Die in der Rezension verwendeten Abkürzungen:
O =Orgon
OA = OrgonAkkumulator.
Das Buch des 2001-Verlags enthält nicht nur den Text von James deMeo sondern -im letzten Buch-Drittel- auch die Kurzfassung einer Diplomarbeit, verfasst an der Uni MArburg, über die Wirkung eines Orgonakumulators sowie 2 Aufsätze eines Berliner Arztes.
Was soll das sein: "Orgon" ? Ich rezitiere die wichtigsten Informationen des Textes, was den Kauf des Buches erspart:
Alle lebende + unbelebte Materie sei mit O geladen und strahle sie ab.
O existiere im Weltall und in der Atmosphäre.
O. könne man sehen, messen, fühlen, fotografieren.
O sei stimulierbar und komprimierbar.
O werde am stärksten angezogen von allem Lebendigen, von Wasser und von sich selbst.
Die O-Ladung in Subsatnzen oder in Umgebung schwanke zyklisch.
O ströme: Normalerweise folge es der Erdumdrehung und fließe von Westen nach OSten (1x um den Erdball). Die O-Strömung sei etwas schneller als die Erdrotation.
Alle Lebewesen, Wettersysteme, Planeten reagierten auf O-Pulsationen.
O selbst sei unmagnetisch, lade jedoch "eisenmagnetische Leiter magnetisch auf".
O lade "elektrostatische Leiter elektrostatisch auf.
O sei meßbar mit aufgeladenem Geiger-Mülller-Zählrohr.
O sei erstmals gesehen worden, als Reich Amöben mittels (faulenden?) Grasaufgüssen hergestellt habe. Dann habe er im Lichtmikroskop "mit extrem großer (3500 - 4500 facher) Vergrößerung" "blaue Blasen" beobachtet.
Anmerkung: ein klassiches Lichtmikroskop kann -einem Standard-Biologie-Lehrbuch zufolge eine Zelle (Größe 0,2 µm) höchstens 1000x vergrößert abbilden.
Dies ist m.E. ein erster Hinweis darauf, daß deMeo in seinem Buch sehr unkritisch Informationen zusammenträgt bzw. von anderen abschreibt.
Doch weiter im Text (von de MEO):
OAs sollen nicht nahe bei Kernkraftwerken (< 30 -50km) oder Hochspannungsleitungen (< 5km) betrieben werden, wegen der Aufladung mit DOR (deadly orgone).
Die knappe Übersicht über die Eigenschaften des Orgons wirft zwar viele Fragen auf, doch die ist knackig präsentiert.
Dann geht deMEo kurz ein auf das Leben von Wilhelm Reich, was ebenfalls noch lesenswert ist:
Hinter "Libido" -für Freud nur ein abstrakter Begriff- vermutet Reich etwas real-energetisches. Reich ist beeinflusst von den Vitalisten Kammerer, Bergson und Harold S. Burr, welcher sich an der Yale-University mit dem elektrodynamischen Feld beschäftigt.
Doch dann fällt mir eine weitere Textstelle auf, mit der sich der Autor eigentlich selbst disqualifiziert: ".....gibt auch Sheldrakes Theorie eine dynamisch-energetische Erklärung für die Vererbung, die die biochemische DNA-Theorie überflüssig macht." (Zitat S.48).
Die Molekularbiologie mag nicht der Weisheit alleiniger und letzter Schluß sein, überflüssig ist sie indes nicht, auch Sheldrake sieht das so.
Kurz darauf eine neue Unkorrektheit bei der Wiedergabe von Informationen aus dem Buch R.O. Beckers: Amputierte Glieder können bei Salamandern (!) nachwachsen und nicht -wie De Meo auf. S. 48/49 schreibt- bei Mäusen.
Nur 2 Sätze weiter erzeugt er sich entsprechend seiner Schlampigkeit einen Widerspruch, wenn er schreibt, daß es die Fähigkeit zur Regeneration "...nur bei niederen Tieren, bei Säugetieren wie Mäuse i.A. nicht" gebe.
Auf S. 74 bringt er "nicht nachweisbare Neutrinos" mit Orgon in Verbindung. Neutrinos wechselwirken nur geringfügig mit Materie sind jedoch schon seit Jahrzenten nachweisbar. Die Assoziation zu Orgon ist hochspekulativ und bleibt seitens des Autors auch unerklärt.
Auf S. 54 schreibt er blödsinnigerweise: "Man muß sich klarmachen, daß die Relativitäts- und Quantentheorie.....mit der Existenz einer kosmischen Energie völlig unvereinbar sind."
Es folgt dann eine Schimpftirade auf die Rüstungsphysik. Letzteres mag verständlich sein, gehört aber absolut nicht zum Thema des Buches.
Die genannten physikalischen Theorien sind sehr gut experimentell abgesichert. Wenn man also annimmt, daß Orgon ein physikalisches Phänomen ist - oder zumindest eines mit physikalischen Wirkungen, wie oben beschrieben- so kommt man beim Verständnis von Orgon wohl nicht an den e.g. Theorien vorbei.
Möglicherweise wird man irgendwann die bestehenden Theorien als Spezialfälle einer umfassenderen Betrachtung einordnen.
Die von deMeo genannte "Unvereinbarkeit" zeugt von erheblicher Ignoranz.
Auf S. 55 kommt er auf Halton Arp zu sprechen, ein Astronom, der eine zwar nicht sehr beliebte, jedoch von der wissenschaftlichen Welt grundsätzlich respektierte alternative Erklärung zur Rotverschiebung entwickelt hat. Arp glaut nicht unbedingt an ein expandierendes Universum.
So außenseitermäßig wie deMeo schreibt, fristet er sein Leben nicht.
Auf Seite 51 kommt deMeo auf Benvenistes "Wassergedächtnis" zu sprechen. Ein Vergleich mit dem Buch von Michel Schiff zeigt mir, daß auch hier deMeo völlig verkürzt und verzerrend falsch Benvenistes Streit mit der Redaktion von NATURE darstellt.
"Benveniste wies die Wirkung eines solchen Energieprinzips in homöopathischen Lösungen nach."
Benveniste hat -seiner eigenen Aussage zufolge- mit seinen Experimenten und deren Interpretation auf die Möglichkeit eines Wassergedächtnisses hingewiesen, "nach"-gewiesen jedoch ganz bestimmt nicht.
Auf S. 53 kommt deMEo auf einen Herrn Dayton Miller zu sprechen, der einen "dynamischen Äther" ..."einwandfrei nachgewiesen hat" -jedoch von der etablierten Wissenschaft ignoriert werde.
Obwohl ich schon viel gelesen habe: mir war der Name doch neu. Auch erfähre ich als Leserin nicht, was denn der Herr Physiker Miller genau wann, wie gemessen hat.
Der Text deMeos ist ärgerlich.
Die Bauanleitungen lassen viele Fragen offen und enthalten Widersprüche bzgl. der empfohlenen Materialien.
Der Anhang in dem 2001-Buch ist etwas lesenswerter, da authentischer: ein Arzt schildert seine Erfahrungen mit dem OA in der Krebsbehandlung: OA verbessere die Lebensqualität, habe jedoch keinen seiner Patienten geheilt.