Hans Peter Duerr hat in gewohnter Workaholic-Manier faszinierndes Material in einer schier unglaublichen Fülle zusammengetragen, das die Zivilisationstheorie von Elias nach meinem Eindruck endgültig ad absurdum führt. Es ist eben nicht so, dass durch die westlichen Zivilisationen Triebäußerungen zunehmend modelliert werden, sondern dass es, zumindest was die breite Bevölkerung angeht, selten so ungehemmt zugegangen ist wie in den modernen Industriegesllschaften westlicher Prägung. Es zeigt sich auch, dass viele der vermeintlich "primitiven" Kulturen doch wesentlich stärker an gesellschaftlichen Normen ausgerichtet waren/sind als wir, die wir oft auf diese Kulturen mit einer unberechtigten Arroganz herabsehen.
Viele Passagen sind amüsant zu lesen, etwa die Geschichte des Dekolletes. Unglaublich, wie viele Verordnungen u. Gesetze erlassen wurden, um dessen genaue Ausgestaltung zu regeln.
Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Lektüre.