Dank einer unerwarteten Erbschaft seiner Frau lebt Dr. Bernhard Quentin sorgenfrei und in herrlichem Luxus. Seine Praxis läuft gut und er ist mit dem Leben rundum zufrieden - gewesen! Denn jetzt kniet er über einer jungen Frau, die er mit einem Kissen erstickt hat. Damit spaltet sich das Buch in zwei Erzählstränge, die in der Mitte wieder zusammenlaufen. Eine raffinierte Konstruktion, die dafür sorgt, dass die Spannung keine Sekunde nachlässt. Zum einen erlebt man mit, wie Quentin verzweifelt überlegt, wie er den Mord, den er im Affekt begangen hat, vertuschen kann, zum anderen sinnt er darüber nach, wie es überhaupt dazu hatte kommen können: Das Unheil begann damit, dass die stolze, schöne Griechin Penelope zu ihm in die Praxis kam. Bevor er wusste, wie ihm geschah, war er Hals über Kopf verliebt und von der geheimnisvollen Fremden besessen.
Von diesem Moment an macht er einen verhängnisvollen Fehler nach dem anderen. Als am Tag nach seiner Liebesnacht mit Penelope in seine Praxis eingebrochen wird, glaubt er zu durchschauen, dass sie ein falsches Spiel mit ihm getrieben hat. Aus Angst, seine Frau könnte hinter seinen Seitensprung kommen, meldet er den Einbruch nicht der Polizei, sondern versucht, die gestohlenen Drogen selbst wieder zu beschaffen. Was auch immer ihm dabei widerfährt - er legt es aufgrund seiner ursprünglichen Theorie falsch aus und schafft damit weitere Komplikationen, bis er zum Äußersten geht.
Bei dem Versuch, die Spuren seiner Wahnsinnstag zu beseitigen, kommt er nach und nach dahinter, was wirklich passiert ist und dass er der glücklichste Mensch der Welt hätte werden können, wenn er seine Logik nicht für unfehlbar gehalten hätte.
Das Psychogramm dieses doppelbödigen Charakters gelingt Wolfgang Burger ganz ausgezeichnet. "Der Mord des Hippokrates" bezieht seine Spannung vor allem daraus, dass auch der Leser anfangs davon überzeugt ist, dass Quentin übel mitgespielt wurde, und der darum die gleichen Zweifel, dieselben Schockmomente durchlebt.
Als Schauplatz hat Burger Heidelberg gewählt. Ich habe viele Jahre in Heidelberg studiert und gearbeitet und habe mich daher in der Szenerie sofort zuhause gefühlt. Man merkt, dass Burger alle Handlungsorte sorgfältig recherchiert hat. Das gibt der Geschichte während der wilden emotionalen Achterbahnfahrt festen Halt.