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Der Mond und das Mädchen - Roman
 
 
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Der Mond und das Mädchen - Roman [Gebundene Ausgabe]

Martin Mosebach
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Hans kann sich glücklich schätzen, und das tut er auch. So glücklich schätzt er sich, dass er, gerade ins Berufsleben eingetaucht und frisch vermählt, in Abwesenheit seiner bezaubernden Gattin Ina eine etwas schäbige Wohnung im Frankfurter Bahnhofsviertel mietet. Dann findet die entsetzte Ina im Schlafzimmer eine tote Taube. Ein Ehering geht verloren, die Mitbewohner entpuppen sich als Zauberwesen, ein Besäufnis gerät zum Hexentanz. Und auch die Wirrungen der Verführungskunst stellen das junge Glück auf eine harte Probe …

Es gibt einen recht unscheinbaren, aber entlarvenden Satz in Der Mond und das Mädchen des Büchner-Preisträgers von 2007, Martin Mosebach. Er kommt recht unauffällig daher, ist aber symptomatisch für des Autors Schreibkonzept. Er lautet: "Ich heiße Despina Mahmoudi", sagte sie, als sei das der erste Satz aus einem bedeutenden Roman des neunzehnten Jahrhunderts, und das war er vielleicht auch. In diesen Worten steckt das ganze Dilemma des Romans -- und sein eigentümlicher Reiz. Denn Der Mond und das Mädchen versucht tatsächlich, ein bedeutender Roman aus längst vergangenen Zeiten zu sein, auch wenn er in der Jetztzeit spielt: Ein Buch, das schon im Erscheinungsjahr die etwas angestaubte Aura des Klassikers verströmen soll. Längst verklungene und auf der Liste der bedrohten Wörter stehende Wendungen bringt uns Mosebach dabei ans Ohr. "Angelegentlich" schreibt er im Buch, und "blümerant". Das Telefon heißt "Telephon", als wäre die Entwicklung der Rechtschreibung am Apparat vorbeigegangen, das Handy "Telephon in seiner Brusttasche". Fast scheint es, als habe der Autor vorm 21. Jahrhundert, seinen Befindlich- und Begrifflichkeiten Angst.

Trotzdem: Mosebachs Stil verklärt die Gegenwart auf zauberische Weise. Und der Umstand, dass sich das Buch auch als Hommage an Shakespeares Sommernachtstraum verstehen lässt -- eine Hommage zudem, deren Bezüge zu entschlüsseln Freude macht --, gibt der Geschichte einen sonderbaren Charme. Der Mond und das Mädchen ist wohl kein großer, bedeutender Roman, der es zum Klassiker bringen wird. Aber er gibt seinem Leser Seite für Seite die Illusion, einer zu sein. Und das ist mehr, als die meisten anderen Bücher der neueren Literatur versprechen könnten. -- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de

Pressestimmen

"Raffiniert wie stets impft Martin Mosebach seinen Roman mit dem Stoff, aus dem die Träume sind. Alles wirkt realistisch, und doch wird hier das Innere nach außen gekehrt." Meike Fessmann, Tagesspiegel, 06.08.07 "Sein neuer, zauberhaft zarter und zugleich satirisch böser Roman." Uwe Wittstock, Die Welt, 04.08.07 "Der Reiz dieser zauberhaften Geschichte liegt gerade in ihrem Changieren zwischen Realismus und Fantastik, zwischen Horror und subtilem Kunstmärchen." Ulrich Baron, Welt am Sonntag, 12.08.07

