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Der Notar von Avignon
 
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Der Notar von Avignon [Gebundene Ausgabe]

Catherine Jinks , Michael Haupt
2.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 635 Seiten
  • Verlag: Europa Verlag (2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3203785706
  • ISBN-13: 978-3203785707
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 14,4 x 5,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.773.194 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Avignon im Jahre 1320: Seit die Stadt 1309 zur Residenz des Papstes erklärt worden ist und halb Rom hier Einzug gehalten hat, platzt das provenzalische Städtchen aus allen Nähten -- sehr zum Unmut der Einwohner, denn selbst die wohlhabendsten Bürger der Stadt werden gezwungen, ihre schönen Häuser an Kardinäle und andere Kirchenleute zu vermieten. So werden sogar die vermögendsten Handwerker und die mächtigsten Kaufleute mit ihren Familien in den kleinsten Wohnungen zusammengepfercht -- keine sehr befriedigende Situation, aber der heiligen Kirche widersetzt man sich natürlich nicht.

Auch dem jungen Notar Raymond Maillot bleibt nichts anderes übrig, als sich eine enge Wohnung mit seiner keifenden Mutter, seinem streitlustigen Bruder und dessen verhasster Frau zu teilen. Dies ist eine umso misslichere Situation, als Raymond ein unbekümmerter Weiberheld ist und seine Zeit ansonsten am liebsten mit seinen Saufkumpanen im Wirtshaus verbringt, was seiner Familie, braven Christenleuten, natürlich zutiefst missfällt. Permanent wird er als gottloser, in Sünde lebender Hallodri beschimpft -- ein Vorwurf, der ihn zwar nicht weiter bekümmert, den er aber auch nicht wirklich entkräften kann.

Umso überraschter ist Raymond, als eines Tages der päpstliche Inquisitor Amiel de Semur, ein Dominikanerpater, seine Dienste in Anspruch nimmt: Amiel ist beauftragt, den Mord am Schatzmeister eines Kardinals aufzuklären, den man mit abgetrenntem Penis in seinem Zimmer aufgefunden hatte, und benötigt einen Notar, um die Vernehmungen zu protokollieren. Das ungleiche Paar mit dem strengen, charismatischen Mönch und dem lebenslustigen, etwas tollpatschigen Notar beginnt den Mordfall Schritt für Schritt aufzuklären, wobei Raymond zwischendurch immer wieder mit den Nachwirkungen seiner Ausschweifungen -- wie den Blessuren nach einer Wirtshausprügelei, Vaterschaftsklagen entehrter Jungfrauen oder der Wut gehörnter Ehemänner -- zu kämpfen hat.

Der Notar von Avignon ist ein spannender historischer Krimi, der den Leser tief hinein in die Welt des klerikalen und weltlichen Lebens des Mittelalters entführt. Die äußerliche Handlung erinnert stellenweise sehr an Umberto Ecos Der Name der Rose, wo ja auch ein ungleiches Paar seltsame Morde aufzuklären hat, jedoch kopiert Catherine Jinks nicht Ecos würdevollen, ernsten Stil -- ganz im Gegenteil: Was dieses Buch so besonders macht, ist der augenzwinkernde Witz, mit dem die ungewöhnliche Beziehung zwischen dem Pater und dem jungen Lebemann erzählt wird. Die Geschichte dieser entstehenden Freundschaft zwischen zwei gänzlich verschiedenen Charakteren, die den draufgängerischen, Wein, Weib und Gesang liebenden Notar scheinbar sogar zu läutern vermag, verdrängt das Krimigeschehen teilweise sogar und macht die Lektüre der über 600 Seiten zu einer nie langweilig werdenden, ausgesprochen vergnüglichen Angelegenheit. --Christoph Nettersheim

