Ich muß sagen: Im Grunde bin ich ein wirklich hartgesottener Filmliebhaber.
Im Laufe der Jahre wird man ja - teils freiwillig, teils auf Drängen Dritter hin - mit so manchem Streifen konfrontiert, den man, vorsichtig formuliert, als "gewöhnungsbedürftig" klassifizieren könnte. All diese filmischen Kataströphchen habe ich, so miserabel sie mitunter auch gewesen sein mögen, immer tapfer bis zum Abspann angeschaut.
"Der Pfad des Wikingers" war hierbei die allererste - und bislang einzige - Ausnahme.
Ich konnte ihn beim besten Willen nicht von Anfang bis Ende schauen, sondern mußte nach gut einer halben Stunde abschalten, um ihn dann erst am nächstfolgenden Abend weiterzusehen.
Hätte, ja hätte ich doch bloß auf meine Bekannte gehört!!
Aber ich wollte ihr nun mal nicht glauben, daß dieser Streifen wirklich derart verheerend schlecht daherkommt, daß einem eigentlich die passenden Worte fehlen, um adäquat zu beschreiben, wie unsäglich er wirklich ist.
Das besonders Bittere: An dem "Pfad des Wikingers" ist wirklich absolut ALLES vollends indiskutabel; ich habe auch nach längerem Nachgrübeln nichts, aber auch gar nichts an diesem Opus finden können, das ihm wenigstens ansatzweise zur Ehrrettung gereichen könnte:
Schon die Aufmachung des Ganzen unterbietet jedes Schulfilm-Projekt; die Einblendung einzelner Kapiteltitel - als dramaturgische Idee schon grundsätzlich fragwürdig - wirkt nicht etwa anspruchsvoll minimalistisch, sondern schlicht und ergreifend stümperhaft, anders läßt es sich nicht sagen.
Das Cover mag optisch noch einen halbwegs akzeptablen Eindruck erwecken, aber man stelle sich die Dreistigkeit vor, daß ein Film mit einem Soundtrack wirbt, der realiter überhaupt nicht vorhanden ist: Da werden einschlägige Bands ("Judas Priest") als musikalische Untermalung angepriesen, doch während der gesamten - quälend langen - Laufzeit des Streifens erklingt nicht ein einziger Takt eines entsprechenden Songs.
Der Freund meiner Bekannten brachte es treffend auf den Punkt: "Wäre doch interessant zu erfahren, ob diese Gruppen überhaupt WISSEN, daß auf dem Cover mit ihnen geworben wird!"
So bleibt, von einem kurzen Möchtegern-Metalgeplönke via Synthesizer mitten im Film mal abgesehen, als einziger Hinweis auf eine Metal-Affinität des Projekts nur der eine der beiden Wikinger-Darsteller, der plötzlich und unvermittelt mitten im Dickicht mit Headbangen anfängt. Einfach mal so, von der Handlung völlig unmotiviert.
Überhaupt: Nennt man sowas wirklich schon "Handlung"?
Der narrative Ausgangspunkt mag ja durchaus viel Potential aufweisen; zwei Wikinger, die in Mittelamerika gestrandet sind, versuchen, sich in der "Neuen Welt" zurecht- und zu ihresgleichen zurückzufinden. Doch was wird daraus gemacht?
In unscharfen, teils wegen hilflosem Drehen im Gegenlicht kaum mehr erkennbaren, verwackelten Bildern bekommt man zwei Hauptfiguren dargeboten, deren hauptsächliche Beschäftigung darin besteht, wie zwei vollgedröhnte Liverollenspieler in Schlußverkauf-Kostümen im Wald abzuhängen und - zu schweigen.
Erst nach gefühlten 45 Minuten ringt sich der eine mal eine Art "Laß uns gehen" ab, und das war's dann auch erst mal wieder für die nächsten ein, zwei Kapitel.
Auch ansonsten tut sich kaum etwas von Relevanz; eher anekdotenhaft werden einzelne dramaturgische "Highlights" eingestreut wie das Aufeinandertreffen mit den beiden Missionaren, deren einer sofort erschlagen wird; der andere darf zwischenzeitig überleben, sein Kirchenhüttchen hingegen wird abgefackelt. Schließlich - Rückblende - hat die Freundin / Verlobte / Gattin von Wikinger I diesen einst sitzenlassen, weil sie sich so für den christlichen Glauben zu begeistern schien. SKANDAL!!
Noch tiefschürfender der intellektuelle Anspruch in Szenen wie der "Ich-verrichte-mein-großes-Geschäft-direkt-vor-laufender-Kamera"-Unsäglichkeit und dem "Indianerin-mit-Hormonstau-vergewaltigt-narkotisierten-Wikinger"-Klamauk.
Man sieht diesen Film und fragt sich zunehmend: Was, um alles in der Welt, soll das alles?? Warum, um Himmels willen, tue ich mir das gerade an??
Fazit: Man muß wohl in höchstem Maße alkoholisiert, hoffnungslos high oder psychopathologisch auffällig sein, um auch nur ansatzweise etwas Erheiterndes oder gar Sehenswertes an diesem filmischen Totaldesaster zu finden, das hier allen Ernstes kommerziell vertrieben wird, wenngleich man es selbst kostenlos nicht würde haben wollen.