"Etwas Luftiges und Leichtes strahlt dieses Buch aus, es ist von zierlicher Wohlgesetztheit wie eine Sonate von Scarlatti." Ijoma Mangold, Süddeutsche Zeitung, 11./12.08.07 "Was Martin Mosebach macht, ist millimetergenau. Massarbeit statt Konfektion. Wer das für gehobene Herrenschneiderei hält, der vergisst, dass es erst die Genauigkeit der Form ist, die den Gedanken kleidet." Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung, 07.08.07 "Es ist eine Novelle, in der der deutsche Schriftsteller sein poetologisches Programm in aller Leichtigkeit auf den Punkt bringt." Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung, 07.08.07 "...der schmalste, zarteste und leichthändigste Roman, den Martin Mosebach bislang geschrieben hat." Hubert Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.07 "Martin Mosebach, der Erzähler, Romancier und Essayist, der Grandseigneur in der Apfelweinkneipe ist von ungewöhnlicher stilistischer und intellektueller Brillanz." Hubert Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.07 "Die Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung hat sich in diesem Jahr einen Büchner-Preisträger erwählt, von dem eine dauerhafte Beeinflussung, vielleicht sogar eine Wandlung der deutschsprachigen Literatur ausgehen kann: Lebendiger jedenfalls hat man die Tradition in diesen Kreisen noch nicht erlebt." Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung, 08.06.07 "Dass Mosebach nun den wichtigsten Literaturpreis bekommt, zeigt, wie sehr sich die Literatur und ihre Rezeption verändert haben. Man muss der Akademie gratulieren, dass sie dafür Sinn und Aufmerksamkeit hatte." Ulrich Greiner, Die Zeit, 08.06.07 "Er hat bis hin zu seinem jüngsten Roman Der Mond und das Mädchen ein höchst differenziertes, anschauliches und zugleich unterhaltsames Panorama deutscher Gegenwart entworfen - immer zentriert um seine Geburtsstadt Frankfurt am Main, die seit dem Krieg keinen liebevolleren Porträtisten gefunden hat als ihn." Uwe Wittstock, Die Welt, 08.06.07

Hubert Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Juni 2007

"...der schmalste, zarteste und leichthändigste Roman, den Martin Mosebach bislang geschrieben hat."

Meike Fessmann, Tagesspiegel, 6. August 2007

"Raffiniert wie stets impft Martin Mosebach seinen Roman mit dem Stoff, aus dem die Träume sind. Alles wirkt realistisch, und doch wird hier das Innere nach außen gekehrt."

Kurzbeschreibung

Ein Sommernachtstraum mitten im steinernen Frankfurt. Hans und Ina sind ein strahlendes junges Paar. Hans hat eine brillante Bankkarriere begonnen, und umso unbegreiflicher ist es, wie sehr er sich in der neuen Wohnung vergriffen hat: Hinter dem Hauptbahnhof an einer lauten Straße steht dies übriggebliebene Gründerzeithaus, dem man nicht ansieht, wie seltsam es in ihm zugeht. Denn dort findet sich allnächtlich im brütend heißen Hof unter dem großen Sommermond jener fatale Kreis um den marokkanischen Hausmeister zusammen ... Ein federleicht und spielerisch erzählter Roman, ironisches Großstadtbild und doppelbödige Liebesgeschichte zugleich.

Über den Autor

Martin Mosebach, geboren 1951 in Frankfurt am Main, lebt dort als Schriftsteller nach dem Studium der Rechtswissenschaften. Zahlreiche Buchveröffentlichungen. Auszeichnungen: 1980 Förderpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung, 1999 Heimito-von-Doderer-Preis und 2002 Heinrich-von-Kleist-Peis, 2006 Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 2007 Georg-Büchner-Preis.

