Wie das Buch auf Heinlein-Fans wirkt, kann ich nicht sagen, denn ich bin keiner - im Gegenteil. Dieses Buch aber las ich einigermaßen zügig durch und wollte es auch nur an einer Stelle in die Ecke schmeißen.
Heinlein erzählt die Geschichte einer Revolution in der Mondkolonie - Luna genannt - die halb Gefangenenexil, halb funktionierende Anarchie ist. Sie stellt Heinleins typische "ideale Gesellschaft" dar, die an der freien Entfaltung nur durch die Erdverwaltung gehindert wird. Die drei menschlichen Protagonisten bilden die Keimzelle der Revolution für die Unabhängigkeit Lunas. Der erwachte Stationscomputer Mycroft hilft ihnen, übernimmt sogar in Form der virtuellen Person Adam Selene den Vorsitz und berechnet laufend die Erfolgswahrscheinlichkeit. Die Revolution nimmt in Heinlein'scher Manier - teils erzählend, teils beschreibend - ihren Lauf. Natürlich darf auch Heinleins "rationale" Sexualmoral nicht fehlen. Der Hintergrund ist physikalische korrekte Hard Science Fiction.
Meine Kritikpunkte gehen zum Glück ein wenig in der Story unter, aber hier sind sie:
- ein eher seltsames Frauenbild mit Pseudo-Emanzipation; was aber zum Teil auch der Entstehungszeit des Romans (1966) angerechnet werden kann.
- Der angebliche "realistische Pazifismus" eines Protagonisten, der eigentlich nur leicht verbrämter Militarismus ist.
- Der rigorose Sozialdarwinismus (wer einen Fehler macht, fliegt aus der Luftschleuse), gepaart mit absolutem Kapitalismus (man muss für alles bezahlen, deshalb sind Steuern überflüssig), der durch keinerlei sozialen Gedanken abgemildert wird.
Ergänzt wird das ganze durch einen Hass auf Intellektuelle und sonstige Abweichler.
Wer sich an diesen Kritikpunkten nicht stört oder Heinleins Philosophie zustimmt, kann sich an einer schönen Erzählung über den Beginn der Weltraumkolonisation, einer Revolution und natürlich das Bewußtsein eines frisch erwachten Computers, der seine Fähigkeiten entdeckt, erfreuen. Wer sich über die genannten Punkte aufregt, ist bei anderen Autoren besser aufgehoben (z.B. Asimov, Eschbach).