Seit dem letzten Fall sind inzwischen mindestens 6 Monate vergangen, als Keisho-in, die Mutter des Shoguns an einem heissen Sommertag auf die Idee kommt mit Reiko, der hoch schwangeren und inzwischen mit Hirata verheirateten Midori und Fürstin Yanagisawa eine fromme Pilgerreise zum Fujijama zu unternehmen. Natürlich fragt sie ihre Reisebegleiterinen nicht ob sie mit wollen, sie hätten zweifelsfrei alle etwas besseres zu tun als in der Hitze 10 Tage in Sänften über staubige Straßen zu gondeln. Widerwillig machen sich die Damen also auf um mit Keisho-in und einem Trupp von rund 100 Tokugawa-Soldaten über die Tokaido Fernstraße zu reisen. Weit sollen sie allerdings nicht kommen, denn schon bald werden sie von einer größeren Anzahl mit schwarzen Kapuzen unkenntlich gemachter Männer angegriffen, die den ganzen Trupp, 100 Soldaten und zig Dienerinnen abschlachten und die vier hohen Damen entführen. Sehr schnell trifft die Nachricht der Entführung beim Shogun ein und lässt ihn in Panik ausbrechen, dass man seiner Mutter etwas antun könnte - selbst Kammerherr Yanagisawa bekommt bei der Gelegenheit sein Fett weg - jedoch beschließen die Herren (der Shogun, Yanagisawa, Hoshina, Ichiro und Hirata), dass sie nicht die Armee losschicken können, da die Entführer einen Brief hinterlassen haben, mit der Warnung, dass sie den Damen töten, sollten sie verfolgt werden. Jetzt heißt es also abwägen, was waren die Motive und welche der vielen Feinde, die sich die Herren - insbesondere natürlich Kammerherr Yanagisawa - im Laufe der Zeit gemacht haben, könnte zu so einer Tat fähig sein - hoch gestellte Samurai, die schwarze Lotosblüte oder einer der vielen anderen Leute die einen Groll gegen die Herren hegen? Und was wollen die Entführer eigentlich wirklich bezwecken? Somit beginnt eine temporeiche Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
Dieser Roman ist auffällig lockerer geschrieben als seine Vorgänger, was mir so manches Mal ein breites Grinsen auf das Gesicht zauberte. Leider fällt einem aber auch sehr schnell die Naivität in den Dialogen und Handlungen auf, welche grade am Anfang überdeutlich wird, so werden z. B. Ichiro und Yanagisawa von Priester Ryukos fadenscheinigen Argumenten dermaßen überrumpelt, dass sie offenbar zu keiner halbwegs intelligenten Antwort mehr fähig sind - dass da gleich beide wie der Ochs vorm Berg stehen ist doch recht unglaubwürdig. Auch das Ende ist nicht so richtig zufriedenstellend, wenn man es im Nachhinein betrachtet dann ist sehr viel passiert, die Entführer haben rein gar nichts aus ihrem extremen Vorteil gemacht, aber die meisten bekannten Charaktere haben eine (kleine) Heldentat vollbracht und einige mehr oder weniger lang anhaltende Höhen und Tiefen durchlebt und obwohl die ganze "Operation" natürlich irgendwie geglückt ist, ist am Ende keiner - außer vielleicht dem Shogun selbst - wirklich zufrieden. Im Gegenteil, es tun sich nur neue Abgründe für alle auf. Dazu kommt dann natürlich noch die wie üblicher Weise mangelnde Authentizität der Protagonisten, die den Fans von historischen Romanen immer aufstoßen wird, aber wer bis Teil 8 gekommen ist, der hat sich ja schon daran gewöhnt.
Trotzdem ist dieses jetzt wieder einer der besseren Sano Ichiro Romane, ebenso temporeich und fließend erzählt wie der 7. Teil und noch dazu mit einigen Überraschungen gespickt welche die gesamte Handlung, die in manchen Vorgängern schon fast nach "Schema F" aussah, aus ihrer Starre löst. Dafür sollte man diesen Band aber auch keinesfalls mehr als Einzelband lesen, sondern spätestens ab Band 6 eingestiegen sein.