In dem Buch "Der Pharao" wird der Niedergang des Neuen Reiches in Ägypten anhand der fiktionalen Person von Ramses XII dargestellt. Der junge Pharao sieht sich an der Spitze eines Reiches, dessen Staatsschatz langsam schwindet, und in dem die Priesterkaste eine immer bedeutendere - schließlich allein dominierende - Stellung einnimmt. Mithilfe von Allianzen mit Militärs und einem abtrünnigen Kleriker versicht der Pharao, die Kontrolle wiederzugewinnen, scheitert aber letztendlich.
Spannend an dem Werk ist, dass es sich nicht um einen Konflikt Gut gegen Böse handelt. Ramses XII ist gutwillig und fähig, aber eitel und impulsiv, er handelt übereilt und ist nicht willig, Allianzen zu schmieden. Die Priesterschaft hingegen, obwohl machthungrig und eitel, handelt häufig mit Augenmaß und rational, auch die Interessen des einfachen Volkes berücksichtigend, soweit diese der eigenen Machtposition nicht gefährlich werden. So ist der Leser ständig herausgefordert, Werturteile zwischen den Positionen zweier widerstreitender Seiten zu treffen, die beide in Grauschattierungen gezeichnet werden.
Des Weiteren lassen sich die gezeichneten Konflikte auch auf andere im Niedergang befindlichen Länder übertragen. Der Zerfall überkommener Werte, die Ausbeutung der produktiven Schichten durch die herrschende Klasse sowie die Machtkonflike werden prägnant geschildert und waren sicherlich zumindest auch im Europa der Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert, als das Buch geschrieben wurde, relevant.
Hinzuzufügen bleibt jedoch, das es sich nicht um einen historischen Roman im eigentlichen Sinne handelt. Alle genannten Personen sind fiktional, und auch wenn der Grundkonflikt, Pharao gegen Priesterschaft, aus der Endphase des Neuen Reiches genommen ist, so hat Boleslaw Prus sich doch sehr große literarische Freiheiten genommen, um zu zeigen, wie sich - aus seiner Sicht - der Niedergang eines Reiches abspielt.