Wenige Neuveröffentlichungen der letzten 20 Jahre lohnen sich so sehr wie dieses, um die (pseudo-)wissenschaftschaftliche Dokumentation der kleinen, aber einflussreichen weil lautstarken Gruppe von Genozid-Leugnern von argumentativen Standpunkt kennenzulernen.
Ausgangspunkt ist der türkische Völkermord an den Armeniern und die berühmten "Lepsius-Dokumente". Zu diesem Thema ist dieses Buch ein wichtiger Mosaikstein und unbedingt lesenswert!
Daß Lepsius seinerzeit in deutsch-exkulpierender Absicht die Originale des deutschen Auswärtigen Amtes gekürzt und teilweise umgestellt hat, ist in der Forschung ja schon sein langem bekannt und daher absolut nichts Neues. Neu ist aber, wie hier deswegen der gesamten Darstellung des Völkermords durch Lepsius die Glaubwürdigkeit insgesamt abgesprochen wird.
Es ist schon wirklich bewundernswert, wie hier hier auf über 300 Seiten historische Dokumente umgedeutet, verdreht, teilnegiert oder bestritten werden, alles mit (scheinbar) wissenschaftlichem Anstrich. Dies ist Sophistik auf allerhöchstem Niveau!!!!
Wie mit selektiven Zitaten, pars pro toto-Argumentation, unvollständigen Argumentationsketten usw. klug gearbeitet werden kann, kann man sehr gut an diesem Buch lernen.
Daneben sollte man Schopenhauers "Eristische Dialektik oder Die Kunst recht zu behalten" legen, und jeder Leser wird das eben Gesagte sehr leicht selbst nachvollziehen können und mir nachmachen können, wie ich dieses Buch selbst mit großem Gewinn (und manchmal augenzwinkernd: "Das kannte Arthur auch schon") gelesen habe.
Leider setzt diese Art der gewinnbringenden Lektüre eine gewisse Vorkenntnis des Themas voraus, ein ahnungsloser Leser hat nichts davon, da er die Selektiv-Argumentation und die anderen argumentativen Kniffe schlecht nachvollziehen kann (daher 1 Punkt Abzug).
FAZIT: Als Einstiegswerk in die Materie ist dieses Buch wegen der einseitigen Information leider nicht geeignet, trotz der hervorragenden Argumentation. Nichtsdestotrotz gehört es in jeden Bücherschrank eines an Zeitgeschichte Interessierten, direkt neben die Werke von anderen prominenten Autoren, wie Fred Leuchter und David Irving. (Letzere schreiben zwar über ein dreißig Jahre späteres Thema, die Rhetorikmittel sind aber oft dieselben.)
4 Punkte für die lehrreiche Argumentationstechnik, nicht für den Informationsgehalt.