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Der Mythos vom Matriarchat: Über Bachofens Mutterrecht und die Stellung von Frauen in frühen Gesellschaften vor der Entstehung staatlicher Herrschaft
 
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Der Mythos vom Matriarchat: Über Bachofens Mutterrecht und die Stellung von Frauen in frühen Gesellschaften vor der Entstehung staatlicher Herrschaft [Taschenbuch]

Uwe Wesel
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 168 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 10 (1. Februar 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518279335
  • ISBN-13: 978-3518279335
  • Größe und/oder Gewicht: 17,7 x 10,9 x 1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 233.158 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der erste Teil dieser Studie beschäftigt sich mit der Nachprüfung der von Bachofen angeführten Zeugnisse aus der Antike. Sie zeigt, daß die gesellschaftliche Situation der Frauen in einigen Ländern der alten Welt, z.B. Lykien, Ägypten und im minoischen Kreta, sehr viel besser gewesen ist als in anderen, daß man aber von einem Matriarchat keinesfalls sprechen kann. Der zweite Teil der Studie versucht im wesentlichen an Hand ethnologischen Materials den Gang der Entwicklung zu rekonstruieren, die Geschichte der Familie in Jägergesellschaften und bei frühen Ackerbauern zu beschreiben und die Gründe zu nennen für die zunehmende Unterdrückung der Frauen. Am Beispiel nordamerikanischer Indianer, der Irokesen und der Pueblo-Hopi, werden die besonderen Bedingungen geschildert, die ausnahmsweise zu einer außerordentlich günstigen gesellschaftlichen Stellung von Frauen in frühen Gesellschaften führen konnten.

Über den Autor

Uwe Wesel, geboren 1933 in Hamburg, Studium der Klassischen Philologie und der Rechtswissenschaften. Von 1968 bis zu seiner Emeritierung im März 2001 Professor für Rechtsgeschichte und Zivilrecht an der Freien Universität Berlin. Mitglied des P.E.N. Zahlreiche Publikationen und Mitarbeit bei Fachzeitschriften, der SDZ und der ZEIT. Der Autor lebt in Berlin.


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30 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Uwe Wesels Buch behandelt trotz seiner schmalen 150 Seiten das Thema "Stellung von Frauen in frühen Gesellschaften" umfassend und kompetent, wobei er sich auf die wissenschaftlich relevante Literatur stützt, die zu diesem Thema verfügbar ist.
Er beginnt mit einer kurzen Besprechung von Bachofens "Das Mutterrecht", das als wissenschaftlich sehr umstritten gilt, weil es seine Argumentation ausschließlich auf Mythen aufbaut. Bestätigt wurden Bachofens Thesen scheinbar durch die Beobachtungen des Ethnologen Morgan, der im 19. Jahrhundert die Sozialstruktur der Irokesen untersuchte. Aber Morgan konnte diese Gesellschaft nicht mehr im Urzustand untersuchen, sondern musste vieles zu rekonstruieren versuchen, da die Irokesen schon lange Jahre in Reservaten lebten. Zumindest war die Irokesengesellschaft, bevor man sie in Reservate steckte, eine matrifokale und matrilineare. Zu keiner Zeit konnte man aber von einem reinen Matriarchat sprechen, obwohl die Frauen eine starke Machtstellung hatten. Diese Machtstellung lässt sich aber durch lange Abwesenheitszeiten der Männer erklären (Kriege, Jagd). Sie verschob sich nach der Reservation wieder zugunsten der Männer.
Auch die historische Nachprüfung der vom antiken Geschichtsschreiber Herodot geschilderten angeblich matriarchalischen Gesellschaften in Lykien, Ägypten und Kreta ergab zwar eine bessere gesellschaftliche Stellung von Frauen, aber keineswegs Matriarchate. Herodots Fehleinschätzung lässt sich mit der eklatant schlechten Stellung von Frauen in den griechischen Stadtstaaten erklären. Aus dieser Perspektive betrachtet musste Herodot jede bessere Stellung von Frauen als Frauenherrschaft vorkommen.
Im ethnologischen Teil nimmt Wesel u.a. auch Bezug auf biologische Einflüsse. Allerdings werden diese Einflüsse in der Manier der Zeit (das Buch erschien 1980) heruntergespielt. Schade nur, dass dies in der 8. Auflage des Buches von 1999 nicht korrigiert wurde, obwohl viele der biologischen Einflüsse heute nicht mehr geleugnet werden können. So stellt Wesel auf S. 87 die Frage "Kann man bei Primaten die Natur des Menschen entdecken?" und verneint diese Frage. Sie ist für sich aber schon falsch gestellt, denn sie müsste eigentlich lauten: "Kann man beim Menschen die Natur der Primaten entdecken?". Diese Frage ist aber von Ethologie, vergleichender Verhaltensforschung, Evolutionspsychologie und Verhaltensgenetik längst mit Ja beantwortet.
Im Kapitel "Familienstruktur, Natur und Kultur, Sexismus" diskutiert Wesel auch einige feministische Thesen, die eine Erklärung für die verbreitete Schlechterstellung von Frauen zu liefern versuchen. Keine dieser Thesen bezieht auch nur im Ansatz biologische Erklärungen mit ein. So könnte gerade das wichtigste Merkmal des Geschlechtsdimorphismus, nämlich die Fähigkeit Nachkommen zu produzieren, zu dieser Schlechterstellung geführt haben: Weibliche Individuen sind insofern für eine Population eine lebenswichtige "Resource", weil nur sie das Überleben einer Population gewährleisten können. Selbst, wenn fast alle männlichen Individuen sterben würden, könnte eine Population überleben. Umgekehrt jedoch so gut wie nie. Das führt evolutionsbiolgisch zur Begünstigung von instinktiven Verhaltensweisen zum Schutz von weiblichen Individuen, die auch zu "Bevormundung" führen könnten. Dieses Muster ist in der Natur weit verbreitet und könnte auch die Schlechterstellung von Frauen weitaus plausibler erklären als die von Wesel referierten Thesen.
Fazit des Buches ist, dass es zwar in der Vergangenheit Gesellschaften gab, in denen Frauen bedingt durch Matrifokalität und Matrilinearität wesentlich besser gestellt waren, von Matriarchaten konnte man jedoch zu keiner Zeit sprechen. Dieser Mythos bleibt also das, was viele Mythen sind: Wunschvorstellungen von Menschen. Wesel beleuchtet alle Aspekte des Themas und schreibt einen gut lesbaren Stil. Im Anhang befinden sich ein kurzes Glossar der wichtigsten Begriffe zum Thema und eine umfangreiche Liste der zitierten Literatur. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich unvoreingenommen und kompetent mit diesem Thema befassen will.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Gerhard Mersmann TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Rousseau selbst sprach vom argen Weg der Erkenntnis. Und da lag er nicht falsch. Ein gutes Beispiel sind die historischen Studien im Zusammenhang mit der Emanzipation der Frau. Von Bachofen über Friedrich Engels bis zu Ernest Bornemann waren es Männer, die mit ihren Arbeiten über die Geschlechterrollen und die Familie zur Begründung der Emanzipationsbewegung herhalten mussten. Als die Frauenbewegung in den westlichen Ländern in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts richtig Fahrt aufnahm, war es besonders ein Theorem, mit dem diese Frauenbewegung argumentierte: Dem Zustand des Matriarchats.

