In Oberammergau erblickt ein Nussknacker in einer Schnitzerei das Licht der Welt. Es sind keine guten Zeiten in die er geboren wird, aber wann sind die Zeiten wirklich gut? Diesem Nussknacker ist es nicht vergönnt, am warmen Kamin zu stehen und Nüsse zu knacken. Er wird zum Reisenden und ist immer dabei, wenn Weltgeschichte geschrieben wird. Er wandert von einem Besitzer zum anderen und wird mal mehr oder weniger geschätzt. Er ist Talisman, Freund, Spion oder ein nicht gewürdigter Gast. Auf seinem langen Weg begleitet er Hippies, Soldaten, Demokraten, Kommunisten, Kinder und Liebende.
Der Nussknacker ist ein bezaubernder Reisebegleiter durch das vergangene Jahrhundert. Er nimmt den Leser mit auf die Schicksalsfahrt der Titanic, in die Schützengräben in Flandern, in die Luftschutzkeller in Berlin, zu den Hausbesetzern in die Hafenstraße von Hamburg und in die ehemalige DDR und zu den anderen Schauplätzen der Geschichte der vergangenen hundert Jahre. Mich hat am meisten die Geschichte des jüdischen Jungen Salomon berührt, der in der Reichskristallnacht aus Berlin flüchten muss. Beim Lesen ist es mir wieder bewusst geworden, wie dankbar wir sein dürfen, keinen Krieg erleben zu müssen und ein Dach über dem Kopf zu haben und einen gutgefüllten Kühlschrank. Das Buch ist aber in keinster Weise deprimierend, es macht auf spannende und unterhaltsame Weise Lust auf Geschichte und regt zum Nachdenken an.