Auszug aus Der Mond und das Mädchen von Martin Mosebach. Copyright © 2007. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Wer eine Wohnung sucht, hat es mit einem der seltenen Augenblicke zu tun, in denen der Mensch wirklich einmal glauben darf, über die Zukunft seines Lebens zu entscheiden, denn im Wohnen, so vieldeutig dies Wort eben ist, liegt doch das ganze Leben beschlossen. Der junge Mann, der auf dem Fahrrad durch die Straßen der ihm noch fremden Stadt Frankfurt fuhr, hatte ein paar Tage zuvor geheiratet und hielt Ausschau nach der ersten Wohnung, die er mit seiner Frau gemeinsam bewohnen würde. »Meine Frau« zu sagen, ging ihm noch nicht glatt von den Lippen. »Meine Frau« - wäre das nicht eher eine Matrone? Um »meine Frau« zu werden, müßte das Mädchen, das er geheiratet hatte, alles verlieren, was jetzt zu ihm gehörte: Kindlichkeit, Schmetterlingszartheit, Elfenleichtigkeit. Das waren nicht seine Gedanken, poetische Ausdrucksweise wollte er sich nicht zutrauen, aber eine leise klingende, feingläserne Zerbrechlichkeit war es schon, was ihm vorschwebte, wenn er an dies Mädchen dachte, ein zartes Glasgeklingel, Silbrigkeit in Stimme und Haar. Dabei war sie gar nicht viel jünger als er, aber aufgewachsen und behütet in einem Reservat abschirmender Bürgerlichkeit wie ein exquisites Frühgemüse, das nur mit Wärme und Tau, nicht aber mit Frost und rauhen Winden in Berührung kommen darf.
Die ersten Wochen dieser Ehe sahen ein wenig anders aus, als es solch geordneten Verhältnissen entsprochen hätte. Unzählige Gäste gratulierten dem jungen Paar. Die meisten waren für den Bräutigam Wildfremde und blieben es auch, als er die Hochzeitsphotos betrachtete; da hätte man ihm hin legen können, wen man wollte, er hätte bereitwillig geglaubt, das Gesicht irgendwann auf seiner Hochzeit gesehen zu haben. Aber nach dieser »mariage à la mode« fand die berühmte rituelle Hochzeitsreise leider nicht statt. Es ging nicht. Es war nicht zu machen, der Antritt der neuen Arbeitsstelle, der ersten nach der Universität, hatte sich nicht verschieben lassen; es war auch gar nicht ernsthaft daran herumgeschoben worden, denn das, was in früheren Zeiten auf einer solchen Hochzeitsreise geschehen sollte, hatte, wie üblich, längst stattgefunden, und der eigentlichen Hochzeit waren mindestens drei kleine Hochzeitsreisen vorangegangen. Für Sentimentalitäten war keine Zeit, so drückte es seine Schwiegermutter aus, in deren Nähe es nicht nur die Sentimentalitäten, sondern eigentlich sämtliche Gefühlsregungen schwer hatten, sich zu behaupten.
Noch mehr als Gefühlsregungen verabscheute die Dame jede Anstrengung, und mochte man auch alles, was sich nur delegieren ließ, Hilfskräften übertragen, so täuschte doch nichts darüber hinweg, daß die Hochzeit vor allem eine solche immense Anstrengung gewesen war. Nur wenige Tage, nachdem das Feuerwerk der Brautsoirée abgebrannt worden war, reiste sie in den Süden und nahm dabei ihre Tochter mit, denn sie trat bei anderen Leuten ungern allein auf. Immer mußte sie jemanden aus der eigenen Sphäre dabei haben, um vom fremden Milieu nicht zu leicht vereinnahmt zu werden. Der junge Mann war mit dieser Reise grundsätzlich einverstanden. Er war immer froh, wenn das Mädchen etwas An genehmes erlebte, und es war viel unkomplizierter so: Er zog in Frankfurt in eine kleine Pension und würde sehr schnell, abends nach der Arbeit und an den Wochenenden, eine Wohnung gefunden haben, und wenn sie zurückkam, würde er sie überraschen - eine köstliche Vorstellung -, und sie würden den Lastwagen mit Hochzeitsgeschenken aus Hamburg kommen lassen und mit dem Auspacken und Einrichten beginnen.
