Vom Plot her ist das Buch inzwischen durch den Wandel in Medien und Gesellschaft gnadenlos überholt - dennoch ist es zu Beginn rasant, unterhaltsam, geistreich. Vielfach satirisch überzogen, abgedreht, aber nicht so abgedreht, dass die Lesefreude verloren ginge. Für den Anfang würde ich vier bis fünf Sterne geben.
Doch spätestens ab der zweiten Hälfte des Buches vergeht einem die Lesefreude: Die Geschichte wird schlicht dämlich. Die von der Hauptperson kreierten Kampagnen sind nicht revolutionär, sondern dämlich. Der Ablauf der Geschichte ist völlig überzogen. Die Bruchpunkte sind kenntnislos: Da fährt ein rivalisierendes Blatt eine Kampagne gegen Hauptperson Moishe Bernstein, da sein Vater in Wirklichkeit kein Jude war, er ergo auch keiner sei. Dass es bei den Juden allerdings ausschließlich auf die Mutter ankommt, die Kampagne also völlig gegenstandslos ist, wird schlicht vergessen. Und dann fällt der gefeierte Chefredakteur in Ungnade, weil er einen wirtschaftsfeindlichen Artikel gedruckt hat und niemand will ihn mehr einstellen - ebenfalls völliger Quatsch.
Wer sich das Buch kauft, sollte nach der ersten Hälfte das Lesen einstellen, da kommt nicht mehr viel. Schade.