Jean-Jacques Annoud fiel 1986 die interessante Aufgabe zu, nach Motiven des berühmten Romans von Umberto Eco (1980, "Il nome della rosa") in einer deutsch-italienisch-französischen Produktion des 2011 verstorbenen Bernd Eichinger einen Spielfilm zu gestalten.
Mit einem Budget von 17 Millionen Dollar zählte der Film damals nicht gerade zu den Schnäppchen - aber die weltweiten Einspielergebnisse von 77 Millionen US-Dollar zeigen, dass Eichinger zu Recht auf die Kassen-Magie von Sean Connery gesetzt hatte.
Der Franziskaner William von Baskerville (Sean Connery, 54) besucht 1327 eine Abtei der Cluniazenser im "finsteren Norditalien", wo ein Disput mit einer Delegation des Papstes stattfinden soll. Die wollen nicht einsehen, dass es auf Kosten des Glaubens gehen soll, wenn der Klerus auf dem Rücken der Armen ein Leben in Saus und Braus führt. Offensichtlich ein zeitloses Thema, das natürlich mit dazu beigetragen hat, die religionsfanatischen Amerikaner aus den Kinos fernzuhalten.
Die Kirchenpolitik bietet auch den Hintergrund für einen späten Edgar Wallace in Kutten. Wie stets versuchen Überzeugungstäter der Politik, unangenehme Wahrheiten - in diesem Fall ein angeblich erhaltenes Buch von Aristoteles über das Lachen - vor dem leicht zu verwirrenden Geist der Allgemeinheit fernzuhalten. Schließlich soll es so weitergehen wie immer - wenn erst einmal bei den Gelehrten der Humor einziehen würde, wäre die Ordnung der Welt doch ernstlich gefährdet.
So geschehen vertuschungshalber ein paar Morde.
Willliam als ehemaliger Jesuit und überzeugter Anhänger des klaren Verstandes - wie gelangt so jemand in Kirchenämter? - beginnt mit seinem "W"-Adson die Ermittlungen. Adson von Melk (Christian Slater, 17) ist sein leckerer Novize, der in einer schönen Verführungsszene mit der etwas verschmierten Dorfschönen (Valentina Vargas, 22) seinen Hintern in der Kamera schwenken darf und William reichlich Gelegenheit zu unterhaltsamen Bonmots anbietet. Wer weniger auf Jungs steht, hätte vielleicht nichts dagegen gehabt etwas mehr von der - was man erkennen konnte - keineswegs uninteressanten Valentina Vargas zu sehen.
Doch Williams Spielräume werden bald beschnitten. Die Morde erinnern ein paar fanatische Frömmler an die Prophezeihungen der Apokalypse, und schon übernimmt das BKA den Fall - damals waren das die Jesuiten mit ihrer überlegenen technischen Ausrüstung.
Das Dreamteam Eichinger-Annaud packte eine Menge in diesen Film hinein. Neben der Kriminalhandlung gibt es ein gutes Maß Horror und Mysterie, ein Quentchen Erotik und jede Menge Weisheiten über den Staat, die Kirche und den erwachsenen Umgang mit dem Leben. Das könnte manchen Film überfordern, hier fügt sich dank der Kunstfertigkeit der Macher und den auch in Nebenrollen hervorragenden Schauspielern alles wie gottgegeben zusammen.
Kurios, dass noch im aktuellen HD-Transfer der Name Eichingers im Titel falsch geschrieben wird ("Einschinger" mit 2 "n"). Auch erstaunlich, dass in der Wikipedia ein Schluss wiedergegeben wird, der im Film nicht vorkommt. Vielleicht sollte man sich doch auch bei den Technik-feindlichsten Filmfreunden endlich mal einen Blu-ray Player und einen ordentlichen Beamer gönnen, das kostet schließlich längst nicht mehr die Welt - aber man kann dann auch dunkle Szenen vielleicht noch mit klarem Auge sehen.
Genau dies fällt auf, wenn man den Film das erste Mal nicht in Rauschen und Braunsoße erstickt, sondern klar und nuanciert gesehen hat. Wenn es einen Film gibt, bei dem Blu-ray und großes Bild ein absolutes Muss ist, dann dieser.
Nichts desto trotz könnte man mühelos einiges besser machen. Schlampig wurde nicht nur mit dem Namen des Produzenten umgegangen, sondern auch mit der Untertitelung, bei der unnötigerweise auch einige fremdsprachliche (vor allem lateinische) Dialoge unübersetzt blieben.
Der Film enthält schockierende Szenen großer Brutalität - auch wenn dies keineswegs spekulativ eingesetzt worden ist, fragt man sich doch, ob man so etwas unbedingt 16-jährigen vorsetzen muss, damit sie es womöglich später mit Klassenkameraden "nachspielen".
Im Original 130 Minuten, Format 1,85:1 auf 35 mm Film sphärisch, Dolby (IMDB). Die Extras der StudioCanal-Blu-ray beschränken sich auf einen Trailer. Als einzige Sprache wird Deutsch in DTS-HD MA 5.1 angeboten.
Unter dem Strich bleibt aller Kritik zum Trotz der Eindruck, einen rundum gelungenen Streifen mit tollen Darstellern gesehen zu haben, der wirklich in jeder Hinsicht befriedigt. Bücher sind Bücher und Filme sind Filme. Es geht bei einem Film nicht darum, eine Romanvorlage 1:1 abzukupfern - wozu auch? Man möchte schließlich etwas Neues erleben, das den Möglichkeiten des audiovisuellen Mediums gerecht wird. Wem das Buch besser gefällt, der möge halt das Buch nochmal lesen. Aber Filmfreuden kann dieses jederzeit spannende, unterhaltsame und intelligente Werk wärmstens ans Herz gelegt werden. In den letzten 25 Jahren gab es natürlich eine Menge Themen-Trittbrettfahrer vor allem aus Hollywood - der Rezensent hat keinen gesehen, der dem Original das Wasser reichen könnte.
Mit geeignetem Equipment wird man zudem in den Genuss einer oft eindrucksvollen Fotografie kommen.
film-jury 5* A0828 14.1.2012eg Genre: Drama Mystery Thriller Krimi