"Bäreninsel" ist der Name eines öden polaren Eilands weit nördlich von Spitzbergen, die im Jahre 1898 einmal kurzfristig in das Licht der Weltöffentlichkeit geriet, als der Journalist Theodor Lerner versuchte, dieses Insel für das deutsche Kolonialreich zu annektieren. Um diesen geschichtlich verbürgten Kern herum hat Martin Mosebach einen unterhaltsamen Gesellschaftsroman geschrieben, der mit der Reise Theodor Lerners zur Bäreninsel beginnt. Was zunächst als eine Rettungsexpedition für einen verschollenen Ballonfahrer über der Arktis geplant war, entwickelt sich unter der planvollen Regie der Madame Hanhaus und des halbkriminellen Sholto Douglas zu einer finanziellen Okkasion planetarischen Ausmaßes. Die Verheißung von Hundert Millionen Tonnen Kohle unter arktischer Erde ruft die Bäreninsel-Gesellschaft" ins Leben, für die deutschlandweit Bankiers und Geldgeber gesucht werden. Sogar Reichstagsabgeordnete, deutsche Fürsten und ein russischer Diplomat kommen ins Spiel, ehe das ganze Projekt im Orkus eines finanziellen Desasters verschwindet.
Das hört sich genauso unterhaltsam an, wie es im Buch präsentiert wird, und wer nur unterhalten werden will. wird mit dem vorliegenden Buch voll auf seine Kosten kommen. Jede Seite des Romans ist sprachlich und stilistisch auf eine Weise ausgefeilt, wie man es unter den meisten Jungeleven des Deutschen Buchpreisrummels vergeblich suchen wird. Alle Gestalten werden im Hinblick auf ihren Werdegang, ihre Motive, ihren Platz in einem sozialen Gefüge in Ruhe und mit Prägnanz entwickelt Mosebachs Sätze besitzen Rhythmus, die Metaphern sind überraschend und originell, und nach der zarten Ironie, die das ganze Buch durchzieht, kann man nachgerade süchtig werden.
Neben dieser formalen Meisterschaft, die das Buch auszeichnet, ist Mosebach aber auch inhaltlich ein großer Wurf gelungen. Der Nebelfürst" ist nicht mehr und nicht weniger als eine zeitlose Parabel auf die Spekulation, jenes Gemisch aus Unkenntnis, Gier und Hoffnung, das seit der Mississippi Gesellschaft des 18. Jhdts. bis zur Dot-Com-Blase der letzten Jahre und der gegenwärtigen Bankenkrise immer wieder das Gefüge der Wirtschaft erschüttert. Alles in allem ein Meisterwerk, das den Leser von der ersten bis zur letzten Seite unterhält., belehrt und passagenweise sogar beglückt.