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Der Papalagi, 2 Cassetten
 
 
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Der Papalagi, 2 Cassetten [Hörkassette]

Erich Scheurmann , Andreas Gehlen
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Hörkassette
  • Verlag: Hörbuchproduktionen; Auflage: 1 (1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3896141694
  • ISBN-13: 978-3896141699
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.875.025 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Mein Buch

Kultbuch der Kindheit

Ruth Binde liest «Papalagi»

Zum ersten Mal bin ich dem «Papalagi» als Kind begegnet. Mein Vater gab mir ein schmales zerlesenes Büchlein und empfahl mir dessen Lektüre. Da seine Vorschläge sich immer als gut erwiesen, ob es sich nun um einen Opernbesuch oder ein Kochrezept handelte, setzte ich mich hin und fing an zu lesen. Ich las vom runden Metall und dem Ort des falschen Lebens, von den steinernen Truhen und der schweren Krankheit des Denkens. Ich las, dass der Papalagi keine Zeit hat und dass ihn die vielen Dinge arm machen. Oft lachte ich, oft fühlte ich mich ertappt, als ob mir jemand einen Spiegel vorhielte. Mehr als fünfzig Jahre später geht es mir beim Wiederlesen dieses Klassikers ähnlich. Doch was ist ein Papalagi? Es ist der Weisse, der Fremde, so genannt vom Südseehäuptling Tuiavii aus Tiavea, dessen Reden in diesem schmalen Buch gesammelt sind. Natürlich habe ich als Kind an die Existenz dieses Häuptlings geglaubt. Erst bei der Neuausgabe von 1977, über die ich als Schweiz-Korrespondentin des «Börsenblatts für den Deutschen Buchhandel» entzückt schrieb, wurde mir klar, dass Erich Scheurmann, Herausgeber der Reden und Verfasser eines ausführlichen Vorworts, vermutlich mit dem Häuptling identisch war. Was soll's? Es ändert nichts daran, dass wir alle ab und zu einen Blick in den «Papalagi» werfen sollten. Darum lasse ich ihn hier selber sprechen:

«Denkt euch eine Tapamatte, dünn, weiss, zusammengefaltet, geteilt und nochmals gefaltet, alle Seiten eng beschrieben, ganz eng – das ist die vielen Papiere, oder wie es der Papalagi nennt, die Zeitung. In diesen Papieren liegt die grosse Klugheit des Papalagi. Er muss jeden Morgen und Abend seinen Kopf zwischen sie halten, um ihn neu zu füllen und ihn satt zu machen, damit er besser denkt und viel in sich hat; wie das Pferd auch besser läuft, wenn es viele Bananen gefressen hat und sein Leib ordentlich voll ist. Wenn der Alii (d. h. der Herr) noch auf der Matte liegt, eilen schon Boten durchs Land und verteilen die vielen Papiere. Es ist das erste, wonach der Papalagi greift, nachdem er den Schlaf von sich stiess. Er liest. Er bohrt seine Augen in das, was die vielen Papiere erzählen. Und alle Papalagi tun das gleiche – auch sie lesen. Sie lesen, was die höchsten Sprecher und Häuptlinge Europas auf ihren Fonos gesagt haben. Dies steht genau auf der Matte aufgezeichnet, selbst wenn es etwas ganz Törichtes ist. Auch ihre Lendentücher, die sie anhatten, sind genau beschrieben, was jene Alii gegessen haben, wie ihr Pferd heisst, ob sie selber Elephantiasis oder schwache Gedanken haben.

. . . Wenn du die Zeitung liest, brauchst du nicht nach Apolima, Manono oder Savaii zu reisen, um zu wissen, was deine Freunde tun, denken und feiern. Du kannst ruhig auf deiner Matte liegen, die vielen Papiere erzählen dir alles. Dies scheint sehr schön und angenehm, doch dies ist nur ein Trugschluss. Denn wenn du nun deinem Bruder begegnest und jeder von euch hielt schon den Kopf in die vielen Papiere, so wird einer dem anderen nichts Neues oder Besonderes mehr mitzuteilen haben, da jeder das Gleiche in seinem Kopf trägt, ihr schweigt euch also an oder wiederholt einander nur, was die Papiere sagten.»

