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am 22. August 2008
Der Frankfurter Schriftsteller Martin Mosebach, 1951 geboren, ist in der Literaturszene nicht unumstritten. Durch seinen bekennenden Katholizismus und seine streng konservative Haltung und Perspektive auf die Gesellschaft ist er in einer Literaturwelt, in der der Schriftsteller immer noch hauptsächlich ein Sprachrohr der Unterdrückten und Benachteiligten, mindestens aber ein mehr oder auch mal weniger radikaler Kritiker von Bestehendem, seien es Strukturen, seien es Werte und Normen, zu sein hat, eher ein Außenseiter geblieben. Dabei haben seine Ansichten durchaus Hand und Fuß, und wenn man seine unlängst auch bei Hanser erschienene, wohl leider nur von einem kleinen Kreis wirklich rezipierte Streitschrift über die Feinde der römischen Liturgie immanent liest, d.h. ohne den oft schon reflexartigen Automatismus, der bei Themen anspringt, die nicht en vogue sind oder einen selbst als Leser, erst recht aber als Kritiker unter falsche Gesellschaft geraten lassen könnten, dann muß man feststellen, dieser Mann der ersten Nachkriegsgeneration hat wirklich etwas zu sagen und man sollte ihn ernst nehmen.

Deshalb ist der Hinweis so manchen Feuilletons in diesem Land nach der Verleihung des Großen Literaturpreises der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 2006 an Martin Mosebach, daß der Cheflektor des Hanser-Verlags ein Händchen für Preisträger habe, nicht von der Hand zu weisen. Denn Martin Mosebach hat den Preis sicher nicht nur für seine gesellschaftspolitischen und theologischen Positionen erhalten, sondern für seine schriftstellerische Leistung und sein künstlerisches Können.

Dieses Können stellt er auch in seinem neuen Roman "Der Mond und das Mädchen" unter Beweis. In einem Stil und einer Thematik, die den Rezensenten manches Mal an das unlängst bei C.H.Beck erschienene Buch "Charakter" des Holländers Ferdinand Bordewijk erinnerte, beschreibt Mosebach die ersten Ehemonate von Hans und Ina. Sie haben jung geheiratet, gegen den ausdrücklichen Willen von Inas Mutter, Frau von Klein, die als halsstarrige und kritiksüchtige Altadlige in Hamburg lebt, sich und ihre Freude für etwas Besseres hält und daher auf die eher einfache Herkunft von Hans' Familie nur herablassende Verachtung übrig hat.

Es grenzte schon an ein Wunder, daß Ina nach jahrelangen Sticheleien ihrer Mutter sich doch gegen sie durchsetzte und eine Hochzeit mit allem Drum und Dran organisierte.
Hans ist gelernter und auch studierter Bankkaufmann und hat direkt nach der Eheschließung eine attraktive Stelle in Frankfurt erhalten. Während Ina mit ihrer Mutter drei Wochen in Italien weilt, müht sich der etwas naive, in seinem Beruf allerdings durchaus durchsetzungsfähige Hans, für das junge Ehepaar in Frankfurt eine Wohnung zu finden. Er gerät in eine große, aber ziemlich heruntergekommene Altbauwohnung im vierten Stock eines Hauses am Baseler Platz, einem Viertel, das nun nicht gerade hip ist. Als Ina zurückkommt von ihrem Urlaub mit Mama, fängt sie nach dem ersten Schock über den Zustand der Wohnung und die soziale Zusammensetzung der Mitbewohner und Nachbarn an, die Wohnung recht schön einzurichten. Doch während die Wohnung zunehmend eine persönliche Note bekommt, kommen die beiden jungen Eheleute immer weniger miteinander klar. Hans flüchtet nach unten in den Hinterhof eines von einem Äthiopier geführten Kiosks im Erdgeschoß des Wohnhauses, wo er neben dem marokkanischen Hausverwalter Abdullah Souad unter anderem auch das Paar aus der Nachbarwohnung kennen lernt.
Als er dem Marokkaner und anderen moslemischen Menschen zum ersten Mal begegnet, lässt Mosebach seinen durchaus gebildeten und auf der Höhe der Diskussion sich befindlichen Hans ohne ihn namentlich zu erwähnen über Hans Magnus Enzenbergers letztes Buch "SchreckensMänner. Versuch über den radikalen Verlierer" nachdenken, und zu dem Schluß kommen, daß Enzensberger mit dem Topos des Verlierers sich den islamischen Terror wohl zu einfach denke und über seine zeitlich befristete Zukunft wohl doch einige Illusionen mache. Hier zeigt der Autor andeutungsweise, in welche Richtung er selbst denkt, führt es aber dann nicht weiter aus.

