Tom Cains superspannender Politthriller "Target", der sich mit dem Tod der Prinzessin von Wales befasst, machte mich neugierig, nochmals darüber nachzudenken, was in den frühen Morgenstunden des 31. August 1997 wohl tatsächlich im Almatunnel in Paris passiert sein könnte. Und so stieß ich auf dieses Buch von Noel Botham, zweifellos ein echter Pageturner.
Bereits der Prolog ist äußerst spannend. Auf den Seiten 7 - 36 wird dezidiert erläutert, wem der Tod der Prinzessin alles gelegen kam: der britischen Regierung, den Amerikanern und der königlichen Familie. Ausführendes Organ sollen die Sicherheitsdienste gewesen sein.
Dann geht's ans Private. Auf den Seiten 37 - 151 wird ihre Ehe mit Prinz Charles ausführlichst ausgeleuchtet, wer betrog wen mit wem usw. Allein dieser Aspekt ihrer Beziehung hat schon einen sehr hohen Unterhaltungswert. Die Sache schaukelte sich offensichtlich von Jahr zu Jahr mehr auf, jeder wollte Rache am anderen nehmen, jeder wollte der Öffentlichkeit seine Leidenszeit mit eigenen Worten darstellen. Dianas geschickt inszenierte Attacken zielten vor allem in ihren letzten Lebensjahren verstärkt auf die Institution der Monarchie. Diese Kriegserklärung gegenüber dem britischen Establishment konnte unmöglich folgenlos bleiben, folgert der Autor. Und unabhängig von ihrer großen Popularität hätte im Grunde schon im November 1995 festgestanden, dass man Wege finden würde, sich ihrer zu entledigen.
Auf den Seiten 152 - 174 wird's dann wieder richtig spannend. Diana begegnet ihrer großen Liebe, Dodi al-Fayed, und verstärkt gleichzeitig ihr Engagement gegen die Landminen. Daraus folgert der Autor, dass sie jetzt nicht nur das britische Establishment so schnell wie möglich loswerden will (Hintergrund der Familie al-Fayed). Auch in den USA hätte es mächtige Kräfte gegeben, die sich von Dianas leidenschaftlichem Kreuzzug gegen Landminen gestört fühlten. Damit sind die Waffenindustrie und die Führung des amerikanischen Militärs gemeint.
Ab der Seite 175 bis zum Schluss (S. 312) geht's dann nur noch um die Umstände ihres Todes und das Zusammentragen einer Unzahl von Hinweisen, die einen Mord möglich erscheinen lassen. Hierzu sage ich nur: Selber lesen! Botham setzt die Mosaiksteinchen auf jeden Fall superspannend zusammen!
Bei aller Schlüssigkeit der Darstellung, bei aller Akribie im Zusammentragen von "Beweisen", kommt man als aufmerksamer Leser doch zu dem Schluss, dass nie ans Licht kommen wird, ob es tatsächlich einen potentiellen Auftraggeber gab. Und der Autor schreibt auf Seite 188 ja selbst: "Ohne die uneingeschränkte Kooperation der amerikanischen, französischen und britischen Regierung, der französischen Justiz, der französischen Polizei sowie der Geheimdienste (...), wird es nie möglich sein", Licht ins Dunkel zu bringen.