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Der Nine-Eleven-Junge [Gebundene Ausgabe]

Catherine Bruton , Dietmar Schmidt
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

19. August 2011
Ben war erst zwei, als sein Vater bei den Anschlägen auf das World Trade Center ums Leben kam. Obwohl er sich kaum an seinen Dad erinnern kann, hat er seitdem eine Sonderstellung: Er ist »Der Nine-Eleven-Junge«. Als er für einige Wochen bei seinen Großeltern einzieht und das Nachbarsmädchen Priti kennenlernt, ist dies der Beginn eines unvergesslichen Sommers. Denn Priti, Ben und sein Cousin Jed wollen Helden sein - und ein Held ist, wer Ehrenmorde verhindert und potenzielle Terroristen schon von Weitem erkennt - Ein Roman, der nicht vom 11. September handelt, sondern von den Folgen, die dieser Tag für die Menschen der westlichen Kulturen hatte. Er erzählt von Trauer und Verlust, von Erinnerung und Vergessen, von Familie und Freundschaft, von Vorurteilen und falschen Verdächtigungen - und zeigt, dass Nine-Eleven bis heute nachwirkt.

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Produktinformation

Interview mit dem Autor Jetzt reinlesen [177kb PDF]|Interview mit der Autorin: Jetzt reinlesen [PDF]
  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe (Baumhaus); Auflage: 1 (19. August 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3833900326
  • ISBN-13: 978-3833900327
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 16 Jahre
  • Originaltitel: We can be heroes
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 15,6 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 425.612 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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5.0 von 5 Sternen LesePeter im Juni 2012 20. Juli 2012
Von AJuM
Format:Gebundene Ausgabe
Der LesePeter ist ein von der AJuM monatlich vergebener Preis für Kinder- und Jugendliteratur.

Ben denkt fast ausschließlich in Manga-Bildern, die er unentwegt zeichnet. Er lebt, solange die Mutter in der Klinik ist, weil sie den Tod des Vaters bei 9/11 nicht verarbeitet hat, bei den Großeltern. Sein Vetter Jed kommt dazu und beide werden in Atem gehalten durch die quirlige Nachbarin Prit, deren Familie aus Pakistan stammt. Ihre Fantasie und die Vorurteile der Nachbarn setzen eine anwachsende Spirale von Bedrohung, Unterstellungen, Mordvermutungen und einer Entführung in Gang, die zu explodieren droht.

Unvermutet tut sich dem Leser ein leichter, differenziert und packend geschriebener Roman um drei Elfjährige auf, unvermutet deswegen, weil sowohl der deutsche Titel als auch das Cover unpassend erscheinen: Der sieben- oder achtjährige Junge des Covers taucht im Roman nicht auf, ebenso wenig der nette Mann daneben. Der englische Titel We Can be Heroes erzählt die ganze Geschichte. Sie hat zwar mit dem 11. September 2001 zu tun - aber nicht so, wie es der deutsche Titel suggeriert. Abgesehen davon, dass es immer noch deutsche Leser (oder Käufer) geben soll, die mit diesem Denglish nichts anfangen können oder wollen.
Ben ist ein stiller Junge, der fast völlig verstummt, wenn er mit dem lauten Jed und der extrem eloquenten Vielrednerin Priti zu tun hat. Ben ist vaterlos aufgewachsen - sein Vater kam in New York am 11.9.01 ums Leben -, seine Mutter ist damit nie ganz fertig geworden, jetzt zusammengebrochen und braucht einen Klinikaufenthalt, so dass Ben seine Sommerferien bei den Großeltern verbringt. Ben beschäftigt der Gedanke, dass sein Vater der 'falling man' war. Die Mutter seines Vetters Jed hat sich von ihrem Mann getrennt, der aber bekam das Sorgerecht und setzt seinen Sohn gewaltig unter Druck, der darauf mit extremem Machogehabe reagiert. Vater und Sohn tauchen ebenfalls bei Bens Großeltern auf. Zu dem ungleichen Gespann kommt die witzige, ununterbrochen übersprudelnde Priti aus der benachbarten Pakistani-Familie. Und diese Dreierbande entwickelt eine kollektive Fantasie um Ehrenmord (die größere Schwester ist mit einem Rocker befreundet, Priti befürchtet, dass ihre Brüder sie umbringen, wenn die davon erfahren), um Selbstmordattentate und setzt durch ihre Fantasie eine regelrechte Jagd auf die Pakistani der ganzen Stadt in Gang, als ein kleines Mädchen aus der Nachbarschaft entführt wird. Die Medienhysterie wird gekonnt vor Augen geführt, die Hysterie des Fremdenhasses wird gezielt von Jeds Vater geschürt und zwischen allen Stühlen sitzen die Großeltern der beiden Jungs, die Pakistani-Familie sieht sich hilflos der Verdächtigungen durch Fremdenphobie, Polizei und Nachbarn ausgesetzt. Das besonders Absurde an ihrer Familie ist, dass Priti ausgerechnet ihr islamistische Ideen unterstellt. Sie hat Angst vor Ehrenmorden, vor ideologischen Kurzschlüssen ' bei einer Familie, die nicht weiter entfernt von jeder Ideologie oder gar Extremismus stehen könnte. Die Autorin schreibt dabei mit einer bewundernswerten Leichtigkeit ' Priti ist der Ausbund an Witz und Fantasie, Ben sieht das Geschehen humorvoll distanziert (und identifiziert sich im falschen Augenblick völlig mit Pritis Projektionen) und Jed lebt in einer dermaßen rechts orientierten Welt, dass sich jeder seiner rassistischen Gedanken selbst ad absurdum führt.
Am Ende löst sich jedes Rätsel, aber die Verletzungen der Betroffenen bleiben bestehen.

