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Der Panflötenmann
 
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Der Panflötenmann [Taschenbuch]

Martin Bettinger
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

13.4.99, Saarbrücker Zeitung

Martin Bettinger ist mit dem "Panflötenmann" eine hinreißende Gesellschaftssatire geglückt, in der die Küßchen-Küßchen-Cliquen der Theaterfoyers ebenso vorkommen wie die Fitnesstudio-Besucher oder die Handlanger in einem Kaufhaus. Ein Buch, das man verschlingt, eine wunderbare Mischung aus Satire, Krimi und Love-Story.

3.3.99, Die Rheinpfalz

Mit der Verwechslung zweier Visitenkarten beginnt eine Liebesgeschichte der ungewöhnlichen Art, die Odyssee eines Diebes quer durch die Gesellschaftsschichten. Ironisch, lakonisch und frech ist dabei die Perspektive des Erzählers, und Bettingers Beschreibungen mögen mal witzig mal boshaft sein, sie treffen immer ins Schwarze. Eine Realsatire, in der beinahe jeder ein Stück von sich selbst und seiner Umgebung wiederfinden kann, und zwar lachend.

21.2.99, Saarländischer Rundfunk

Köstlich. Ein Schlüsselroman, in dem der ehemalige Bundesfinanzminister ebenso auftaucht wie manche 'Größe' des Literaturbetriebs.

12.5.99, Luxemburger Tageblatt

Hier sind die Rollen anders als gewohnt verteilt: Mit Vera hat eine Frau das Geld und die Einflußmöglichkeiten, und wie mancher erfolgreiche Mann sich nebenher eine Geliebte hält, beginnt ihre Affäre mit Paul als Feierabendausflug in die Welt der Kleinverdiener und der Bohème. Wie sich nun die ungewöhnliche Liebe zwischen Dieb und Managerin entwickelt, liest sich unterhaltsam und ist literarisch zugleich. Eine subtile Beschreibung moderner Lebens- und Liebesverhältnisse.

19.5.99, Républicain Lorrain

In einem überraschenden Plot gelingen Bilder von verblüffender Direktheit und Dialoge, wie man sie prägnanter kaum schreiben kann.

1.3.99, TV Kulturspiegel

Ein Gegenwartsroman, der die verschiedenen Milieus ebenso treffend wie kraftvoll beschreibt. Und indem Bettinger ein Kaufhaus und dessen Etagen als Ort des Geschehens wählt, liefert er zugleich eine bestechende Metapher für die Ebenen der modernen Gesellschaft.

22.4.99, Kieler Nachrichten

Ein schräger Strich, durch vier Senkrechte gezogen, ergibt eine sogenannte Panflöte. Und der Dieb Paul Busch, soeben aus dem Knast entlassen, weiß diese Panflöte zu spielen. Als er die Managerin Vera kennenlernt, schlittert er in das Abenteuer seines Lebens. ... Der Roman läßt sich Zeit. Immer wieder durchdringen Milieustudien, vor allem aus der großen Welt der kleinen Jobs, die Handlung. Dadurch büßt die Liebesgeschichte an Rasanz ein, doch Bettinger gelingt es, den Leser in die kuriose Dramatik des Alltags zu ziehen.

Kurzbeschreibung

Paul Busch lebt von der Improvisation. Das hat ihm einige Jahre Gefängnis eingebracht. Doch wieder auf freiem Fuß scheint sich das Blatt zu wenden. Vera verliebt sich in ihn. Die elegante Geschäftsfrau nimmt ihn mit in die "besseren Kreise". Auch ein guter Job ist in Sicht. Doch Paul fällt es schwer, gesellschaftsfähig zu werden. Statt aufzusteigen, macht er Vera einen anderen Vorschlag: seine Komplizin zu sein in einem Coup. Eine Liebesgeschichte zwischen einem Dieb und einer Managerin, zwischen Hinterhaus und Bel Etage, von Martin Bettinger ebenso lebensnah wie lakonisch erzählt.

Über den Autor

Martin Bettinger, Jahrgang 1957, studierte Literatur und Philosophie in Saarbrücken und Freiburg. Bekannt wurde er durch den Roman "Der Himmel ist einssiebzig groß" (Fischer), danach folgten der Gedichtband "Dachschaden" (Gollenstein) und die Romane "Der Panflötenmann" (Econ & List) und "Engelsterben" (Gollenstein). Nach mehreren Neuseeland-Aufenthalten erschien dort sein Erzählband "The Moon in the Gutter" (Rockland Press).

Auszug aus Der Panflötenmann. von Martin Bettinger. Copyright © 1999. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ein Land, das nur für mich bestimmt war (Seite 222) Eine gute Weile, bevor der Wecker ging, wurde ich wach. Es war die Stunde, in der man diese Stadt am wenigsten spürte. Die Menschen schliefen noch, die Straßen lagen still, sogar die Möbel um uns herum schienen zu schlafen. Ich setzte mich auf und war in einer Weise wach, als hätte ich ausgeschlafen für immer. Vera lag als schöne Linie unter der Decke, und ich saß daneben und schaute sie an. So verging eine Ewigkeit. Oder eine Minute. Es war der Moment, wenn die Schaukel ganz oben steht. Und was du als Kind gewünscht hast, wird wahr. Die Schaukel bleibt am höchsten Punkt stehen. Ihren ganzen Schwung spürst du in dir, und du hast das Gefühl, er wird nie wieder verschwinden. Ich stand auf und zog meine Kleider an. Den Wecker stellte ich für Vera auf eine spätere Zeit. Ich schrieb ihr einen Zettel und fand es nicht einmal albern, ein kleines Herz darunter zu malen. Dann ging ich, bis zur Bushaltestelle war es nur um den Block. Ich setzte mich in das offene Häuschen und steckte mir eine Zigarette an. Gleich würden sie kommen. Menschen, die ihren Kaffee kochten in kleinen Küchen morgens um fünf. Leute, die dir nicht einmal drei Sekunden in die Augen schauen konnten. Mit schweren Händen, stummen Körpern und mit Gesichtern, die nur noch eines zu sagen schienen: Laßt mich in Ruh! Bis gestern war ich einer davon. Daß es so etwas gab. Als hätte ich plötzlich das Land gefunden, für das ich als Junge so oft zur Autobahn lief. Wenn ich da oben am Hang saß und all den Volkswagen und DKWs hinterhersah, war ich sicher, daß es irgendwo ein Land geben müsse, das nur für mich bestimmt war. Jetzt war dieses Land in mein Zimmer gekommen. Und jeder Pflasterstein, jede Mülltonne, jeder Hof in diesem lausigen Viertel erzählte davon. Ich schnippte die Kippe hinaus und brannte mir gleich noch eine an. Sie schmeckte! Alles schmeckte um mich herum. Sagenhaft, diese Welt war über Nacht wie gemacht für mich. Und ich - war wie gemacht für die Welt. Mein Arsch paßte genau in den Plastiksitz.
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