Nur daß der Wunsch der Mutter so ganz fraglos und ohne Abwägung befolgt zu werden hatte, verwunderte ihn ein wenig, wenn er jetzt in seinem Alleinsein darüber nachdachte. Ob er in diesen ersten Tagen am neuen Ort den Beistand seiner soeben erst geheirateten Frau brauchen könnte, wurde nicht einmal in Betracht gezogen. Ina machte keine glück liche Miene, als sie ihm vom Vorhaben ihrer Mutter berichtete, aber ihr Bedauern angesichts der objektiven Notwendigkeit - denn die stellte die mütterliche Anordnung ohne jeden Zweifel her - blieb doch klein. Es war nicht das erste Mal, daß ein solches Inbeschlagnehmen vorkam, aber solange sie nicht verheiratet waren, hatte es ihn nicht weiter belastet. Es paßte zur Kindlichkeit des Mädchens, daß es so innig an seiner Mutter hing. Die Schwiegermutter war Witwe, war es da nicht naheliegend, sich mehr um sie zu kümmern? Wenn er nur nicht den Eindruck gewonnen hätte, daß diese Frau einen Menschen, der sich um sie sorgte, gar nicht nötig hatte.
Frau von Klein war nicht so grazil gewachsen wie ihre Tochter. Ihr hübsches Gesicht war keine altersmäßige Fortentwicklung oder Entfaltung dessen, was im Gesicht ihrer Tochter angelegt war, sondern nur ein wenig weitläufiger, und natürlich lag jenes feine Netz über der Haut, das die auch von der Mutter bewahrte Kindlichkeit auf rührende und Zärtlichkeit weckende Weise gealtert erscheinen ließ. Sie war die schönste Schwiegermutter, die sich denken ließ, mit langsamen, lässigen Bewegungen. Auf der Hochzeit hatte sie Rosa getragen, ohne albern zu wirken, und wer weiß wie viele Dummköpfe, weibliche zumeist, hatten die Plattheit nicht gescheut, jedermann zu versichern, Mutter und Tochter sä hen aus wie Schwestern - »Ich hoffe doch nicht«, sagte Frau von Klein mit unbewegter Miene, wenn sie so etwas hörte.
Der junge Mann sah sie vor sich, wie sie nach dem Hochzeitsempfang mit entfernten Verwandten in der Hotelhalle saß und den Friseur, einen häßlichen kleinen Italiener, der sich stets aufs neue schüchtern näherte, dreimal aufs neue wegschickte, obwohl sie ihn bestellt hatte. Der verzweifelte Mann mußte logistisch Außerordentliches leisten und beständig die Termine der anderen Damen umlegen, ohne daß er von ihr mehr als einen blanken Blick ohne die Spur auch nur gespielten Bedauerns erhielt.
»Sie ist vollkommen unabhängig von der Zustimmung anderer«, dachte der junge Mann, »sie nimmt andere Menschen kaum wahr.« Beim Abendessen war ihr Haarhelm dann makellos, als hätte sie den Nachmittag unter der Haube verbracht. Wirkliche Kälte hat etwas mit vollständiger Gerechtigkeit gemeinsam. Sie vermag sogar als Stärke erscheinen und dämpft zunächst auch die Empörung der anderen. Trotzdem wuchs da inzwischen ein kleiner Groll bei dem jungen Mann. »Frankfurt ist eine scheußliche Stadt«, sagte Frau von Klein, als er ihr stolz von seiner neuen Stelle erzählte. War das alles, was sie zu dieser erfreulichen Nachricht zu sagen hatte?
Ina hing an den Lippen ihrer Mutter, aber als sie zu ihm hinübersah, lächelte sie. Und so mußte es auch sein. Dieser gemeinsame Neubeginn mußte Ina mit Freude und Zuversicht erfüllen. Ob sich in Frankfurt auch für sie sofort ein Job finden würde, durfte durchaus erst einmal unwichtig sein. Man lebte in der Stadt, in der man arbeitete. Was war überhaupt eine scheußliche Stadt? Gewiß nicht die, durch die er jetzt nach dem Büro mit dem Fahrrad fuhr.