Kurzbeschreibung

Raymond Maillot, ein junger Notar, ist heilfroh, nichts mit dem grausamen Mord zu tun zu haben. Der gutaussehende Mann streicht in seiner reichlich vorhanden freien Zeit lieber die Geige, spricht dem Wein zu und verdreht den Frauen den Kopf. Doch es kommt anders: Der charismatische Domenikanermönch Amiel de Semur, der den Fall im Namen des Papstes höchstselbst aufklären soll, wählt ausgerechnet ihn aus, bei den Ermittlungen zu assistieren. Widerwillig begibt sich Raymond in ein Abenteuer, das sein Leben verändern wird.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Bereits in ihrem Roman „Der Inquisitor" führte die australische Autorin Cathrine Jinks ihre Leser in das mittelalterliche Frankreich. Auch in ihrem zweiten Roman „Der Notar von Avignon" (der laut Verlag eigentlich ihr Erstling sein soll) breitet sie ein farbenprächtiges, mittelalterliches Tableau vor dem Leser aus. Schauplatz ist diesmal die Papststadt Avignon im Jahre 1320. Der Schatzmeister eines Kardinals wird in seinem Haus ermordet aufgefunden. Der oder die Täter haben den Mann nicht nur erstickt, sie haben ihm auch seinen Penis abgeschnitten. Der Papst höchstpersönlich beauftragt den Dominikanermönch Amiel de Semur den Fall aufzuklären.

Die kirchliche Gerichtsbarkeit sah damals für einen solchen Fall die Inquisitio (Befragung) vor, bei der Verdächtige vorgeladen und verhört wurden. Um eben diese Befragungen durchzuführen, benötigt Amiel de Semur einen Gehilfen. Er findet ihn in dem jungen Notar Raymond Maillot, aus dessen Sichtweise der Roman erzählt wird. Nun ist Raymond alles andere als ein gottergebener und frommer Mensch: Mit seinen Freunden zecht er gerne im Gasthof seiner Geliebten Béatrice, er singt frivole Lieder und kann der holden Weiblichkeit nur schwer widerstehen. Mit anfänglicher Skepsis nimmt er den Auftrag des Mönchs an. Er begleitet Bruder Amiel in die scheußlichen Gefängnisse und Folterkammern der Stadt und führt über die Verhöre Protokoll.

Nicht nur, dass sich allmählich erste Spuren herauskristallisieren, die auf schwarze Magie, Ketzerei, Homosexualität des Opfers und Eifersucht deuten, zwischen dem Mönch und seinem Gehilfen entwickelt sich auch eine Freundschaft. Dies wird von Raymonds Familie und Freunden nicht gerne gesehen, befürchten sie doch, selbst in das Fadenkreuz des strengen Mönches zu geraten. Zudem durchlebt der Frauenheld Raymond unter dem Einfluss seines gottesfürchtigen Freundes eine seltsame Veränderung: Statt den Frauen hinterher zu jagen, gibt er seinem Mentor sogar das Versprechen, enthaltsam zu leben - ein Versprechen, dass er auf Dauer doch nicht durchhalten kann.

Die Stärke des Romans liegt nicht so sehr in der Krimihandlung. Diese ist eher dürftig und besteht hauptsächlich aus den schon erwähnten Verhören. Neugier weckt Catherine Jinks vielmehr mit ihrer lebendigen und farbenprächtigen Schilderung des mittelalterlichen Lebens. Vor allem die Ich-Perspektive ihres Erzählers Raymond lässt den Leser hautnah am Geschehen teilnehmen. Dabei geht es munter und deftig zu: Rauhe Prügelszenen wechseln sich ab mit dem stillen Leben im Kloster, Raymonds schwülstigen Liebesliedern stehen die berechnenden und eiskalten Verhöre Bruder Amiels gegenüber, der seine Opfer gnadenlos manipulieren kann. Ohne auch nur mit der Folter zu drohen, presst der Mönch den Verdächtigen Schuldeingeständnisse ab. Kirchlichen Würdenträger mit dunklen Geheimnissen stehen einfache Mägde und Knechte gegenüber, voller Furcht vor der kirchlichen Inquisition.

Dreh- und Angelpunkt bleibt aber Raymond, dessen Wandlung vom Saulus zum Paulus (und wieder zurück) Jinks psychologisch fein auslotet und glaubwürdig erzählt. Nicht ohne Augenzwinkern zeigt sie ihren Helden mal als Prahlhans, der stolz mit der Größe seiner Männlichkeit angibt, mal ist er ein eingeschüchterter Maulheld, der nach ein paar Schlägen Schutz unter dem heimischen Rockschurz sucht, mal ein Schelm, der nachts ins Nonnenkloster eindringt, dann wieder wird er zum geschockten Zeugen von Bruder Amiels brutalen und raffinierten Verhörmethoden.

