Eine Rezension über dieses Buch zu schreiben ist keine leichte Aufgabe. Erstens weiß man nicht, wie man es bezeichnen soll. Ist das ein Krimi? Für einen Krimi sind die Abgründe, die sich eröffnen zu schrill, zu schillernd, zu kaltblütig und erbarmungslos dargestellt.
Nach nur wenigen Seiten packt einen das Geschehnis. Wir sind der Geschichte ausgesetzt und fragen, wie bei einem Krimi, wer wohl der Mörder sei. Nur allzu bald merken wir, dass es eigentlich nicht so sehr darum geht. Es geht um Anderes! Aber das wird nicht ausgesprochen. Es schwingt unscheinbar in der klaren, nüchternen Sprache mit.
Eigentlich sind alle Beteiligten zum Teil Mörder und diese Schuld nagt an ihnen, zersetzt ihre Persönlichkeiten. Ihre Geschichten werden überschattet, ‚ersticken’ unter der Last des einen Hauptmotivs des Romans: dem Tod des Nachfolgers.
So verfolgen wir die Schicksale dieser Figuren, die ihre eigene Erinnerung erforschen, als hätten sie sie verloren. Und allmählich ahnen wir es. Es handelt sich nicht um die Figuren des Romans, nicht um die Figuren dieses ‚wahren Geschehnisses’, es handelt sich um das System, in dem sie sich verfangen haben, das die unaussprechlichsten Geheimnisse eines jeden zu kennen vermeint, und einen jeden nach winzigen Gesten verurteil, die diese Geheimnisse andeuten könnten…
Ja, es ist etwas makaber dieses Buch. Als Schattenspiel der Macht entsteht darin auch die Erotik, die sich entweder zwischen Kaminen und dem winterlichen Meer abspielt, oder dem Sarg des Vaters und geheimen Türen, zwischen den Gemächern des Königs und seines Nachfolgers. Türen, die zu öffnen eigentlich auch die Auflösung des Krimis bedeuten würde, aber wie gesagt das ist kein Krimi… ja, auch Literatur nicht!
Ich habe nur noch wenige Seiten zu lesen und werde in paar Minuten fertig sein, dachte ich vor dem Schluss. Doch plötzlich fand ich mich im All, in der Zeitlosigkeit den formelartigen und doch unfassbar nüchternen Worten des Nachfolgers lauschend. Was ist das nur?!