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Der Pestengel von Freiburg
 
 
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Der Pestengel von Freiburg [Gebundene Ausgabe]

Astrid Fritz
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Produktinformation

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  • Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
  • Verlag: Kindler; Auflage: 2 (15. Juli 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 346340608X
  • ISBN-13: 978-3463406084
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,4 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 59.743 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Freiburg in Zeiten der Pest Freiburg 1348: Unaufhaltsam wälzt sich die Pest von Süden heran. Schuld an der Seuche sollen die Juden sein. Als Clara, Frau eines Wundarztes, herausfindet, dass ihr Sohn das jüdische Nachbarsmädchen Esther liebt, versucht sie mit allen Mitteln, ihn vor der gefährlichen Verbindung zu schützen. Es kommt zu einem Zerwürfnis zwischen Mutter und Sohn und in der gleichen Nacht zu Esthers Verhaftung. Unterdessen erkennt Claras Mann, dass sich der Schwarze Tod in Wirklichkeit durch Ansteckung verbreitet, und schickt seine Familie aus der Stadt. Als er bald darauf selbst an Lungenpest stirbt, kehrt Clara nach Freiburg zurück und tritt sein Vermächtnis an. Wagemutig lässt sie alle Ressentiments hinter sich und sagt nicht nur der Pest, sondern auch dem Hass gegen die Juden den Kampf an.

Über den Autor

Astrid Fritz studierte Germanistik und Romanistik in München, Avignon und Freiburg. Als Fachredakteurin arbeitete sie anschließend in Darmstadt und Freiburg und verbrachte mit ihrer Familie drei Jahre in Santiago de Chile. Heute lebt Astrid Fritz in der Nähe von Stuttgart. Mehr über die Autorin erfährt man auf www.Astrid-Fritz.de

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von €nigma
Format:Gebundene Ausgabe
"Der Pestengel von Freiburg" beschäftigt sich mit zwei in gewisser Weise zusammenhängenden Themengebieten. Zunächst geht es um die Situation der Juden im mittelalterlichen Deutschland. Den Juden waren fast alle beruflichen Tätigkeiten untersagt, sie durften weder Land erwerben und bebauen noch ein Handwerk ausüben. Deshalb blieben ihnen nur die Tätigkeiten des unabhängigen Arztes, des Trödlers und des Geldverleihers. Im Gegensatz zu den Christen war es ihnen nicht von ihrer Religion verboten, Zinsen zu nehmen.
Die Adeligen und Stadtratsmitglieder waren oft bei den Juden verschuldet, diese Abhängigkeit nährte noch das Misstrauen und die Abneigung, die bereits durch die nach christlicher Anschauung "seltsamen" Bräuche der jüdischen Mitbürger geweckt worden waren.
Selbst eine vergleichsweise aufgeschlossene Frau wie die Clara Grathwohl, die Protagonistin dieses Romans, tut sich im Umgang mit ihren jüdischen Nachbarn schwer. Einerseits schätzt sie die Nachbarsfamilie Grünbaum menschlich sehr und verteidigt sie gegen Anfeindungen, andererseits ist sie doch entsetzt, als ihr Sohn Benedikt sich in die junge Esther Grünbaum verliebt und unternimmt alles Menschenmögliche, um eine solche Verbindung zu hintertreiben.
Das zweite große Themengebiet in diesem Roman ist die Pestepedemie, die von 1348 bis 1352 durch Europa zog und Millionen von Menschen das Leben kostete. Als die Pestwelle auf Freiburg zurollt, kommt es zur großen Judenverfolgung. Am 23.01.1349 berichtet die Freiburger Stadtchronik von einer Judenverbrennung, bei der außer Schwangeren und Kindern im Alter bis zu vier Jahren sämtliche Juden ermordet wurden. Gerechtfertigt wurde dieser Massenmord mit der Behauptung, die Juden hätten die Brunnen vergiftet und trügen somit die Verantwortung für den Ausbruch der Pest. Allerdings kursieren auch andere Theorien, in der die Pest auf Erdbeben, besondere klimatische Bedingungen, schlechtes Miasma oder auch auf Gottes Zorn zurückgehen soll. Um Letzterem entgegen zu wirken, ziehen Flagellanten durch das Land, die zur Buße aufrufen und sich öffentlich geißeln.
Die Autorin beschreibt sehr eindrucksvoll, wie sich die Gesellschaft unter der Bedrohung durch den Schwarzen Tod verändert. Die reichen Bürger ergreifen die Flucht, die Übrigen wollen ihre möglicherweise letzten Tage voll auskosten und geben sich zügellos kulinarischen und fleischlichen Vergnügungen hin, wobei sie in Tavernen, Badestuben und Bordellen unwissentlich für die Verbreitung der Infektion sorgen.
Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit sind nur noch leere Worte, auch und vor allem die Geistlichen entziehen sich ihren Pflichten und denken nur an die eigene Sicherheit. Nur wenige Menschen sind noch bereit zur Krankenpflege. Die Szenen an den Krankenbetten werden teils recht drastisch beschrieben und sind nicht für empfindliche Mägen geeignet.
Sehr gelungen finde ich die Charakterisierung der Figuren, die sehr realitätsnah mit Stärken und Schwächen dargestellt werden. Ebenso gelungen ist der Erzählstil, der durchgehend "mittelalterlich" anmutet.
Ein weiterer Pluspunkt ist das Nachwort der Autorin mit Hintergrundinformationen zu den Inhalten des Romans. Außerdem ist noch ein sehr umfangreiches Glossar nachgestellt, das sowohl mittelalterliche Ausdrücke als auch jüdische Wörter erklärt.

