von <3.Reich-Genozid-Fachleuten> haben es die Überlebenden deshalb schwer, ihr Leben annehmen zu können, weil sie nicht wissen, wie sie damit fertig werden sollen, als z.B. einzige aus der ganzen Familie überlebt zu haben. Aber W. Szpliman überlebt und fängt neu an, durch seine Musik zu leben. Aber wie im Vorwort nachlesbar, spricht er letztlich kaum über seine persönlich erlebte Tragödie und den Tod seiner "Liebsten". Auch das beweist mal wieder, wie wichtig unser Verdrängungsmechanismus ist, um unbeschreiblich Grausames über-l e b e n zu können. Das Zeugnis seines Buches ist eine Lektüre, die vor allem in Schulen Eingang haben sollte. Weil das noch eine der Chancen sein kann, dass junge, heranwachsende und leicht manipulierbare Menschen über die W a h r h e i t der Judenverfolgung durch Menschen dieser Zeit erfahren.
Das Buch ist absolut für mich lesenswert.