Es klingt wie ein Treppenwitz der Geschichte, dass es ausgerechnet ein Mann, dazu noch ein ordentlicher Professor der Rechtswissenschaften war, der aus seiner Hobbyleidenschaft, nämlich der Mythendeutung, Erkenntnisse ableiten konnte, die befreiender nicht sein konnten. Uwe Wesel ging in seinem erstmals 1980 erschienenen Buch Der Mythos vom Matriarchat auf das Repressive dieses Mythos ein.

In einer vergleichsweise kurzen Abhandlung von 150 Seiten behandelte er zwei Perspektiven, die historische und die ethnologische. Bei seinen historischen Betrachtungen, bei denen man zudem eine hervorragende Einführung in die verschiedenen Stadien der geschlechtlichen Rollenverteilungen und Begriffe wie Matrilinearität und Matrifokalität erklärt bekommt, geht er auf die Schlüsselsituation ausgiebiger ein. Aeschylos, einer der großen Philosophen des antiken Griechenlands schuf einen Mythos vom Matriarchat, als die Herrschaft der Männer am unerträglichsten war. Die Schauergeschichten über die angebliche Frauenherrschaft sollten das despotische Regime der Männer legitimieren. Dass Großteile der Frauenbewegung gerade diesen Mythos bemühten, um sich selbst positiv zu inszenieren, gehört sicherlich zur Dialektik der Befreiung schlechthin.

Neben der Klärung dieser fatalen Fehlinterpretation des Matriarchats sind es jedoch die ethnologischen Studien, die bis heute von großem Interesse sein können. Wesel bekräftigte in seinem Buch, dass er tatsächlich auf keine Ethnie gestoßen war, in der man von einer tatsächlichen Form der Frauenherrschaft sprechen konnte. Vielmehr existieren auf unserem Globus unterschiedliche Formen der gesellschaftlich wahrgenommenen Geschlechterrollen, die vom Patriarchat reichten - das gab es und gibt es, in seiner uneingeschränkt negativen Bedeutung - bis hin zu unterschiedlichen Erbfolgen oder Besitzregelungen exklusiv über die Frauen. Von Fallbeispiel zu Fallbeispiel kommt man beim Lesen völlig ab von der irrsinnigen Dichotomie der klassischen Emanzipationsdebatte und folgt dem erkenntnisreichen Pfad interessanter Kulturen, die immer mehr den Schluss nahe legen, dass keine Herrschaft eines Geschlechtes, sondern die Autonomie beider Geschlechter gemäß ihrer Kernkompetenzen wohl der Weg sein müsste, dem man folgen sollte.

Uwe Wesel schloss sein Buch mit einer Erzählung über die Irokesen. Bei denen war es nämlich so, dass die Frauen die Sesshaften waren, die die Kinder erzogen, das Land besaßen und den Mais anbauten, während die Männer die meiste Zeit auf Jagd waren. Man sah sich nicht so oft, aber die Autonomie beider war gesichert und von der Herrschaft eines Geschlechts konnte keine Rede sein.

Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Autonomie statt Herrschaft! Wie befreiend, und wie wenig beachtet!
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