Fazit: "Der Pestengel von Freiburg" ist ein authentischer, anspruchsvoller und dabei sehr unterhaltsamer Roman über ein dunkles Kapitel der Geschichte, den man Lesern, die sich für die Geschichte der Juden im mittelalterlichen Deutschland und für medizingeschichtliche Themen interessieren, bedenkenlos empfehlen kann.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Leselust
Format:Gebundene Ausgabe
Kann ein Buch über die Pest, die im 14. Jahrhundert halb Europa ausgerottet hat, ein Lesevergnügen sein? Ja, es kann, wenn es von Astrid Fritz geschrieben wird. Mit ihrem achten historischen Roman beschert uns die Autorin eine anschauliche Reise in ein in verschiedener Hinsicht dunkles Kapitel Vergangenheit.

Die Protagonistin Clara, Wundarztfrau in Freiburg, lernen wir zunächst als ambivalente Figur mit durchaus auch unsympathischen Zügen kennen, wie Menschen eben so sind. Man lebt im Judenviertel, ganz lieb ist es einem nicht, das Fremde, aber wenigstens ist es hier sauberer als anderswo, aber natürlich soll der geliebte Sohn - noch ist er unter Mutters Einfluss, aber wie lange noch? - sich fern halten von den gesellschaftlich nur Geduldeten. Mit solchen Ansichten begann auch ein anderes Mal in der deutschen Geschichte das Grauen.

Doch Clara wacht auf, als die Pest immer näher rückt und man die Juden als Sündenböcke dafür verantwortlich macht. Sie bezieht Stellung gegen das Unrecht und geht von da an unbeirrt ihren Weg. Weil es aber nur Einzelne sind, die diesen Mut entwickeln, nimmt die grausame Geschichte ihren Lauf, Juden werden verbrannt, die Pest kommt trotzdem. Wie man auch agieren kann, zeigt die Figur des Stadtmedicus Behaimer, in gewissem Sinne Gegenspieler von Claras geradlinigem Mann. Behaimer ist ein intriganter, wollüstiger Opportunist, der sich Macht und Fülle nimmt und ihrer letztlich doch überdrüssig wird. Ihm schreibt die Autorin einen fulminanten Abgang, der hier aber nicht verraten werden soll.

Wie immer bei Astrid Fritz spürt man, dass sich die Autorin in ihrem Metier bestens auskennt - es stimmen die Schauplätze, die Sprache, die Details, mit subtilen Mitteln wird man als Leser mühelos in fremde Zeit und Ort versetzt. Sie verwebt in ihrem Pestengel vor dem Hintergrund eines Rassenkonfliktes die Entwicklungsgeschichte einer starken Frau, die in der Krise über sich selbst hinauswächst, die Geschichte einer unbedingten Frauenfreundschaft, eine Abnabelung von Mutter und Sohn und eine zarte Liebesgeschichte.

Eine Fülle starker Bilder (etwa der Einzug der Geißler in die Stadt und deren öffentliche Schaustellung ihrer Buße"), etliche dramatische Höhepunkte, prall-lebendige Charaktere (Clara, Behaimer) und nicht zuletzt die Schuldzuweisung und grausame vorsorgliche" Ausrottung der Juden, die angesichts der deutschen Geschichte mehr als Nachdenklichkeit erzeugt: Hier ist ein Stoff, nicht nur zum Lesen bestens geeignet, sondern für eine Verfilmung prädestiniert - ich bin gespannt, welcher Regisseur wohl als Erster zugreift.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Astrid Fritz stellt wieder unter Beweis, dass sie sehr gründlich recherchiert, bevor sie mit dem Schreiben eines neuen Romans beginnt. Das ist äußerst wohltuend, vergleicht man ihre historischen Romane mit der Masse an doch eher einfacher Trivialliteratur, die sich in den Buchhandlungen findet. Astrid Fritz besticht durch ihre Themen-und Schauplatzwahl, dieses Mal spielt die Handlung im badischen Freiburg.

Ich, als Leser mit schwachen Geschichtskenntnissen, freue mich derzeit beim gemütlichen Schmökern am Sonntagnachmittag diese Lücken aufzufüllen.

Es ist im Stil unaufgeregt geschrieben, jedoch gespickt mit reichlichem, treffsicheren Wortschatz und Fachbegriffen aus der damaligen Zeit im 14. Jhdt. Das ist in so Fern spannend, lernt man wieder einmal bei der Autorin doch viele Details des damaligen Lebens der einfachen und auch der gehobenen Bürger und deren Einordnung in die gesellschaftlichen Schichten kennen.

Dachte ich zunächst-ach schon wieder ein Juden-Thema, finde ich das Buch mit zunehmender Entwicklung doch fesselnd, und ich will wissen, wie sich das Schicksal der befreundeten christlichen mit der jüdischen Familie entwickelt.

Als Resümee kann ich nur sagen: Das Buch kann man gemütlich am Stück durchlesen oder, wie ich es mache, jeden Tag einige Kapitel bodenständiger, deutscher Literatur zu genießen.
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