Ruth Binde, Presseagentin -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

In einer Phase allgemeiner Nachdenklichkeit hat der "Papalagi" die Stellung eines Kultbuches eingenommen, eines Wegweisers zurück zu Werten, die leichtsinnig und hochmütig als überkommen erklärt worden waren. Darüber hinaus ist der "Papalagi" ein literarisches Dokument anrührender Poesie und feinsinnigen Humors.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Ich hörte während meines Studiums von diesem Buch und habe es mir sofort zugelegt.
Leider habe ich einen Fehler gemacht: Ich war in der Hoffnung, daß dieses Buch "wirklich" ist, nämlich, daß es tatsächlich von einem "Wilden" geschrieben wurde.
Nach den ersten Seiten wurde ich mir allerdings bewußt, daß diese Legende nur benutzt wurde, um uns den Spiegel vorzuhalten.
Das ist sicher mal ganz vergnüglich zu lesen, jedoch hatte ich die Erwartung etwas einzigartiges in der Hand zu halten, das mir möglicherweise Einblick in das Denken eines "Unzivilisierten" gibt.
Ich wunderte mich sehr, daß doch tatsächlich viele der hier bewertenden Leute die Sache für "voll" genommen haben.
Daß dieses Buch, bzw. die darin "übersetzten" Reden allesamt von Herrn Scheuermann selbst stammen, wird einem bei genauer Betrachtung doch recht schnell klar.
Trotzdem ist das Buch amüsant und man denkt das eine oder andere mal doch nach.
Tatsächlich bringt einem das Buch die 20er Jahre, in denen das Buch verfaßt wurde, näher, was wohl sicher nicht Sinn des Buches war.
Schlecht ist es also auf keinen Fall. Aber wie gesagt: KEINE FALSCHEN ERWARTUNGEN!
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14 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Nur in der Begegnung mit Fremdem, erkennen wir unsere Eigenart. Und je fremder uns das Fremde ist, desto schärfer unserer Blick für eigene Lebens-, Denk- und Verhaltensweisen. Davon bin ich überzeugt. Und deshalb habe ich auch die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii fasziniert gelesen. Ihr Thema: seine Europareise und die Erfahrungen, die er dabei mit den hiesigen Menschen - ihren Kleidungsgewohnheiten, ihrer Architektur, ihrem Arbeits- und Zeitverständnis, ihrem Geld und ihrer Religion - machte.

Dass die Reden überhaupt zu lesen sind, ist dem einstigen Samoa-Reisenden Erich Scheurmann zu verdanken. Er hat sie gesammelt und - allerdings ohne Tuiaviis Wissen - im Buch «Der Papalagi» herausgebracht. Und zwar schon 1920! Letzteres mag erklären, warum Scheurmanns Menschenbild, das in der Einführung aufscheint, nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Doch deshalb die Lektüre abzubrechen, wäre schade. Denn, was Tuiavii uns Papalagis, d. h. uns Weissen, sagen wollte, ist immer noch von Belang - vor allem heute, in dieser von Kultur- und anderen Kämpfen gebeutelten Zeit. Zudem ist das Buch auch amüsant - und zweifellos ein aufschlussreicher Spiegel unserer Lebensart.
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Beim vorliegenden Werk handelt es sich um ein einzigartiges Zeitdokument, das die Perspektive eines "naiven" Suedseeinsulaners auf das Europa des 19. Jahrhunderts sichtbar werden laesst. Viele der Dinge, die wir heute als selbstverstaendlich annehmen und deren Sinn wir nicht weiter hinterfragen (wollen), werden von Tuiavii so klar und deutlich in ihrer gesamten Laecherlichkeit dargestellt, dass ich das Werk jedem denkenden, fuehlenden Menschen aufs Waermste empfehlen kann!
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