Lyman, Straßenwachtfahrer in Fort Worth,Texas, findet Nacht für Nacht überfahrene Hunde auf der Ringstraße. Er begräbt sie, trauert um sie, liest die Suchanzeigen in den Zeitungen und benachrichtigt die Besitzer, wenn er sie finden kann.
Lyman hat sein ganzes Leben in Fort Worth verbracht, seit er nach einem Autounfall, bei dem seine Eltern getötet wurden, dort als Säugling aufgefunden wurde. Er macht seit 11 Jahren Nachtschicht bei der Straßenwacht, und tagsüber besucht er College - Kurse, sammelt ziellos praktisches" Wissen, ohne einen Abschluß anzustreben. Seit Leben ist geordnet, vorhersehbar, gleichförmig. Er hat sich darin eingerichtet und fühlt sich so ganz wohl - Beziehungen, ob zu anderen Menschen oder zu einem Tier, sind unberechenbar und können zeitlich begrenzt sein, sie machen ihm Angst. Seine Devise ist: Lass dich nicht unvorbereitet erwischen.
In dieses geordnete, gleichförmige, einsame Leben bricht eines Morgens die Unordnung ein in Form eines herrenlosen grünen Papageien, der wie aus dem Nichts kopfunter am Türgriff der Fliegengittertür von Lymans Wohnwagen hängt. Der Papagei spricht kryptische Sätze, die Lyman anrühren und beschäftigen. Die Suche nach dem Sinn hinter den Aussprüchen des Vogels wird für Lyman immer mehr zur besessenen Suche nach dem Sinn seines eigenen Lebens.
Fiona, Bibliothekarin und Buchrestauratorin hat schon in acht verschiedenen Bundesstaaten gearbeitet. Floyd, der Bassett, ist ihr treuer Begleiter und ihre einzige Liebe. Fiona kennt sich aus mit Büchern und in Bibliotheken, und so kann sie Lyman bei seiner Suche helfen. Dadurch kommen sie sich näher als Lyman lieb ist. Er unternimmt alle Anstrengungen, um Fiona von sich abzuschrecken. Doch als ihm das endlich fast gelungen ist, bringt ein Eisregen den Papageien, Fiona, Floyd und Lyman selbst in Lebensgefahr. Auf das, was danach kommt, ist Lyman nicht vorbereitet - zum ersten Mal in seinem Leben.
"Der Papagei, das Telefon und die Bibliothekarin" ist eine herrlich schrullige, teilweise urkomische Liebes - und Beziehungsgeschichte. Gleichzeitig hat es auch etwas von einem Roadmovie, wie Lyman den Lebensweg seines Papageien über Jahre und Jahrzehnte zurückverfolgt. Die Aphorismen des Vogels werden ihm Evangelium und Botschaft einer höheren Macht, des Schöpfers", als dessen Bote" ihm der Vogel erscheint. Lyman, der an nichts glaubt als an das, was er auseinandernehmen und wieder zusammensetzen kann, erfüllt diese Aussprüche mit einem spirituellen Inhalt. Doch durch seine besessene Suche zerstört er selbst diese Illusion von Sinn; nach und nach werden die geheimnisvollen Sätze von ihren Geheimnissen entkleidet und ihres bedeutungsvollen Inhalts beraubt. Hat Lyman den Papagei anfangs wie ein höheres Wesen behandelt, wird er durch dessen Entzauberung plötzlich gezwungen, eine Beziehung zu ihm aufzubauen - eine Beziehung, die ihm letztlich Leben und Verstand rettet.
Die verrückte Idee, einen Menschen das Leben eines Vogels nachleben zu lassen, macht dieses Buch so einzigartig und so liebenswert. Joe Coomer schafft dabei das Kunststück, Lymans Besessenheit und seine Entwicklung anhand des Papageien sogar plausibel erscheinen zu lassen. Die Geschichte ist zwar skurril, aber nicht überzogen. Coomer erzählt in leisen Tönen, aber dabei nicht einschläfernd; der Roman ist lebendig, witzig und farbenfroh und immer wieder überraschend. Eine Buch, das man immer wieder genießen kann.
Der Autor, Joe Coomer, wurde 1958 in Fort Worth, Texas geboren und zählt zu den kreativsten jungen amerikanischen Autoren. Er ist in Deutschland relativ wenig bekannt, obwohl von seinen bisher 5 Romanen bereits zwei verfilmt wurden. Sein Roman Der Papagei, das Telefon und die Bibliothekarin" wurde von der New York Times 1996 zum Buch des Jahres gewählt.