Das Buch ist eine Wucht, um es kurz zu sagen. Es ist gestrichen voll von nebeneinander stehenden Urteilen und Bedeutungen, die es in sich haben. Natürlich, als Professor mit profunden Vorarbeiten ist es kein Wunder, dies alles zu wissen und zu verarbeiten und die sogenannte "Nacharbeit" jetzt als emeritierter Professor wird wohl eine Art Vergnügen gewesen sein, im Alter sich weiterhin mit dem Phänomen Hitler zu beschäftigen. Wir kennen das und es kommt einem der Verdacht auf, er wird doch nicht gar wieder auferstehen?
In Gedanken womöglich hier und da schon.
Doch nun zum Inhalt des Buches.
Charisma und wiederum Charisma wird beschworen, von der Redekunst, von der Überzeugung dieses Menschen, von dem Ego, das sich immer mehr festigte, ist die Rede.
Dieser Mensch also wäre und ist ein gefundenes Fressen für jeden Psychoanalytiker, immer noch. Was aber bedeutsam ist, ist die Erkenntnis, das dieser Verführer (in Wort und Tat), um es einmal so auszudrücken, sowohl ein Echo im Volk fand und auch den Politikern seiner Zeit voraus war in Raffinesse und Glück, zumindest im Anfang seiner politischen Karriere.
Wie er sich entwickelte von Jugend auf, über den Kriegsdienst und über die Tätigkeit nach dem ersten Weltkrieg als Abesandter des Militärs zur Beobachtung von Strömungen und wie er sich weiter entwickelte und in München mit Ludendorff und mit gewissen elitären Schichten auf gutem Fuß stand, das alles ist spannend.
Und dann die persönliche Explosion sozusagen, als er seine Auswirkung auf die Menschenmassen erkannte und sich weiterbildete in Wort und Geste, das alles ist gut dargestellt.
Noch etwas deutlicher behandelt hätte ich mir gerne die Abhängigkeit Hitlers vom Militär gewünscht, wobei man sich ja heute fragen darf, wer mehr vom anderen abhängig war (!). So wird der genau beschriebene sehr zögerliche Widerstand aus diesen Kreisen wohl noch lange Forschungsobjekt bleiben, trotz Stauffenbergs und Henning von Tresckows, der hier besonders hervorgehoben wird, Wagnis. Ausführlich wird auch auf die verrückte Rassenpolitik eingegangen; hier wurde Darwins Erkenntnis aber wirklich missbraucht bzw. besonders willkürlich und verbrecherisch-dumm angewandt, denn Hitlers Genen waren wie unsere aller Genen gewiss auch sehr gemischt, also war auch er ein Gemixter (und was für einer).
Hitler als Kanzler (steht etwas über die Rolle Braunschweigs in diesem Buch?), ich weiß es nicht genau, das ist eigentlich d e r Punkt. Braunschweig nämlich machte ihn zum deutschen Bürger, er war ja Österreicher.
Hitler als Kriegsherr dann, warum musste er das auch noch sein? Das wäre einer tiefenpsychologischen Untersuchung wert. Ohne Krieg (und ohne Mord an seinen ehemaligen Kampfgefährten) wäre er heute vielleicht ein Heiliger, wir kennem das ja. Und Hitler als Mörder, erst an seinem Weggenossen Röhm und dessen Männer und dann an Millionen Menschen, wir wissen es, die im Krieg und als Zivilisten starben, das war sein und unser Verhängnis. Die Maßlosigkeit in allem stand Pate für sein Denken und Handeln.
Erstaunlich das Eingehen von Wehler auf das Opfer der Vertreibung und auf die Vergewaltigungen der deutschen Frauen und Mädchen während der Vertreibung.
Diese als Opfer auf dem Altar des Krieges gebracht zu haben ist ein weiteres Unheil des Mannes, dem eine Menge Deutscher und anderer nachgelaufen ist.
Außerdem wird erwähnt und dargestellt, wie sich die Opfer der sogenannten Frontoffiziere vervielfältigten. Ab einer gewissen Zeit des Krieges nämlich wurden verdiente Feldwebel und andere bewährte Soldaten zur Offizierslaufbahn empfohlen. Diese waren beonders dem Regime treu und haben ihre Tapferkeit mit unglaublich hohem Blutzoll bezahlt.
Es ist zu empfehlen, Hans-Ulrich Wehlers Gesamtwerk über die deutsche Geschichte zu lesen. Ursachen des Verbrechens eines nicht unbedingt anzufachenden 2.Weltkrieges werden da bestimmt zu finden sein und das kann uns vor ähnlicher Gefahr unter Umständen retten, wie es bestimmt den neuen Anhängern, die immer wieder erscheinen werden, die Augen öffnen wird.