"Töne und Worte, Farben und Formen, das Erscheinungsbild überhaupt, sind nur Symbole der Idee, Symbole, die dem Gemüte des Künstlers aufsteigen, wenn es der heilige Weltgeist bewegt, seine Kunstwerke sind nur Symbole, wodurch er anderen Gemütern seine eigenen Ideen mitteilt. Wer mit den wenigsten und einfachsten Symbolen das Meiste und Bedeutendste ausspricht, der ist der große Künstler" (Heinrich Heine)
Sigmund Freud hat in den hier vorliegenden Schriften psychoanalytische Interpretationen von Kunstwerken und deren Produzenten zu Papier gebracht.
Ihm ist aufgefallen , dass besonders überwältigende Schöpfungen, wie etwa Michelangelos " Moses " sich dem Verständnis des Betrachters zunächst kaum erschließen und man deshalb schon etwas genauer hinsehen muss.Sinn und Inhalt des Kunstwerks stehen bei der Analyse laut Freud im Vordergrund, wenn man das Dargestellte deuten möchte. Was will der Künstler uns mit seinem Werk sagen?
Am Beispiel des marmornen Moses zeigt Freud , wie man eine Skulptur punktuell betrachtet und am Gesichtsausdruck , auch an der Körperhaltung, den Händen etc. nachvollziehen kann, weshalb hier eine authentische und damit ungemein überzeugende Abbildung der alttestamentarischen Gestalt gelungen ist, ganz unabhängig von ihrer ästhetischen Vollkommenheit.
Freud ist sich dabei bewusst, dass die Epoche, in der eine künstlerische Darstellung auf den Weg gebracht wird, sich immer im Ausdruck des Werks widerspiegelt und dadurch von Epoche zu Epoche unterschiedlich psychisch bemerkenswerte Merkmale des dargestellten Protagonisten an die Oberfläche befördert werden, sofern das Darstellungsobjekt von unterschiedlichen Künstlern immer wieder neu gestaltet wird, können die jeweiligen Werke durchaus gleichwertige Authenzität besitzen. Ob sie auch vom ästhetischen Standpunkt aus gleichwertig sein können ist für Freuds Betrachtung unerheblich.
Auch literarische Werken lassen psychologische Interpretationen zu und zeigen Wechselbeziehungen zum Psychogramm des jeweiligen Autoren. Shakespeares "Hamlet" und "Lady Macbeth" auch Dostojeweskis " Spieler" u.a. werden unter genau diesen Gesichtpunkten von Freud in Augenschein genommen. Der Psychoanalytiker dokumentiert , das auch hier seine psychoanalytische Sichtweise zu bemerkenswerten Ergebnissen führen kann., die für die Gesamtbewertung von Kunstwerken sinnvoller Weise stets herangezogen werden sollten.
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