Seltsam erscheint die Wohnungssuche eines jungen Ehemannes in Frankfurt am Main. Sein Beruf als angehender Banker hat ihn hier her verschlagen. Seine ihm gerade erst angetraute Frau Ina, ein fragiles Geschöpf, begleitet ihre dominante Mutter, eine Frau von Klein, nach Italien, während der junge Mann seine Suche nach der passenden Unterkunft ohne seine Frau unternimmt. Etwas unbeholfen und naiv läuft er durch das in sommerlicher Hitze getauchte Frankfurt und findet hinter dem Hauptbahnhof eine Dachzimmerwohnung in einem dubiosen Haus.
Als die ersehnte Rückkunft der sensiblen Liebsten naht, wird Hans sich immer unsicherer, ob er die richtige Wahl mit der Wohnung getroffen hat.
Und richtig: kaum besichtigen sie das spärlich möblierte Appartement, finden sie eine tote Taube, die sie aus einem offenen Auge anschaut. Der Unrat, den sie bei ihrer Verirrung in die Wohnung hinterlassen hat, erschreckt die junge Frau zu Tode, und Ehemann nebst Frau entfliehen zuerst einmal in die Pension, in der unser Held bisher gewohnt hat.
Nach und nach gelingt es Ina, die Wohnung mit einem zauberhaften Interieur auszustatten, in der man sich richtig wohl fühlen kann. Doch birgt das Haus in einer unwirtlichen Gegend Frankfurts auch noch andere Geheimnisse. Sie lassen auf skurrile Bewohner und einen nachdrücklich neugierigen Hausmeister mit Namen Souad schließen, der keinem so recht geheuer ist mit seiner Aufdringlichkeit.
Mit seinen minutiösen Beschreibungen der Wohnungssuche, der Menschen und dem schüchternen Gatten einer zartsüßen Frau entführt Mosebach in eine Geschichte, die teils von verhaltenem Gruseln beseelt und teils von schwebender Leichtigkeit ist. Man erwartet dauernd, dass Schreckliches geschieht.
Die Sprache ist fein ziseliert, poetisch und vielseitig. Wer Freude an Sprachkünsten hat, kommt auf seine Kosten. Dummerweise erwischt einen beim Lesen eine Art von Gedankenflucht, weil man einfach nicht begreift, was uns der Autor erzählen will. Auch kann man bei den einzelnen Protagonisten ebenfalls Gedankenflucht feststellen. Anlässlich eines Gedankenaustauschs über den Hausbesitzer (S.144) ergeht sich Ina in Überlegungen:"Wie es denn überhaupt mit dem verdienen des Unglücks so eine Sache sei: wer habe schließlich sein Unglück verdient"? etc.
Ist die Frankfurter Hausgemeinschaft im Hinterhofmilieu mit dem marokkanischen Hausmeister und den anderen Mietern wirklich diese Erzählung wert?
Leicht skurril und sehr irdisch geht es natürlich am Ende um die Liebe, um Untreue, um Geld und Zusammenhalt,--und um die Verkettung sonderbarer Umstände, die Inas und Hans'' Ehe gefährden.
So richtig nah kommt man dem Geschehen nicht, weil der Kontrast zwischen zart beseelter Stimmung im nächtlichen Mondenschein mit der rauen Frankfurter Realität nicht zusammen passen will. Ich habe Tiefenschärfe vermisst und kann den Roman insofern nur mit Einschränkungen empfehlen.