Der allegorische Inselroman des arabisch-andalusischen Philosophen Ibn Tufail (gest. 1185) schildert die Lebensgeschichte des auf einer einsamen Insel aufwachsenden Titelhelden namens Hayy ibn Yaqzan ("Der Lebendige, Sohn des Wachenden"), der im Laufe der Zeit allein durch Beobachtungen, empirische Untersuchungen und Schlussfolgerungen ein philosophisches Weltbild entwirft, das schliesslich dem Fächerkanon der damaligen mittelalterlichen Wissenschaften entspricht. Dazu gehören nebst praktischen Fähigkeiten wie Werkzeugbau, Jagd und Tierhaltung zunächst einmal Wissenschaften wie Anatomie und Biologie, später dann Astronomie und Kosmologie; die kontinuierliche Reflexion führt ihn über die Lehre von Geist, Seele und Intellekt letztlich aber auch zu philosophischen, theologischen und sufischen (mystischen) Einsichten. Daneben spielen - nach einer Konfrontation mit den Bewohnern einer Nachbarinsel - gesellschaftskritische Überlegungen und nicht zuletzt auch Oekologie eine wichtige Rolle.
Diese Ausgabe des Textes überzeugt duch die elegante und originalgetreue Übersetzung sowie durch die ausführliche Einleitung des Herausgebers, in welcher die wichtigen philosophiehistorischen Bezüge allgemeinverständlich erklärt und die lebhafte Rezeption des Werks in der europäischen Neuzeit nachgezeichnet werden.