THE LOVERS, so der Originaltitel, ist innerhalb der Charlie Parker Reihe für mich als Leser doch ein recht ungewöhnlicher Roman geworden. Das Buch erscheint mir wie ein Zwischenstopp und ein Innehalten auf dem weiteren Weg des einsamen Helden Charlie Parker zu sein. Die Ereignisse, die in den letzten Büchern THE DARK ANGEL und THE COLLECTOR beschrieben werden, haben sein privates wie berufliches Leben gezeichnet. Es ist nichts mehr da... Keine Beziehung zu Rachel und auch nicht sein Job als Privatdetektiv, der mehr Berufung ist als zum Geldverdienen gedacht. Seiner Lizenz als Privatdetektiv und Waffenträgers verlustig gegangen, arbeitet er nun in einer Bar und forscht in der freien Zeit in seiner eigenen Vergangenheit und der seines Vaters. Schon in den vorherigen Büchern hatte man vom Selbstmord seines Vaters und der vorherigen Tötung zweier Jugendlicher durch dessen Hand erfahren. Die privaten Ermittlungen bringen ihn an den Ort seiner frühen Kindheit zurück, der kleinen Stadt Pearl River. Mit dem Befragen der noch lebenden Freunde seines Vaters erfahren Parker wie auch der Leser, die näheren Umstände, die zum damaligen gewaltsamen Tod dreier Menschen geführt und Parker seiner Kindheit beraubt haben... Aber jedwede Wahrheit hat ihren Preis und Parker wird ihn bezahlen, auch wenn sie ihn diesmal noch mehr kosten wird, als dies ohnehin bisher der Fall gewesen ist...
Connolly lässt sich diesmal, vielleicht bewusst und beabsichtigt, mit dem Spannungsaufbau der Geschichte Zeit. Das zu Beginn der Geschichte dargebotene Verbrechen wird zwar am Ende aufgelöst, doch dreht sich darum nicht die Storyline dieses Romans, wie man am Anfang vermutet. Mit der Eröffnung der Geheimnisse, die sich um die Selbsttötung des Vaters drehen, kommt aber die Handlung mächtig in Fahrt und Connolly findet zu seiner gewohnten Stärke zurück. Alle Akteure beziehen ihre Position und alles steuert an dem Ort wo ALLES begann, auf ein dramatisches Finale hin...
John Connolly hat mit diesem inzwischen siebenten Roman innerhalb der Parker-Reihe (ich zähle REAPERS mal nicht dazu, da sich die dortige Storyline mit Louis und Angel beschäftigt) wieder einen gelungenen Roman geschaffen, der sehr ruhig beginnt, aber spätestens nach der Hälfte der Seitenzahl dem Leser wieder das bietet, weswegen man die Ereignisse um den Antihelden Parker mag...viel Dunkles und Mysteriöses. Die Guten wie die Bösen prallen in einem kurzen knackigen Showdown aufeinander, der ruhig etwas länger hätte dauern können. Etwas überstürzt das Ende, kam mir beim Lesen in den Sinn. Zwar wird der Leser am Ende mit einer Klärung der Ereignisse um Parkers Vater belohnt, aber die sich daraus ergebende Storyline wirft einige neue Fragen auf. Diese beziehen sich auf die Zukunft des Helden wie auch auf seine Vergangenheit und Herkunft. Diese Konstellation wirft große Schatten auf den zukünftigen Weg von Charlie Parker. Mal schauen, was John Connolly daraus macht?!
Der Originaltitel THE LOVERS wurde vom Verlag in DER PAKT DER LIEBENDEN geändert. Ein, wie ich finde, bedauerlicher Schritt, aber sei es drum. Die Umschlaggestaltung weiß zu gefallen, wenn auch der auffällige Stil der beiden vorherigen Bücher leider nicht mehr beibehalten wurde.
Ich habe den Kauf der Hardcoverausgabe nicht bereut, empfehle den Roman mit gutem Gewissen weiter und freue mich auf die deutschen Veröffentlichungen der nächsten Bücher Connollys, THE WHISPERER und BURNING SOUL.