Temudjin, oder besser bekannt als Dschingis Khan, eroberte im frühen 13. Jahrhundert weite Teile Asiens. Seine mongolischen Gefolgsleute stießen sogar bis an die Grenzen Europas vor.
Ausserhalb Zentralasiens hat er eine schlechte Rezeption: Er gilt als Schlächter und Mörder unzähliger Menschen und hat nur Leid und Knechtschaft über Asien gebracht. Dass er aber auch sein Land reformiert, und ihm, einen noch Generationen später andauernden, Frieden und Stabilität gegeben hat, wird dabei meist, besonders von der westlichen Rezeption, unterschlagen.
Das Drehbuch des Films basiert auf der "Geheimen Geschichte der Mongolen". Ein Epos welches von Temudjins Sohn in Auftrag gegeben wurde: Der junge Temudjin wächst als Kronprinz seines Vaters Yesügai, dem Oberhaupt seines Clans, auf und lernt schon früh in seinem Leben Betrug und Verrat kennen. Als sein Vater nämlich von einem anderen Clan-Lord vergiftet wird, wird der junge Temudschin von dem Usurpator Targutai aus dem Stamm verstoßen. Fast seine ganze Jugend verbringt er auf der Flucht. Nur seine Frau Börte und seine engsten Freunde stehen zu ihm. Schließlich, nach langen Jahren sich immer wiederholender Gefangenschaft und anschließender Befreiung, gelingt es ihm sich zum Großkhan mehrerer Stämme zu erheben.
Dschingis Khan wird in diesem Film bewußt in einem anderen geschichtlichen Licht gezeigt, als es die meisten Historiker vermitteln: Als umsichtiger und ehrenvoller Anführer seines Volkes, dem Gesetz und Loyalität über allem stehen. Genau das wird dem russischen Regisseur Sergei Dobrov von einigen Kritikern bei dem Werk vorgeworfen. Er würde die historische Figur zu sehr verklären und die blutigen Taten relativieren. Dadurch aber, dass der Regisseur bewußt mythische Elemente in den Film integriert, wie zum Beispiel die wundersame Befreiung des jungen Temudjin von seinen Halsfesseln oder das plötzlich heraufziehende Gewitter während der finalen Schlacht, gibt der Film zu, dass es sich nicht um eine reale Nacherzählung der Geschichte handelt, sondern vor allem auf mündlichen Überlieferungen, von treuen Anhängern des Khans, fußt. Was Dobrov gelingt, ist, dass man in dem Khan auch nur einen Menschen sieht, der, geprägt durch seine Umwelt, in einer für ihn bedrohlichen Welt zurechtzukommen muss. Man wird als Zuschauer dazu angeregt, sich mehr mit dem Mongolenfürsten und seinem Leben zu beschäftigen.
Was vor allem im Gedächtnis bleibt sind die Landschaftsaufnahmen aus der Mongolei, die von den Kameraleuten perfekt in Szene gesetzt worden sind, sowie die Leistung des japanischen Hauptdarstellers Tadanobu Asano. Ihm gelingt es den Menschen hinter dem Eroberer hervorzubringen und erzeugt so beim Zuschauer Sympathie für den harten und kompromißlosen Mann.
Fazit: Schade, dass ich den bildgewaltigen Film nicht im Kino gesehen habe. "Der Mongole" ist ein spannender und faszinierender Film, der keine langweilige Szene hat. Einer der besten Historienstreifen seit langem.