......klappe ich den dritten Band der Weitseher - Saga zu und streiche über den Einband. Selten habe ich so gute Fantasy gelesen, wie diese drei Bücher von Robin Hobb. Und ich bin mehr als wütend darüber, das die nachfolgenden vier Bände nur zu unterirdisch überteuerten Preisen zu erwerben sind.
Mit "Der Nachtmagier" kann die Geschichte von Fitz als abgeschlossen gesehen werden. Einige Rezensenten bemängeln das Ende. Diese Meinung kann ich nicht teilen. Robin Hobb hat einen sehr würdigen und stimmigen Abschluss geschaffen (mehr kann ich dazu, ohne etwas zu verraten, leider nicht sagen). Gott sei dank ist nicht jeder Charakter in dem Buch auf des Glückes Seite. Aber so etwas mag ich auch garnicht. Das Leben ist einem nicht immer gut gesonnen und es kann viel verloren gehen. Und so ist es auch bei "Der Nachtmagier". Vielleicht ist dies der Grund zur Annahme, schlecht über dieses Ende zu sprechen.
Wer bei diesen Büchern den typischen Fantasy-Mainstream erwartet, wird bitter enttäuscht sein. Hier geht es nicht um Zauberduelle und -sprüche, um rivalisierende Adepten, wie bei Die Gilde der schwarzen Magier oder vielleicht Harry Potter.
Anmutig in Sprache und Wort entführt uns Robin Hobb in die Sechs Provinzen und der Leser fühlt sich ins Mittelalter versetzt. Mit der Gabe hat die Autorin eine ebenwürdige Waffe zum allseits beliebten Zauberstab geschaffen und neues Terrain in der Fantasy Literatur betreten. In erster Linie geht es in den Weitseher - Büchern um Loyalität, Ergebenheit und Treue. Aber nichts desto trotz brauchen sich diese drei Bücher hinter anderen namenhaften Autoren verstecken. Meiner Meinung nach, sind sie das beste und berrührendste, was mir seit langem unter die Finger gekommen ist. Und leider, da bin ich mir sicher, gibt es zu wenige solcher geschickt und intensiv geschriebener Bücher. Robin Hobb läßt sich Zeit, ihren Charakteren Leben einzuhauchen. Vielen wird dies nicht gefallen. Wahrscheinlich sogar langweilen. Doch wer tiefgründig gezeichnete Personen in Büchern mag und sich von Robin Hobb verzaubern lassen möchte sodass er denkt, er kenne nun die Sechs Provinzen und alle darin bedeuten Personen wie seine eigene Westentasche, ist mit dem Weitseher-Zyklus sehr gut beraten.
Ich bin nun mehr als neugierig, was wohl in den anderen Büchern passieren wird. Denn einer, so finde ich und fällt mir gerade beim Schreiben ein, ist schon im Abschluss etwas zu kurz gekommen: nämlich der Narr. Man kann sich mit dem Ende zufrieden geben. Muss aber nicht. Denn eins der vier nachfolgenden Bücher heißt "Der goldene Narr" und wenn der Verlag vielleicht irgendwann einmal so gütig ist und diese 2. Chronik in all ihren vier Bänden neu auflegt, werden wir hoffentlich mehr von dieser geheimnisumwitterten Gestalt erfahren.
Wer sich also überlegt, sich diese drei tollen Bände zu Gemüte zu führen: ich beneide Euch darum, was für tolle Abenteuer noch vor Euch liegen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge werde ich von nun an, an meinem Bücherregal vorbei gehen und mit Wehmut an eine leider schon zu Ende gegangene Geschichte denken.
Und noch etwas: klar, die Geschmäcker sind unterschiedlich. Aber wer wie ich, NICHT mit Tad Williams klar gekommen ist, sollte sich wirklich an den ersten Band "Der Weitseher" heran trauen.