Wie aus harmlosen Ereignissen oder Eigenheiten in Verbindung mit einer überbordenden Fantasie sich eine Katastrophe herbeireden lässt, lernt hier wohl jeder Leser - wie gefährlich falsche Solidarität sein kann, ebenfalls. Der größte Fehler, den viele Protagonisten dieses dicken Romans begehen, ist zu schweigen, zu verschweigen, nicht zu antworten, wenn Fragen gestellt werden - oder diese Fragen nicht offen zu stellen. Der introvertierte Ben schreibt Fragen auf, die zeigen, dass er viel mehr weiß, ahnt, fühlt, als er ausdrücken kann: Zehn Fragen fallen ihm zu allen ihm wichtigen Personen ein und der Leser merkt: Richtig, das müsstest du eigentlich wissen. Die Fragen zu seinem Vater, an den er sich überhaupt nicht erinnern kann, beantwortet schließlich seine Oma, die Mutter des Vaters - andere bleiben unbeantwortet. Aber das klare Denken Bens treibt die Handlung voran. Priti, Tochter einer Psychologin, steuert soviel Psychologie in ihre Auseinandersetzungen, dass gleichaltrige Leser ihre Schwierigkeiten mit der Sprache dieses Mädchens haben werden ' genau wie Ben, der sich dann aber auch darüber seine Gedanken macht. Der ältere Leser stellt amüsiert fest, wie genau die Göre Priti die Situationen und Reaktionen einschätzen kann. Ben hilft sie dabei wirklich - besser als jede Therapeutin. Aber sie stellt sich selbst ein Bein, als es dann auf den Höhepunkt der Handlung zu geht - jetzt wird das kleine Mädchen sichtbar, das überhaupt nicht alle Fäden in der Hand hält und ein heilloses Chaos anrichtet.

Am Ende des Romans wird dann der kleine Manga vorgeführt, an dem Ben die ganze Zeit gezeichnet hat.
Und Priti wittert bereits den nächsten Ehrenmord: Sie muss Jane Austen lesen. Und das heißt für sie: Tödliche Langeweile.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Nine-Eleven-Junge 6. November 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Der 11. September wirkt nach, bis heute. Angehörige leiden unter den Nachwirkungen, bewusst und unbewusst. Doch nicht nur die Erinnerung an den Terroranschlag beeinflusst unser Leben heute. Auch die Vorurteile andersgläubigen Menschen gegenüber, verhindern eine Beruhigung und Annäherung.

