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Was mag „den Navigator" bewogen haben, ins Unbekannte zu segeln, um zu beweisen, daß man in den Osten gelangt, wenn man nur weit genug nach Westen fährt? Auf 700 Seiten verbindet Bernhard Kay kenntnisreich, detailgetreu und spannend die bekannten historischen Fakten mit dem, was wir nicht wissen können, den Gedanken und Gesprächen der an diesem Unternehmen beteiligten Personen.
Das Buch ist in der Gegenwartsform geschrieben. Die Sprache schildert das Geschehen sachlich und direkt, in kurzen Sätzen, gespickt mit unzähligen Einzelheiten zur Seefahrt um 1500. Diese Sachlichkeit wird unterstützt durch einen sehr informativen Anhang, bestehend aus Zeittafel, Literaturverzeichnis, einem Personenregister und einem ausführlichen Glossar, in dem alle nautischen und sonstigen Fachbegriffe erklärt werden. Leider fehlen zur Orientierung unbedingt erforderliche Karten, so daß man einen Atlas zu Rate ziehen muß. Obwohl Magellan allgegenwärtig ist, bewirkt der knappe Sprachstil beim Leser eine gewisse Distanz zu ihm wie auch zu den anderen Personen. Gleichzeitig wird durch die rasche Aufeinanderfolge der Sätze eine starke Spannung aufgebaut, die sich jedoch mehr auf den Fortgang der Handlung als auf die Handelnden selbst richtet.
Ausführlich werden die Schwierigkeiten, Rückschläge und Intrigen beschrieben, mit denen Magellan konfrontiert wird, bevor er nach der Hälfte des Buches endlich zur Reise seines Lebens aufbrechen kann. Fast zwei Jahrzehnte hat er um die Verwirklichung seines Traums gekämpft; jetzt bleiben ihm weniger als zwei Jahre, in denen er sich gegen Naturgewalten und Meutereiversuche behauptet, mit dem Erreichen der Philippinen seinen größten Sieg erringt und dennoch, wie bekannt, nicht zurückkehrt. Man wird von der Dynamik der Schilderung mitgerissen und ist schließlich überrascht, schon am Ende angelangt zu sein.
Aber Vorsicht: Wer sich von der Kategorie „Historischer Roman" verleiten läßt, eine in einen historischen Mantel verpackte Liebesgeschichte zu erwarten, wird enttäuscht sein. Zwar hat Magellan Frau und Kind, doch lässt ihm die Besessenheit, mit der er sein Lebensziel verfolgt, wenig Raum für andere Leidenschaften. Deshalb ist die Entscheidung des Autors folgerichtig, auf eine ausgedehnte Ausschmückung dieser Beziehung, die zwangsläufig konstruiert wirken müsste, zu verzichten.
Fazit: Der Text folgt nicht dem gängigen Aufbau historischer Romane und ist für Fans romantischer Liebesdramen vor farbenfroher Kulisse längst vergangener Zeiten à la Auel nicht unbedingt zu empfehlen. Wer jedoch spannende Geschichten von Entdeckern und Abenteurern liebt, seien sie fiktiv oder real, und nebenbei noch interessante Einblicke in die Weltvorstellung der Menschen und in den Lebensalltag der Seefahrer zu Beginn der Neuzeit gewinnen möchte, wird voll auf seine Kosten kommen und das Buch vor der letzten Seite kaum aus der Hand legen.
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