"Der Notar von Avignon" ist ein praller Schmöker, mit einer gelungenen Mischung aus Tragik und Humor, an dem wohl eher Liebhaber von historischen Romanen ihre Lesefreude haben dürften, als eingefleischte Krimifans. Trotzdem: Ein gelungenes Buch für eine aufregende Zeitreise ins Mittelalter.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Jinks ist ein unterhaltsames und sehr flüssiges Werk gelungen, das zudem gut recherchiert und detailreich ist. Allerdings will beim Lesen keine rechte Spannung aufkommen, die Geschichte plätschert vor sich hin, ohne auf einen wie auch immer gearteten Höhepunkt zuzusteuern. Der Kriminalfall dient so nur als Aufmacher für eine Geschichte über Sitte und Unsitte im Avingon der damaligen Zeit. Auch die Nebenfiguren hätten detailreicher und aufmerksamer "gezeichnet" werden können. So konzentriert sich der Roman zu sehr auf die beiden gegensätzlichen Hauptfiguren.

Fazit: gut geeignet als leichte Bettlektüre.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von timediver® HALL OF FAME REZENSENT TOP 100 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Catherine Jinks' zweiter Roman, der im australischen Original (2000) den schlichten Titel "The notary" trägt, spielt zwei Jahre später (1320) als ihr Erstlingswerk "Der Inqisitor". Obwohl der bereits bekannte Inquisitor der Stadt Lazet Jean-Pierre Fauré, dem es nun offenbar selbst an den eigenen Ketzerkragen geht, am Rande erwähnt wird, handelt es sich um keine Fortsetzung.

Hauptschauplatz ist diesmal die Stadt Avignon, in der Papst Benedikt XXII residiert.
Ein Nebenschauplatz ist die auf französischem Territorium liegende Ortschaft "St. Martin-les-Bains". Auch diese Ortschaft wird man, wie bereits die Stadt "Lazet" vergeblich suchen,da sie gleichfalls ein erdichteter "Nichtort" ist. Der im Roman beschriebene Weg vom imaginären St. Martin-lès-Bains nach Avignon führt jedoch an einigen historischen, Bauwerken vorbei. Während in Villeneuve-les-Avignon von der ehemaligen Benediktiner Abtei St. Andre heute noch einige Fragmente vorhanden sind, ist der Turm König Phillips IV (des Schönen) noch gut erhalten. Die Zollstation markierte zur Zeit der Romanhandlung auf der französischen Seite der Rhône das Ende der 22-bögigen Brücke (Pont St. Bénézet), die heute von Avignon aus nur noch über vier Bögen in den Fluss hineinreicht.

Der Roman schildert die Alkoholexzesse und libidinös-amourösen "Abenteurer" des musikalischen Protagonisten, dem Notar Raynold Maillot, und seiner Kumpanen. Die Konflikte die daraus mit der spießigen und zänkischen Familie des Notar erwachsen nehmen einen breiten Raum der Handlung ein. Der Dominikaner Amiel de Semur ist vom Papst mit der Untersuchung von Fällen der Hexerei und Geisterbeschwörung beauftragt worden. Amiel, verschlagen und mit allen Wassern gewaschen, engagiert den hedonistischen Notar, den er bei seinen Verhören als Zeugen und Protokollanten benötigt und versucht ihn auf den Pfad der Tugend zu führen....

Die Stärke des Romans liegt in der Darstellung des mittelalterlichen Straf- und Prozessrechtes, das zum Zeitpunkt der Romanhandlung noch zwischen Ketzerei und Hexerei Unterschiede machte. Höhepunkt ist das Verhör von Pater Antonio, dass sich zu einem theologischen Disput zwischen ihm, dem Delinquenten, und dem päpstlichen Beauftragten entwickelt. Die Dialoge der Protagonisten zeichnen sich häufig durch eine recht grobe Sprache, mit ordinären und unter der Gürtellinie liegenden Begriffen aus. Spannungsmomente sind selten, schmunzeln kann man jedoch öfters.

Catherine Jinks hat diesmal, anders als bei ihrem Erstling "Der Inquisitor" ein Dramatis Personae und ein tadelloses Glossarium angehängt. Mit der Ergänzung "von Avignon" soll "der Notar" wohl marktfördernd eine größere Leserschar ansprechen.
Trotz des Fehlens einer Landkarte und anderer kleiner Mängel hat der Roman aufgrund seines Szenarios die Auszeichnung "historisch" durchaus verdient und kann den Lesern von mittelalterlichen (Kriminal)Romanen empfohlen und mit 3 Amazonsternen bewertet werden.

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