Du liegst nachts im Bett und wirst kurz wach. Nur, um zu sehen, dass eine Riesenkakerlake sich in Richtung deines geöffneten Mundes bewegt. Aber du kannst dich nicht rühren, weil deine Muskeln gelähmt sind, du kannst auch nicht um Hilfe schreien oder wenigstens pusten, um zu verhindern, dass die Kakerlake in deinen Mund kriecht. Dabei weißt du die ganze Zeit über, dass diese Situation nicht real ist. Aber du kannst dir nicht helfen.
So geht es Leon. Er hat eine Schlaflähmung, und es ist sehr schwer, sich aus diesem Zustand zu befreien. Als es ihm endlich gelingt, wartet der nächste Schrecken: Seine Frau Nicole packt ihre Sachen in einen Koffer. Sie hat schwerwiegende Verletzungen erlitten und Angst vor Leon. Hat er ihr das angetan? Er kann sich, wie immer bei einer Schlaflähmung, nicht erinnern.
Das ist nichts Neues für ihn. Als Junge wurde er schon einmal psychiatrisch behandelt, weil er im Schlaf gewalttätig geworden war. Fangen die Probleme jetzt wieder an?
Als seine Frau die Wohnung verlässt, rennt Leon ihr hinterher. Aber als er im Erdgeschoss den Fahrstuhl öffnet, ist seine Frau verschwunden.
Leon besorgt sich eine Kopfkamera, er will wissen, was er im Schlaf anstellt. Aber als er sich die Aufnahme ansieht, beunruhigt ihn das noch mehr. Er ist im Schlaf durch eine verborgene Tür im Schlafzimmer gegangen und in die Tiefe gestiegen.
Als Leon im Wachzustand den gleichen Weg einschlägt und ein unterirdisches Labyrinth entdeckt, beginnt ein unglaublicher Albtraum, bei dem er nicht mehr weiß, was real und was Traum ist. Sachen verschwinden und tauchen auf, Leon kann sich an Unterhaltungen mit seinem Freund nicht mehr erinnern, sein ehemaliger Psychiater verbirgt etwas vor ihm, Menschen sterben – oder auch nicht.
Zum Glück habe ich Erfahrung mit den Büchern von Sebastian Fitzek. Ich wusste also, dass ich dafür sorgen muss, dass mich niemand stört, habe die Telefone lautlos gestellt, Getränke und Knabberzeug in Reichweite gestellt und ein paar Stunden hintereinander freigeschaufelt, um das Buch in einem Zug lesen zu können.
Diese Vorbereitungen haben sich bewährt. Denn es wäre unmöglich gewesen, dieses Buch aus der Hand zu legen. Noch mehr als in den Vorgängerbüchern von Sebastian war ich von der ersten bis zur letzten Seite gefangen.
Nicht nur, dass auch dieser Thriller wieder temporeich und saugut geschrieben ist und eine erschreckende Überraschung die nächste jagt, mir ist beim Lesen fast schwindelig geworden, so schnell wechselten die Bewusstseinsebenen. Wachzustand, Traum oder irgendetwas dazwischen – gibt es überhaupt noch eine Realität?
Atemlos habe ich immer weiter gelesen, gespannt auf das Ende. Und das ist – verstörend. Sehr verstörend.
Ich hätte nicht gedacht, dass Sebastian Fitzek sich noch steigern kann, aber genau das hat er auch mit diesem Buch wieder geschafft. So sympathisch ich ihn auch finde, allmählich wird er mir unheimlich…