"Der Nine Eleven Junge" heißt Ben, ist 12 Jahre, lebt in England und verlor am 11.09.2001 seinen Vater. Als die Flugzeuge in die Twin-Towers krachten, war er gerade 2 Jahre und hat so gut wie keine Erinnerungen an den Tag oder die Zeit danach. Verändert hat sie ihn dennoch. Einerseits durch die Umwelt, die in ihm einen "Hinterbliebenen" sieht und ihm mit Mitleid begegnet, andererseits auch durch die Mutter, die psychisch erkrankt ist.

Den Sommer muss Ben nun, da seine Mutter stationär behandelt wird, bei seinen Großeltern verbringen. Ben lernt Priti kennen, die Tochter einer pakistanischen Familie aus der Nachbarschaft. Ihre offene, manchmal respektlose Art irritiert ihn anfangs, dennoch lernt er sie schätzen und verbringt viel Zeit mit ihr. Schließlich ist sie es auch, die ihn dazu bringt sich seinen offenen Fragen, seinem Vater gegenüber zu stellen und auch mit seinen Großeltern darüber zu sprechen.

Der Sommer könnte also friedlich vor sich hin plätschern, wenn Priti nicht auch eine blühende Fantasie hätte. Ehrenmord, Terroristen - und das alles in ihrer eigenen Familie. Schnell überzeugt sie Ben und dessen Cousin Jed (der überraschend auch den Sommer bei seinen Großeltern verbringen wird) von ihren Theorien und eine wahnwitzige Geschichte nimmt ihren Lauf.

Als Bens Vater gestorben ist, hat sich nicht nur das Leben von ihm und seiner Mutter drastisch geändert. Auch sein Onkel und seine Großeltern haben sich verändert. Jeder litt und trauerte auf seine Weise. Während seine Großeltern zumindest augenscheinlich damit umgehen konnten, ist Bens Onkel seinem Hass auf Ausländer und auch seiner eigenen Frau gegenüber verfallen.

Unterm Strich passiert im Buch mehr, als es das in der Realität könnte. Aber eigentlich kommt es ja auch auf etwas anderes an. Ben und Jed leben mit den Vorurteilen die ihr Großvater und Jeds Vater (Bens Onkel) Ausländern gegenüber haben. Nie haben sie die Möglichkeit bekommen sich ihre eigene Meinung zu bilden. Die Hochzeit der Schwester von Priti trägt auch nicht unbedingt dazu bei, dass beide Kulturen sich annähern. Musik, Essen Kleidung - alles fremdartig und fehl am Platz in der britischen Vorstadtsiedlung.

Erst nach und nach wird klar, wie verwoben alle Vorkommnisse sind. Da verschwindet ein Mädchen, eine von Pritis Schwestern hat ein Techtelmechtel mit einem weißen Rocker, einer von Pritis Brüdern bastelt an vermeintlichen Bomben, Jeds Vater ist angeblich ein Undercovercop beim Bombenräumkommando ... Die Fantasie der Kinder, aufbauend auf der Prägung durch die Familie, macht alles noch schlimmer bis zum fast bitteren Ende.

Das Buch geht recht locker mit dem Thema um, da vor allem aus der Sicht der Kinder geschrieben wird. Es gibt heitere und lustige Momente, aber auch Momente in denen man die Luft anhält und hofft, dass alles gut ausgeht. Ben steht im Mittelpunkt mit seinen Fragen an das Leben und die Personen um ihn herum. Auch wenn der Sommer für ihn nicht leicht ist, so bringt er ihn in Sachen Verarbeitung weit voran. Er lernt, dass alles seinen Grund hat, dass es sich lohnt zu fragen und vor allem, dass man sich seine eigene Meinung bilden muss.

"Der Nine Eleven Junge" nähert sich den Terroranschlägen auf das World Trade Center auf unkonventionelle Weise und spricht auf diese Weise auch Jugendliche an, sich mit dem nicht immer einfachen Thema zu befassen. Gespräche danach sind wichtig um alles zu verstehen. Aber sie können auch dafür sorgen, dass wir einander mit mehr Toleranz begegnen und Vorurteile ausgeräumt werden. Wenn ihr also mal ein Buch braucht, das mehr sein soll als reines Lesevergnügen, so können wir euch dieses Buch wirklich empfehlen.
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