Er trug noch seinen dunklen Nadelstreifenanzug, seine Uniform als assistant executive, wie er auf seiner neuen Visitenkarte genannt wurde, aber die Krawatte hatte er in die Rock tasche gesteckt, denn wenn man den gekühlten Glasturm verließ, in dem sein Büro lag, prallte man gegen die Hitze wie gegen eine Wand. Es war erst Juni, aber in Frankfurt schon heißer als am Mittelmeer, wie er von Ina wußte. Sie sprach von einem bedeckten Himmel und geradezu ungemütlicher Abendkühle am Golf von Neapel, während sich über Frankfurt ein blühendes Hellblau spannte, das gegen Abend weicher wurde, aber noch lange nicht verblaßte.
Außerhalb der Innenstadt waren die Straßen leer. Das Fahr radfahren war ein Dahingleiten durch streichelnde, gesättigte Luft. Selbst die Autoabgase gaben ihr, wenn er einmal solch eine Fahne streifte, gewürzhafte Fülle. Eine gewisse Schwere, eine gleichsam wattige Substanzhaftigkeit gehört geradezu zur Stadtluft. Viel Staub und Schmutz in der Luft gibt dem Licht eine unvergleichliche Schönheit, wie jeder weiß, dem die Sonnenuntergänge von Delhi oder Mexico City vor Augen stehen - hinter den Rauchfiltern wird die Sonne riesen groß und verströmt eine in reinen Sphären unbekannte rotgol dene Pracht. Für solche Schauspiele war die Luft in Frankfurt allerdings nicht schmutzig genug, und exotische Lichtwunder wurden auch gar nicht vermißt, wenn Häuser und Vorgärten ihren biedermeierlichen Abendfrieden ausstrahlten, Feierabendstille, in die tatsächlich auch eine bim melnde Kirchen glocke klang. Es mußte hier irgendwo eine Kapelle in der Nähe sein, für eine große Glocke war der Klang zu hell. Vor vielen Fenstern waren die Rolläden heruntergelassen, um die Sonne tagsüber abzuhalten. Und nun rumpelte es überall leise, weil sie hinaufgezogen wurden, um das ausgeschlossene Licht, dem endlich die brennende Hitze fehlte, wieder in die Zimmer fallen zu lassen. Die Straßen, die er ohne große Pläne durchfuhr, waren wohl vor hundert Jahren angelegt worden. Die Mietshäuser mit drei, höchstens vier Stockwerken bestanden vielfach aus rotem Mainsandstein, wenigstens die Torpfosten, das Sockelgeschoß und die Fensterumrahmungen waren rot, etwas Deutsches, Provin zielles hatte dieser Stein, eine gewisse burg- und kirchenhafte Düsterkeit. Jetzt aber war er so sanft beschienen, daß er geradezu von innen heraus strahlte.
»Wie wäre es, hier zu wohnen?« fragte sich der junge Mann und blickte in ein Eßzimmer, in dem eine schöne Lampe vor einem großen Spiegel brannte, ein weiteres Zimmer schloß sich an, und durch das hintere Fenster sah es grün herein. Nein, niemals ein Erdgeschoß, dachte er dann, Ina fürchtete sich und hätte in einer Parterrewohnung nie bei offenem Fenster geschlafen. Aber man konnte ja auch in den ersten Stock ziehen, der gewiß ein wenig heller war und dessen pompöser kleiner Balkon eine dicke Barockbalustrade hatte. Auf diese Balustrade würde sie wohl Terracotta-Töpfe mit Buchsbaum kugeln setzen, wie die Leute das hier auch getan hatten. Eine Reihe von Häusern hier war derart geschmückt, als schlage das diskrete Innenleben durch die dicken Mauern hindurch nach außen, um den im Innern herrschenden Geschmack auch zur Straße hin auszustellen. In der Wärme des Sommerabends atmeten die starren Häuser und wurden zu gro ßen Klangkörpern, wie von Musikinstrumenten, die leise hallen und dröhnen, wenn sie angestoßen werden oder wenn die Luft durch sie hindurchbläst.
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