Die ganze Geschichte läuft auf eine große Entfremdung hinaus. Ina und Hans haben sich nicht mehr viel zu sagen, die Kommunikation mit den zwielichtigen Kreis der Menschen um den Hausverwalter Souad ist mehrdeutig und auch die zarte Beziehung von Ina zum dem Hausbesitzer Sieger, der völlig von dem Hausverwalter abhängig ist, bleibt ungleich.

Martin Mosebach beschreibt distanziert und ohne Häme, doch mit viel Ironie, Zustände in deutschen Großstädten, er notiert die Unsicherheit von Bürgerlichen einer zunehmend islamisch dominierten Nachbarschaft gegenüber, und ihre teilweise Unterwerfung unter diese. Der Gegensatz zwischen Hans' Berufswelt in der Großbank zehn Gehminuten entfernt und dem Publikum am Baseler Platz könnte nicht größer sein.

Irgendwann wird das alles Ina zu viel. Sie wird zur Überraschung der ganzen Hinterhofrunde und des benachbarten Ehepaars gegenüber Hans handgreiflich - sie schlägt ihm eine Flasche Bier auf den Kopf. Mit überraschendem und nach der Lektüre des Buches nicht mehr für möglich gehaltenem Erfolg ...

Ein Buch über die Beziehungen von Großstadtmenschen und ein Buch über einen immer größer werdenden Kulturgraben mitten in unserer Gesellschaft.
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am 28. März 2015
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört. Vermutlich wäre meine Beurteilung identisch, wenn ich es gelesen hätte.
Ich kenne sonst nichts von Martin Mosebach, hoffe aber sehr, dass ein Büchner Preisträger auch bessere Texte geschrieben hat.

Dabei ist an der Hörbuchausgabe selbst nichts zu bemängeln, der Sprecher macht seine Sache gut.
Es ist der banale Inhalt und die prätentiös wirkende Sprache, die mich ein vernichtendes Urteil fällen lässt: Ziemlich banal und über weite Strecken sehr, sehr langweilig.
Ich habe etliche andere Rezensionen zum Buch gelesen und mich gewundert, wie begeistert einige waren.
Ich kann das nicht nachvollziehen.

Mehrfach dachte ich, der einfache Vorname Hans sei bewusst gewählt um an den Hans aus dem Zauberberg Thomas Manns zu erinnern.
Vermutlich hat sich der Autor bemüht an den Schreibstil seines Vorbilds heran zu kommen.
Genau so kam die Sprache bei mir an: bemüht.

Zitat aus dem Wikipedia Artikel über Martin Mosebach:
In einem Interview mit dem Deutschlandradio sagte Sigrid Löffler, Mosebach schreibe in einem sehr verschmuckten und gespreizten Prunkstil" mit affektierten Vokabeln und ihren verzopften Phrasen aus der bürgerlichen Mottenkiste des 19. Jahrhunderts".[20] Er stürze beim Schreiben ständig ins Lächerliche ab und habe den Georg-Büchner-Preis 2007 nicht für sein Werk, sondern wegen seiner reaktionären Gesinnung bekommen.[20] Die Preisvergabe hatte sie bereits in einem Artikel in der von ihr herausgegebenen Zeitschrift Literaturen kritisiert. [5]

Falsche Konjunktive, hässliche Wiederholungen, schaffte" statt schuf", Verwechslungen von Nominativ und Akkusativ etc. - eine ausführliche Analyse der Sprache Mosebachs in Ruppertshain führte Peter Dierlich (d. i. Joachim Rohloff) dazu, das Buch in der linken Wochenzeitung Jungle World als schlechtesten Roman der Welt" zu bezeichnen.[21]
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