Es ist schwer zu beschreiben, was mir heute ins Haus gekommen ist. Es ist nicht welle: erdball, es ist nicht das Präparat, nein, es ist homo~futura mit "Der neue Mensch".
Gleich beim ersten Lied merkt man die eigene Note, irgendwie etwas härter, so bummst es dahin, während Dr. Georg Linde und Plastique abwechselnd Merkmale unserer Gesellschaft aufzählen bis Dr. Georg Linde mit lupenreinem Gesang ankommt, mit einer Melodie die egelssanft ist, im Hintergrund. Ein Hoffen auf die Zukunft, von der man nicht glaubt, dass sie kommt. Insgesamt ein netter Beginn dieses Albums, an dem es nicht viel zu bemängeln gibt, außer vielleicht, dass die Botschaft nicht so verdichtet wurde.
Beim zweiten Titel "Klaustrophobie" setzt dann erneut das Utzen ein, welches sich auch durchgängig bis zum Schluss halten wird. Die Reime sind manchmal etwas simpel gestrickt, was aber ncihts schlechtes heißen muss, zumal sie ja von Plastique gesprochen/gesungen werden und ich immer noch nicht ganz hinter den wahren Inhalt gestiegen bin, vielleicht Fleisschau im Fahrstuhl, durch das ein beengendes Gefühl besteht, auf dem die "Klaustrophobie" basiert? Der Titel überllässt in jedem Fall dem Hörer einen Teil der Gedankenarbeit, mir persönlich hat aber, die simple Melodie sowie die etwas aufgesetzten Wiederholungen von "Ich weiß, was du willst" etc. aus dem Äther diesen Song etwas vergällt.
Mit einem durchwachsenen Gefühl geht es also nun an "Nemesis", bei dem nun Kevin Gross einen Großteil der Arbeit gemacht hat. Und man merkt es. Die stumpfen Klänge treten jetzt etwas in den Hintergrund, es wird jetzt auf bedrohlich gemacht, denn man sucht ja die "Göttin der Rache". Der Gesang ist ein Gemisch aus Schreien eines Werwolfes und dem Lechzen eines Vampirs. Etwas überzogen, auch der Text ist aus meiner Sicht etwas zu dramatisch geworden, aber hörbar ist es allemal und besser als "Klaustrophobie" auch.
Es folgt der Titel, nach dem das Album benannt ist: "Der neue Mensch" Elektronisches Grummeln setzt ein und düster geht es weiter, während Dr. Georg Linde die Schaffung des neuen Menschen unter gleichtönigen, wohlgesetzten Blechschlägen und der melodiösen Begleitung Plastiques präsentiert. So ab der Hälfte wird der Titel schneller. Viel neues bietet der Titel nicht, kommt aber vielleicht am ehesten an das heran, was homo~futura wohl ausmachen soll. Hart und kantig, schonungslos, dunkel, mächtig. Für mich driftet es als Preis dafür bis dahin aber eher in das Klischee ab.
Ein "Clubhit" soll "Links-Rechts" laut CD-Cover sein und tatsächlich macht der Titel zunächst etwas her. Die für Tiere so gefährlichen Straßen Deutschlands werden thematisiert und sind gleichzeitig Metapher für eine gnadenlose Ellbogengesellschaft, die musikalische Seite stellen wieder harte Beats zusammen mit den "Links-Rechts"-Einwürfen Honeys, die doch sehr zur Qualität beitragen. Aber auch Plastique macht ihre Arbeit als Sängerin gut, auch wenn der Text trotz seiner Thematik etwas plump wirkt.
Der nächste Titel "Unbewegt" bietet irgendeinen Synthie-Pop-Schlager, fließend, mit lupenreiner Stimme, schmacht. Interessant, vor allem deswegen, weil man so etwas auf diesem Album nicht erwartet, trotzdem kein persönlicher Favorit von mir.
"Wir schreien" fängt dagegen gleich mit Kindesvergewaltigung an, eindeutig ein Grund zu schreien, wie auch bei den restlichenDingen des Liedes. Düstere, schnelle synthetische Melodie, gute EInsätze Honeys zwischen den Strophen, die selbst natürlich auch sehr gut sind. Mir gefällt dieses Lied besonders gut, einer meiner Anspieltipps.
Hohle Stahlschläge erwarten uns darauf bei "Ich Komplex", unter denen Plastique mit verzerrter Stimme die Linie zwischen Körper und Seele und Geist zieht. WIeder härter, wie so manches Stück, erkennbar als homo~futura und Geschmackssache.
Die Mann-Maschine, welche schon bei Operation: Zeitsturm verwendet wurde ist mit einer einfachen Melodie hinterlegt, doch Plastique als Sängerin liefert einen guten Titel ab. Am männlichen, knallharten Wesen soll wohl die Welt genesen, weswegen sie auch einen Mann schafft. Nun, ich gehe mal davon aus, dass dies ein Blick auf die Männergesellschaft werfen und diese überspitzen soll. Gelungen, auch musikalisch würde ich meinen.
So viele Künstler haben den Amoklauf bereits thematisiert, jetzt kommt homo~futura. Ausschnitte aus der Berichterstattung und dem Polizeifunk vom Fall Winnenden zieren eine gute Melodie zu einem Text, bei dem der Amokläufer nach all der Erniedrigung zu seinem großen, letzten Moment kommt. Geschmacklos wird das so mancher finden, zu unkritisch, für mich persönlich einer der besten Titel des Albums.
Genau so wie auch der nächste. Treibende Klänge begleiten uns bei Frankensteins Schöpfung des neuen Menschen, der von jeder Persönlichkeit das beste nimmt, sehr schön wie ich finde.
Der Titel "Isidor" warnt vor den gefährlichen Mädchen, die die Männer fressen, wenn sie können. Sehr athmosphärisch wie ich finde.
Das Tourette-Syndrom ist reine Musik, die aus einzelnen aufblitzenden Szenen besteht, kann Angst machen, gefällt mir. Man weiß vor Allem nicht, woran man ist, was es bedeutet etc.. Ob man jetzt unbedingt das Tourette-Syndrom als Titel nehmen musste, bewerte ich nicht.
Den Abschluss des Albums bieten "Geile Tiere". Fetziger Abschlusskanon von Plastique und Honey und es geht ums Vögeln. Sehr nett.
Insgesamt muss man wohl sehen, dass es nach langer Zeit, so weit war, das Album des Nebenprojekts herauszubringen, perfekt ist es meiner Ansicht nach, trotzdem nicht geworden, zu primitiv sind manchmal die Texte, sowie die Melodien, weswegen ich auch keine fünf Sterne vergebe. Dass es trotzdem noch vier sind, liegt daran, dass mich trotz allem dieses Album sehr gut zu unterhalten weiß. Es ist nicht die Krönung der Szene, es ist nicht der Bodensatz, es ist eben homo~futura und insgesamt ist es wohl auch wert, dass man zumindest einmal reingehört hat.
Sonstiges:
CD enthält Heftchen mit den Texten (Ausnahme: Geile Tiere)
Es gibt homo~futura Sticker, die man aber erst noch ausschneiden muss.